Geht es rein nach den Mehrheitsverhältnissen im Osnabrücker Stadtrat, überwiegen die Stimmen deutlich, die sich für den Bau einer Entlastungsstraße West – also der Querverbindung von der Pagenstecherstraße zur Rheiner Landstraße aussprechen.

Allerdings hat eine – wenn auch unverbindliche – Bürgerbefragung im Mai 2015 mit einer knappen Mehrheit von 50,96% den bis weit in die 60er Jahre zurückreichenden Plänen für eine Entlastungsstraße eine Abfuhr erteilt.

Angesichts der Stickoxid-Diskussion und des anstehenden Abbaus der „Berliner Kissen“ am Westerberg spricht sich der Bund Osnabrücker Bürger (BOB), der 2015 noch nicht im Stadtrat vertreten war, für eine ergebnisoffene Neubewertung einer „West-Straße aus“.

Entlastungsstraße könnte Wall entlasten

BOB schreibt dazu in einer aktuellen Pressemiteilung: „Auch wenn erhebliche Zweifel an der Sinnhaftigkeit der derzeitigen Stickoxidgrenzwerte (Nox) bestehen, so sind diese rechtsverbindlich und strafbewehrt. Ergebnisse wie aus Hamburg, Oldenburg oder Stuttgart haben gezeigt, dass Fahrverbote und vermehrte E-Mobilität nicht zwingend geeignet sind, Immissionen effektiv zu senken. Auch die Ergebnisse des fördermittelabhängigen Umweltsensitiven Verkehrsmanagement in Osnabrück sind völlig offen, zumal die Schließung der wichtigen West-Ost-Achse Neumarkt zu schwer zu kalkulierbaren Verdrängungseffekten der Verkehre im innerstädtischen Bereich führen wird.

Aus den Untersuchungen zur Entlastungsstraße West (ESW) wissen wir, dass diese Nord-Südtangente den Wall und die Innerstädtischen Bereiche entlasten wird. Schon im Masterplan Mobilität 2010 wurde erwähnt, dass eine Neumarktsperrung ohne ESW kaum realisierbar sein wird. Die neuen Baugebiete am Klinikum und auf dem Gebiet der alten Westumgehung warten ebenfalls auf die Erschließung. Es ist der Wunsch aller politischen Parteien, den Radfahrverkehr in Osnabrück zu stärken: Auch eine Fahrradstadt wie Groningen funktioniert nur mit einem äußeren und inneren Verkehrsring.

Die Notwendigkeit eines geschlossenen inneren Ring sollte somit konsequenterweise aufgrund der jetzigen Sachstände neu geprüft und bewertet werden.

Nach der unverbindlichen Bürgerbefragung (Ergebnis 51 zu 49 Prozent) vor mehr als fünf Jahren sollte durch den Plan II b der „Runden Tische“ eine Verkehrsentlastung für Anwohner an der „heimlichen Westumgehung“ erreicht werden. Zwar wurden durch die Berliner Kissen die Durchschnittsgeschwindigkeiten von 38 auf 36 km/h reduziert, dennoch kam es erwartungsgemäß nicht zu einer deutlichen Reduktion der Verkehrsmenge, da die Nord-Südtangente weiterhin fehlt. Rettungsdienste, Stadtwerke und Anwohner beklagen die verminderte Beförderungsqualität durch diese Kissen, nicht nur der ehemalige Stadtdirektor Dierk Meyer-Pries beklagt dies Verkehrskonzept als „unausgewogen“ und „maßlos“.

Die Vorgabe der Politik, die seit mehr als 70 Jahren wartenden Anlieger und die Bewohner der Innenstadt zu entlasten sind weiterhin nicht erfüllt, die konzeptionellen Vorgaben des „Runden Tisch“ vermutlich als gescheitert zu betrachten.“

BOB will Gegner und Befürworter an einen Tisch bringen

Der Bund Osnabrück Bürger (BOB) lädt sowohl die Befürworter (SPD, CDU) wie auch die Gegner (Grüne, FDP) sich gemeinsam mit der als „Lösungsweg“ bezeichneten neuen Verkehrsführung zu beschäftigen. Nach Berechnungen von BOB sind bereits 70% der benötigten Straßen fertig, es müsse lediglich noch die Lücke zwischen Klinikum und dem Wissenschaftspark geschlossen werden, von wo aus eine Verbindung zur Pagenstecherstraße bereits geplant ist.