Der Öffentliche Gesamthaushalt in Deutschland hat in den ersten drei Quartalen 2025 mehr eingenommen und zugleich deutlich mehr ausgegeben als im Vorjahreszeitraum. Trotz eines Zuwachses bei den Einnahmen um 6,0 Prozent und bei den Ausgaben um 5,6 Prozent blieb das Finanzierungsdefizit mit 107,6 Milliarden Euro nahezu auf dem Niveau des Vorjahres.
Defizit auf Vorjahresniveau trotz steigender Einnahmen
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) standen in den ersten drei Quartalen 2025 Einnahmen in Höhe von 1.490,5 Milliarden Euro Ausgaben von 1.598,0 Milliarden Euro gegenüber. Damit verzeichneten die Kern- und Extrahaushalte von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung ein in Abgrenzung der Finanzstatistik errechnetes Finanzierungsdefizit von 107,6 Milliarden Euro. Das Defizit lag somit nahezu auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums (-67 Millionen Euro). Alle Ebenen des Öffentlichen Gesamthaushalts – Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung – schlossen mit einem Minus ab. Zwar trug der Bund wie in den Vorjahren seit 2020 den größten Anteil des Gesamtdefizits, jedoch ist das Finanzierungsdefizit bei den Gemeinden weiter gewachsen.
Steuereinnahmen und Sonderfaktoren
Aus Steuern und steuerähnlichen Abgaben wurden in den ersten drei Quartalen des Jahres 2025 rund 1.285,8 Milliarden Euro eingenommen, ein Plus von 7,1 Prozent. Der deutliche Anstieg wurde getragen von den Beitragseinnahmen der Sozialversicherung (+9,1 Prozent) und den Landessteuern (+33,3 Prozent). Gemeinden und Stadtstaaten verbuchten auch nach der Grundsteuerreform Einnahmen aus Grundsteuern auf der Höhe des Vorjahresniveaus von rund 12,5 Milliarden Euro. Die für das Gesamtaufkommen wichtigen Gemeinschaft- und Bundessteuern stiegen jeweils um etwa fünf Prozent.
Bei den Bundessteuern wirkten sich gegenläufige Effekte aus. Einerseits laufen die Einnahmen aus dem EU-Energiekrisenbeitrag, also dem Abschöpfen von „Überschussgewinnen“ bei Unternehmen, die Kohle oder Erdöl abbauen oder verarbeiten, aus. Andererseits wurde die Tabaksteuer erhöht, was in den ersten drei Quartalen Mehreinnahmen von rund zwei Milliarden Euro erbrachte.
Entwicklung bei Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung
Beim Bund stiegen die Zuschüsse an Sozialversicherungsträger um 5,3 Milliarden Euro. Von den zugunsten der Sozialversicherungen geplanten Darlehen wurden zwei Milliarden Euro an die Arbeitslosenversicherung ausgezahlt. Auch zahlte der Bund 5,3 Milliarden Euro als Eigenkapitalerhöhung an die Deutsche Bahn, was die Ausgaben „zum Erwerb von Beteiligungen“ entsprechend ansteigen ließ. Die Ausgaben des Bundes in den ersten drei Quartalen 2025 betrugen 461,9 Milliarden Euro, das waren 4,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, so die Statistiker weiter. Die Einnahmen stiegen um 2,7 Prozent auf 394,9 Milliarden Euro. Somit ergab sich ein Finanzierungsdefizit von 66,9 Milliarden Euro, das waren 8,7 Milliarden Euro mehr als im Vorjahreszeitraum.
Bei den Ländern stiegen die Personalausgaben um 5,2 Prozent und die Sachausgaben um 2,2 Prozent. Die Ausgaben für Kreditmarktzinsen erhöhten sich deutlich um 9,7 Prozent auf 9,2 Milliarden Euro. Allgemeine, sonstige und investive Zuweisungen der Länder an ihre Gemeinden und Gemeindeverbände erreichten zusammengenommen 110,3 Milliarden Euro, ein Plus von 3,1 Prozent. Insgesamt ergab sich bei den Ländern mit Ausgaben von 414,5 Milliarden Euro (+2,4 Prozent) und Einnahmen von 413,4 Milliarden Euro (+4,0 Prozent) ein Defizit von 1,2 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte es noch bei 7,3 Milliarden Euro gelegen.
Die Gemeinden mussten eine gegenüber Bund und Ländern höhere Steigerungsrate der Personalkosten finanzieren. Diese stiegen um 6,7 Prozent auf 79,3 Milliarden Euro. Zudem nahmen bei ihnen die Ausgaben für Zuweisungen und Zuschüsse an andere Bereiche, unter anderem Sozialausgaben, mit +6,6 Prozent stärker zu als die Einnahmen (+5,5 Prozent). Bei den Gemeinden und Gemeindeverbänden wuchsen die Ausgaben um 5,9 Prozent auf 303,4 Milliarden Euro, während die Einnahmen um 5,5 Prozent auf 275,1 Milliarden Euro stiegen. Das Finanzierungsdefizit vergrößerte sich auf 28,3 Milliarden Euro. Das waren 2,4 Milliarden Euro mehr als im Vorjahreszeitraum und auch mehr als das Rekorddefizit von 24,8 Milliarden Euro, das sich für das Gesamtjahr 2024 ergeben hatte.
Bei der Sozialversicherung ging das Finanzierungsdefizit gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,9 Milliarden Euro auf 11,2 Milliarden Euro zurück. Die Ausgaben stiegen um 7,3 Prozent auf 696,7 Milliarden Euro, die Einnahmen um 8,3 Prozent auf 685,5 Milliarden Euro.
Quelle: Mit Material der dts Nachrichtenagentur. ✨ durch KI bearbeitet, .