Nur wenige Meter neben und vor allem auch oberhalb der Baugrube fließt die Hase entlang – wenn man genau hinschaut sieht man den Höhenunterschied.
Während der Fluß nebenan seine Bahnen zieht, sind Taucher damit beschäftigt die Grundlagen zu schaffen, damit spätestens im kommenden Jahr in Osnabrück ganzjähriges Wellenreiten möglich wird.

Tauchgang bei L+T in Osnabrück
Hinter der Spundwand fließt die Hase – noch drückt ihr Wasser in die Baugrube.
Es sind Herausforderungen, die es so in Osnabrück noch nicht zu meistern gab, sagt Theodor Wilken von der Firma MBN Bau AG. Wilkens Aufgabe ist es an diesem Sonntag dafür zu sorgen, dass mehr als 600 Kubikmeter Spezialbeton in dem „Loch“ verschwinden. Wenn der Beton in etwa 14 Tagen ausgehärtet ist, kann damit begonnen werden „ganz sacht“ das Wasser abzupumpen. Denn im Augenblick ist die Baugrube noch mit Hasewasser geflutet, das von unten immer wieder nachdrückt. Seitlich ist die Baugrube bereits mit Spundwänden abgedichtet. Nach unten wird jetzt der Beton dafür sorgen, dass in Zukunft kein neues Wasser nachdrückt und das Wasser im zukünftigen Wellenbecken ebenfalls da bleibt, wo es hingehört.

Zwei Taucher verteilen den Beton unter Wasser

„Vergleichbare Baustellen kennen wir sonst vielleicht vom Potsdamer Platz in Berlin“, so Wilken über das Projekt in Osnabrück. Der Beton wird unter Wasser vergossen, wobei ein Taucher permanent den Gießvorgang begleitet, während ein weiterer Taucher am anderen Ende der Baugrube dafür sorgt, dass kein nachdrückender Schlamm den frischen Beton verunreinigt. Der Arbeitsplatz der beiden Bautaucher ist ungefähr halb so groß wie ein Fußballfeld, doch ihre Sicht reicht nicht weiter als eine Handbreite – jeder Handgriff muss „erfühlt“ werden.

Tauchgang bei L+T in Osnabrück
Sicherheit ist oberstes Gebot bei jedem Tauchgang.
Bei den Tauchern handelt es sich um Spezialisten einer Firma aus Bad Saarow in Brandenburg. Wenn Sie nicht gerade etwa fünf bis sechs Meter tief im trüben Hasewasser tauchen, liegen ihre Arbeitsplätze weit draussen in der Nordsee, auf Kraftwerksbaustellen, an Talsperren oder beim U-Bahnbau.

Schon bald soll im Modehaus gesurft werden

Von Seiten des Auftraggebers L+T betont Bauleiter Lutz Brinkmann, wie wichtig ist bei derart sensiblen Aufgaben „keine Hauruckaktion“  von den beteiligten Unternehmen einzufordern. Tatsächlich war das Giessen der Betonsohle schon für November geplant gewesen. Das es nun zu einer Verschiebung gekommen ist, sei zwar ärgerlich, aber hier geht Sorgfalt vor Termindruck. Ob der ursprünglich avisierte Eröffnungstermin für die stehende Welle, bereits im Herbst dieses Jahres, noch zu halten ist, sei offen, erklärt L+T Geschäftsführer Alexander Berger.
Wenn alles gut läuft, werden aber ungefähr in einem Jahr, dort wo heute noch die Taucher arbeiten, die ersten Beach-Boys und -Girls beim Surfen zu bewundern sein.

Tauchgang bei L+T in Osnabrück
Auf der Baugrube schwimmt eine Arbeitsplattform.

Alles ist doppelt abgesichert

Damit es beim Herstellen der Betonsohle nicht zu unangenehmen Überraschungen kommt, haben die beteiligten Unternehmen umfangreich vorgesorgt. Der Betonlieferant Sibo produziert den speziellen Baustoff parallel in seinen Werken in Osnabrück und Georgsmarienhütte.

Das mobile Labor analysiert jede Betonlieferung.
Das mobile Labor analysiert jede Betonlieferung.
Sollte dort eine Maschine ins Stocken geraten, kann jederzeit das Werk in Melle übernehmen, das dafür extra in Bereitschaft gehalten wird.
Die Spezialpumpe, mit der der dickflüssige Beton über 50 Meter vom Haseufer bis in die Baugrube gepumpt wird, wurde gleich zweimal geordert. Auch hier kann das Backup-Gerät im Ernstfall sofort übernehmen. Damit der Baustoff immer in gleichbleibender Qualität verarbeitet werden kann, werden von jedem LKW Qualitätsproben genommen und in einem mobilen Labor auf Tauglichkeit untersucht.

Die genaue Zahl der benötigten LKW-Fahrten kann Theodor Wilken von MBN nur schätzen, am Ende könnten es wohl „etwa 100 Touren“ werden. Die Betonlaster haben ganz unterschiedliche Fassungsvermögen, zwischen sechs und zehn Kubikmeter. Und selbst gegen Mittag war noch nicht abzusehen ob es bei den geplanten 600 Kubikmetern Beton bleibt, oder ob noch ein wenig mehr von dem Spezialmaterial benötigt wird.

Polizeistreife vermutete LKW-Diebstahl im ganz großen Maßstab

Bis um 11 Uhr waren rund 300 Kubikmeter verbaut. Damit waren die Bauarbeiter deutlich schneller als in ihrem ursprünglichen Plan vorgesehen. Trotz Schneefalls in der Nacht und Dank der kurzen Wege zu den Betonwerken kam es zu keinen Verzögerungen bei der Logistik.

Tauchgang bei L+T in Osnabrück
Sibo-Betonlaster warten auf ihre Entladung.
Die Arbeiten begannen bereits um 5 Uhr mit dem Absperren des Haseufers und der Parkhauszufahrt, vor der sich während der Arbeiten die Betonlaster stauen. Mit dem sonntäglichen Sonnenaufgang kamen die ersten Betonlaster aus dem Hafen und aus Georgsmarienhütte. Die ungewöhnlich zahlreich auf den morgendlichen Straßen verkehrenden Betonlaster fielen auch einer Polizeistreife auf. Sie klingelten den Niederlassungsleiter von Sibo aus dem Bett und fragten nach, ob hier vielleicht ein Fahrzeugdiebstahl in großem Maßstab im Gang sei.

Hier alle Infos zur stehenden Welle im Modehaus L+T.

Tauchgang bei L+T in Osnabrück
Der Beton wird mehr als 50 Meter weit gepumpt.

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