Im Klinikum Osnabrück sorgt ab sofort eine ganz besondere Mitarbeiterin für gute Laune und emotionale Unterstützung: Chima, eine ausgebildete Therapiehündin, hat jetzt ihren ersten Arbeitstag auf der Neurologischen Frührehabilitation angetreten und bringt nicht nur Patienten, sondern auch dem Klinikpersonal Freude und Trost.
Zweijährige Hündin ist als Therapiehund ausgebildet
Die Türen des Aufzugs öffnen sich direkt vor ihr. Ein leises Schlabbern ist zu hören, dann kleine tapsige Schritte. Chima ist auf dem Weg zu ihrem ersten „Arbeitstag“. Der Lift fährt in den 3. Stock, bringt sie ohne Zwischenstopp direkt auf die Station 39, die Neurologische Frührehabilitation. Chima hat vier Beine, ein seidig glänzendes hellbeiges Fell, braune, neugierig blickende Augen und verfügt über den unwiderstehlichen Charme offensiver Labrador-Freundlichkeit. Die zweijährige Hündin ist als Therapiehund ausgebildet – und hat jetzt im Klinikum Osnabrück Pionierarbeit geleistet.
Dass Tiere häufig einen ganz anderen Zugang zu Patienten finden als es dem Personal möglich ist, davon konnte sich Stationsleiterin Annette Niehaus-Scherpenberg schon vor Jahren bei ihrer Hospitation in Oldenburg überzeugen. „Dort habe ich selbst gesehen, wie ein Therapiehund nicht nur als Hund, sondern als emotionaler Begleiter unterwegs war. Zudem konnte das Tier Depressionen mildern und dazu beitragen, dass der Blutdruck bei Patienten gesunken ist.“
Hygienekonzept mit dem Gesundheitsamt entwickelt
Als Chimas Besitzerin Kathrin González Flores Anfang des Jahres am Klinikum anfragte, ob nicht ein Therapiehund gewünscht sei, stieß sie bei Niehaus-Scherpenberg sofort auf offenen Ohren. Doch ganz so einfach war das Unterfangen dann doch nicht. Bevor Chima zum ersten Mal das Krankenhaus am Finkenhügel besuchen und sich von Patienten streicheln lassen durfte, musste vor Ort ein eigenes Hygienekonzept mit dem Gesundheitsamt entwickelt werden.
Und auch die Labradorhündin hatte mit ihrer Besitzerin González Flores zunächst eine Eignungsprüfung und eine zwölfmonatige Ausbildung zum Therapiehund zu meistern. Ihr Ausbilder Frank Unnewehr bestätigt der Labradorhündin aus der Arbeitslinie neben günstigen Anlagen nun weitere entscheidende Qualitäten und sagt nicht ohne Stolz:„Man erkennt schon Sternchen unter den Hunden und Chima ist ein solches Sternchen.“ Doch wie wird der tierische Therapeut seinen ersten Arbeitstag meistern – und kann Chima wirklich helfen, Kranken Lebensqualität und Trost zu schenken?
Patient hatte früher auch mal einen Hund
Für einen 73-jährigen Patienten ist der Nachmittag im Osnabrücker Krankenhaus zunächst ein Nachmittag, wie jeder andere. Er sitzt in einem Rollstuhl in seinem Zimmer, eine Decke bedeckt seine Beine. Der Blick driftet ab und an ins Leere und das, was sich derweil im Krankenhausflur abspielt, bekommt er nicht mit.
Doch wenig später wird er, begleitet von seinem Enkel und seiner Ehefrau, durch den Gang auf die Dachterrasse geschoben. Seine Augen entdecken Chima, ein Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus. Ja, sagt er, früher habe er auch einen Hund gehabt. „Komm mal her“, ruft er Chima und diese geht schwanzwedelnd auf ihn zu. Der Patient beugt sich zu der Hündin herunter, krault durch das seidenweiche Fell.

15 Minuten mit dem Hund
Ab dem Moment scheint der Mann in eine andere Welt einzutauchen – seine Sorgen und eigene Krankheit zu vergessen. Dieser Augenblick hält gut 15 Minuten an. Es sind 15 Minuten, die ausschließlich dem Patienten und dem Hund gehören. Chima vollführt kleine Kunststücke, lässt sich mit Möhrenscheiben füttern und legt zwischendurch immer wieder geduldig den Kopf auf den Beinen des Patienten ab, erwidert dessen Zuwendungen, wedelt mit dem Schwanz.
„Ihr wurde antrainiert, dass sie sich passiv verhält“, erklärt Besitzerin Kathrin González Flores. Das bedeutet, der Kontakt soll vom Besuchten ausgehen. Die gelernte Krankenschwester verfolgt die Szenerie, genießt es, wie sich durch die Präsenz ihres verschmusten Hundes die Stimmung des Mannes zunehmend aufhellt.
Bewältigung von Problemen
Regelmäßige Besuche um Kranken bei der Bewältigung von Problemen zu helfen, das sei für sie ein Herzens-Projekt, gesteht González Flores. Dabei zeigt der tierische Besuch auf der Station durchaus nicht nur positive Auswirkungen auf den 73-jährigen Patienten.
Chimas Erscheinen wirkt auch wie ein kleiner Lichtblick im Alltag des Klinikpersonals. Wenn die Hündin auf der Station entdeckt wird, breitet sich gute Laune aus und „Chima! Chima!“- Rufe sind zu hören.
Erster Arbeitstag geglückt
Als der erste Arbeitstag des Therapiehundes nach gut 30 Minuten endet, ist so etwas wie Freude, Leichtigkeit und Glück bei allen Beteiligten zu spüren. Auch Oberarzt Thomas Ahrens wertet den Besuch des Therapiehundes durchaus als Erfolg. All die Mühen der Ausbildung und der wochenlangen Ausarbeitung des Hygiene-Konzeptes scheinen sich gelohnt zu haben.
In Zukunft wird Chima regelmäßig Mittwochnachmittags auf der Station 39 erscheinen. Und wenn es weiterhin gut läuft, besucht der stille Helfer mit dem weichen Fell und dem wedelnden Schwanz auch bald Patienten auf der Palliativ-Station. Denn, wie Studien zeigen, hat die Anwesenheit eines solch ausgebildeten Vierbeiners im Krankenhaus viele positive Auswirkungen.