Rund 700 Unternehmen in der Region wurden von der IHK zu zu ihrem Investitionsverhalten und möglichen Investitionshemmnissen befragt. Zusammen mit den Ergebnissen der sogenannten „Industriestatistik“ entstand daraus die IHK-Analyse „In Zukunft investieren“, die in dieser Woche vorgestellt wurde.

Ein zentrales Ergebnis der aktuellen Studie: Ungünstige Rahmenbedingungen werden von etwa jedem fünften Unternehmen als Ursache für eine gebremste Investitionsbereitschaft angeführt.

Martin Schlichter, Präsident der IHK Osnabrück – Emsland – Grafschaf Bentheim, nennt den Fachkräftemangel als „Investitionsbremse Nummer eins“. Jedes zweite Unternehmen, das Investitionshemmnisse sah, führte diese auf Schwierigkeiten bei der Personalsuche zurück. Aber auch zu hohe Gewerbesteuern, mangelhafte Informations- und Kommunikationsinfrastruktur, gestiegene Energiekosten und eine mangelhafte Verkehrsinfrastruktur werden als Ursachen für eine „Investitionszurückhaltung“ genannt, die sich in der Region negativ auf Wachstum und Wohlstand auswirken.

Investitionen wandern ins Ausland

Das Geld für Investitionen scheint aber grundsätzlich da zu sein, denn „fast ein Viertel der Unternehmen, die Investitionshemmnisse beklagten, haben alternativ im Ausland investiert, zusätzliche zehn Prozent an anderen Standorten in Deutschland“, so der IHK-Präsident im Gespräch mit unserer Redaktion, und weiter: „Das verdeutlicht, dass unserer Region Chancen entgehen.“
Die Investitionsquote – also der Anteil der Investitionen an der Bruttowertschöpfung – liege im IHK-Bezirk rein rechnerisch überwiegend unter dem Landes- und Bundesdurchschnitt. Der Grund für das niedrigere Investitionsniveau sei vor allem die Fahrzeugindustrie, die im IHK-Bezirk nicht so präsent sei wie in anderen Landesteilen.

Die IHK setzt auf das duales System der Berufsausbildung

IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf benannte mögliche Ansatzpunkte zur Überwindung der Investitionshindernisse. Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit setze die IHK auf das duale System der Berufsausbildung. Neben der Wirtschaft leisten die Berufsbildenden Schulen dort einen entscheidenden Beitrag.

Kritisch betracht die IHK allerdings die Unterrichtsversorgung, die teilweise deutlich unter 80 Prozent. Auch von Seiten der Unternehmen der Region und den Berufsschülern selbst wird die Unterrichtsversorgung immer kritischer betrachtet. Marco Graf sieht hier insbesondere das Land Niedersachsen in der Pflicht: „Nur, wenn wir ausreichend und entsprechend qualifiziertes Lehrpersonal haben, kann die duale Berufsbildung weiter ein Erfolgsmodell bleiben“, so Graf.

Kommunen sollen Grund- und Gewerbesteuer nicht erhöhen

Den Kommunen empfahl Graf die Grund- und Gewerbesteuern nicht zu erhöhen. Steuererhöhungen würden einen wichtigen Standortvorteil der Region aufs Spiel setzen. Mit einer moderaten Steuerpolitik haben die Kommunen einen wichtigen Schlüssel in der Hand, um Investitionen der Unternehmen zu erleichtern und damit ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.
Auch die Energiekosten belasteten die Betriebe. Graf sprach sich daher dafür aus, dass der Bund die Stromsteuer abschaffe. Bei ihrer Einführung vor 18 Jahren habe sie noch eine Lenkungsfunktion zu einem geringeren Stromeinsatz verfolgt. Diese sei heute durch die massiv gestiegenen Strompreise hinfällig.

Die Studie „In Zukunft investieren“ arbeitet fünf Handlungsempfehlungen heraus:

  1. Fachkräfte sichern.

  2. Mit niedrigen Standortkosten mehr Investitionen ermöglichen.

  3. Die digitale Infrastruktur ausbauen.

  4. In eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur investieren.

  5. Genügend Gewerbeflächen ausweisen und Akzeptanz schaffen.

 

Foto: IHK-Präsident Martin Schlichter und IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf