Man muss nur ein wenig in der jüngeren Vergangenheit schauen, um das Dilemma zu erkennen, in dem sich die Einkaufscenter-Befürworter der Lokalpolitik befinden, seit SinnLeffers ankündigte die Johannisstraße verlassen zu wollen.

Das Einkaufszentrum sollte den Bestand sichern – nicht weglocken

Im Sommer 2007, als erste Pläne diskutiert wurden ein Einkaufszentrum am Neumarkt anzusiedeln, ließ sich der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion noch auf der Homepage der SPD-Ratsfraktion zitieren mit: “ … dass die künftige Einkaufsgalerie an der Ecke Neumarkt zur Bestandssicherung von vorhandenen Unternehmen wie Sinn-Leffers beitragen werde“.

Parteien beziehen Stellung und suchen Schuldigen

Nachdem unsere Redaktion in einer „Spökenkiekerei“ die offizielle Ankündigung des Umzugs bereits vorwegnahm, und SinnLeffers zwei Wochen später zuerst gegenüber der HASEPOST die Umzugspläne bestätigte, haben die großen Osnabrücker Parteien mit Pressemitteilungen auf die Ankündigung des letzten großen Einzelhändlers der Johannisstraße reagiert.

SPD und Grüne mit einer gemeinsamen Pressemitteilung

„Der Umzug des Bekleidungshauses Sinn-Leffers in das geplante neue Einkaufszentrum in der Johannisstraße macht deutlich, wie richtig die langjährige Forderung der Ratsmehrheit nach einer Aufwertung der Johannisstraße ist und belegt, wie attraktiv das neue Center für den Osnabrücker Einzelhandel ist. Gleichzeitig wird die Dynamik deutlich, mit der andere Immobilienbesitzer angehalten werden, ebenfalls in ihre Immobilien zu investieren“, erklären die Fraktionsvorsitzenden von SPD und GRÜNEN, Frank Henning und Michael Hagedorn in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

„Bestätigt wird unsere Auffassung, dass die Johannisstraße in einem beklagenswerten Zustand ist, der nun mit dem von uns vorangetriebenen Bau des Einkaufszentrums deutlich verbessert wird. Leider haben die CDU-Ratsopposition und der OB diese positive Entwicklung nie oder allenfalls halbherzig unterstützt und damit den unhaltbaren Zustand der Johannisstraße billigend in Kauf genommen“, so Henning. „Begrüßenswert ist aus unserer Sicht auch die Einschätzung von Sinn-Leffers, dass der Busverkehr keine Belastung sondern eine Stärkung für den dortigen Einzelhandel bedeutet, da er die Kunden des Einzelhandels direkt vor die Ladentüren in der Johannisstraße bringt“, so Michael Hagedorn.

„Auch die Kritik von Sinn-Leffers an OB Wolfgang Griesert ist für uns nachvollziehbar. Schließlich kann man das Unternehmen nicht zwingen, am bisherigen Standort zu bleiben, wenn dies für das Unternehmen wirtschaftlich nicht tragbar ist. Insofern trägt das neue Einkaufszentrum offenkundig dazu bei, Sinn-Leffers als Textilanbieter und Arbeitgeber in Osnabrück zu halten, was wir natürlich begrüßen“, so die beiden Fraktionsvorsitzenden. Der Durchführungsvertrag sehe eben vor, neben 50 Prozent neuen Anbietern auch bisherige Anbieter aus dem Stadtgebiet zuzulassen, insbesondere wenn diese ihren bisherigen Standort aus welchen Gründen auch immer aufgeben müssten. Das Gesamtportfolio wird nach Abschluss aller Verträge zu bewerten sein. Ebenso sei davon auszugehen, dass es insbesondere nach der Attraktivitätssteigerung für die Johannisstraße durch das EKZ auch für das Sinn-Leffers-Gebäude einen oder mehrere interessante Nachfolgemieter geben werde. „Wir würden uns wünschen, dass der OB sich in dieser für die Stadtentwicklung Osnabrücks wesentlichen Frage nicht als oberster Bedenkenträger, sondern als Motor der Entwicklung einbringen würde. Dies wäre ein Gewinn für den Standort Osnabrück“, so Henning und Hagedorn.

