Deutschlands Apotheker und der Sozialverband VdK sprechen sich gegen Bestrebungen aus, die verpflichtende gedruckte Packungsbeilage für Medikamente in Europa vollständig durch eine elektronische Variante zu ersetzen. Hintergrund ist die geplante Reform des europäischen Arzneimittelrechts, die digitale Patienteninformationen stärker in den Fokus rücken soll. Während die Vorteile digitaler Beipackzettel anerkannt werden, warnen Vertreter von Apothekern und Sozialverbänden vor Nachteilen für bestimmte Patientengruppen.
Debatte um Ersatz des gedruckten Beipackzettels
Thomas Preis, Präsident der Apotheker-Spitzenorganisation ABDA, äußerte sich in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagausgaben) kritisch zu den Überlegungen, die gedruckten Packungsbeilagen komplett durch elektronische Lösungen wie QR-Codes und Smartphone-Anwendungen zu ersetzen. „Elektronische Packungsbeilagen können die gedruckten Packungsbeilagen ergänzen, dürfen sie aber nicht komplett ersetzen“, sagte Preis laut Funke-Zeitungen. Er betonte, dass jeder Patient barrierefrei auf Informationen zu seinem Arzneimittel zugreifen können müsse – insbesondere in Notsituationen.
Preis führte weiter aus, dass vor allem ältere oder behinderte Menschen häufig keinen Zugang zu digitalen Anwendungen hätten. Zudem warnte er vor zusätzlichen Belastungen für Apotheken und Arztpraxen, falls diese in Zukunft digitale Beipackzettel auf Papier ausdrucken müssten: „Auch Apotheken und Arztpraxen dürfen nicht zusätzlich belastet werden, etwa wenn sie einen digitalen Beipackzettel auf Papier ausdrucken sollen.“
Sozialverband VdK fordert Wahlfreiheit
Auch Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbandes VdK, betonte im Gespräch mit den Funke-Zeitungen die Notwendigkeit, gedruckte Beipackzettel beizubehalten. „Mein Plädoyer lautet: gedruckt und digital, damit niemand abgehängt wird“, erklärte Bentele. Ihrer Ansicht nach müsse für alle Patienten weiterhin ein rechtlicher Anspruch auf einen gedruckten Beipackzettel bestehen. Gleichzeitig sehe sie Vorteile in digitalen Packungsbeilagen, insbesondere für sehbehinderte und blinde Menschen: „Gleichzeitig bieten digitale Packungsbeilagen große Vorteile, etwa für Sehbehinderte und blinde Menschen, die barrierefreie digitale Formate benötigen.“
Hintergrund: Reform des europäischen Arzneimittelrechts
Auslöser für die aktuelle Debatte ist die geplante Novelle des europäischen Arzneimittelrechts, die nach der Sommerpause in Brüssel zügig vorangetrieben werden soll. Ziel der Reform ist es, den Pharmasektor in Europa wettbewerbsfähiger zu machen und die Versorgung mit Arzneimitteln auf dem Kontinent zu verbessern. Nach Angaben der Funke-Zeitungen sind sich EU-Kommission, Europaparlament und Mitgliedstaaten darin einig, dass digitale Patienteninformationen künftig stärker zum Einsatz kommen sollen. Ein Argument ist dabei auch, Lieferengpässen bei Medikamenten besser begegnen zu können.
In einigen Mitgliedstaaten, etwa in Frankreich, gibt es laut Funke-Zeitungen jedoch Widerstand von Verbraucher- und Patientenschützern gegen ein komplettes Verschwinden des Papierbeipackzettels.
Befürwortung der Digitalisierung im Europaparlament
Peter Liese (CDU), EU-Abgeordneter und Arzt, sprach sich in den Funke-Zeitungen für die Abschaffung des Papierbeipackzettels und die vollständige Umstellung auf digitale Varianten aus. „Die Abschaffung des Zettels würde es erlauben, bei einem vorübergehenden Mangel von Medikamenten in einem europäischen Land schnell Ersatz aus anderen EU-Staaten zu beschaffen. Außerdem wäre das ein Beitrag zum Umweltschutz, weil weniger Papier bedruckt werden muss“, so Liese. Er befürwortete zudem die Möglichkeit, einen Ausdruck auf Papier in der Apotheke zu erhalten, falls gewünscht. Die technischen Möglichkeiten von heute seien „ein Segen“ für Patienten, insbesondere für Menschen mit unzureichenden Kenntnissen der Landessprache.
Quelle: Mit Material der dts Nachrichtenagentur. ✨ durch KI bearbeitet, .