Auch die FDP tritt Flucht nach vorne an

In einer bereits am Dienstag verbreiteten Stellungnahme der Liberalen heißt es: „Anstatt sich zu freuen, dass das am Neumarkt geplante Einkaufscenter an den Start geht, versucht der Oberbürgermeister (OB) anscheinend immer noch die Entwicklung zu torpedieren,“ ärgert sich der FDP-Fraktionsvorsitzende Dr. Thomas Thiele über die Äußerung des OB. Griesert hatte in einer Medienstellungnahme betont, dass er gegen den Durchführungsvertrag gestimmt hat und die Umsiedlung von SinnLeffers in das neue Einkaufszentrum kritisch sieht.

Der FDP-Kreisvorsitzende Moritz Gallenkamp ergänzt: „Die Stadt trägt jetzt die Konsequenzen jahrelanger verfehlter Stadtplanung. Jetzt zu versuchen, den Umzug politisch zu verhindern, wäre ein weiterer Beleg für das Fehlverhalten der Verantwortlichen. Die Stadt hat sich bei wirtschaftlichen Entscheidungen der Händler, zumindest wenn es um Standorte geht, rauszuhalten. Sie mischt sich schon genug in die wirtschaftlichen Belange der Kaufleute ein. So sollten die Verantwortlichen froh sein, wenn SinnLeffers den Standort Osnabrück hält und nicht aufgibt. Vielleicht ist das ein Weckruf an den Oberbürgermeister, sich intensiv um diesen Bereich zu kümmern.“

Thiele unterstreicht die Bedeutung des neuen Einkaufszentrums für eine positive Entwicklung des Neumarktes sowie der Johannisstraße. Auch sieht er gute Chancen, dass damit Neuansiedlungen und Aufwertungen in der Johannisstraße erfolgen werden, auch für den jetzigen SinnLeffers-Standort.

Die FDP stehe zu dem Bau des Einkaufszentrums. Schließlich seien es die Freien Demokraten gewesen, die vor über 12 Jahren den Masterplan Neumarkt angeschoben hätten und damit die Voraussetzung, den Neumarkt umzugestalten. Immer wieder sei die Umsetzung aber von der Verwaltung ausgebremst worden. Damit sei auch die negative Entwicklung der Johannisstraße verknüpft.

CDU: Keine Leerstände in der Innenstadt

Die CDU kontert mit einer eigenen Mitteilung, in der sie vor allem vor einem nun drohenden Leerstand an der Johannisstraße warnt.
„Das neue Einkaufszentrum am Neumarkt ist dann gut für Osnabrück, wenn es dem Investor gelingt, viele neue und attraktive Marken nach Osnabrück zu holen und damit neue Käuferschichten von außerhalb zu gewinnen. Denn wir wollen kein Nullsummenspiel, keinen Verdrängungswettbewerb und vor allem keine Leerstände in der Innenstadt. Dass der erste bekannt gewordene Ankermieter ein Unternehmen ist, das schon in Osnabrück ansässig ist, stellt kein gutes Signal dar“, so der CDU-Fraktionsvorsitzende Fritz Brickwedde. In diesem Sinne teile er auch die Sorgen von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert und weise die Polemik von SPD und Grünen zurück.

Natürlich sei es die alleinige Entscheidung von Sinn-Leffers in das neue Einkaufszentrum zu gehen. Für die Johannisstrasse sei es aber zunächst bedauerlich, dass Sinn-Leffers seine Flächen deutlich reduziere und dann umziehe. Es sei zu hoffen, dass es in absehbarer Zeit Nachfolgemieter geben werde, aber keinesfalls selbstverständlich. Ein möglicher Leerstand an der Johannisstrasse stelle eine große Gefahr für die Neustadt dar.