Am Dienstagabend (27. Januar) hat Osnabrück mit einer Gedenkveranstaltung an den 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz erinnert. Dabei stand nicht nur das historische Gedenken im Mittelpunkt, sondern auch die wachsende Sorge vor einem erneuten Erstarken von Ausgrenzung, Menschenfeindlichkeit und diskriminierender Ideologie. Die Stadt setzte ein deutliches Zeichen: Erinnerung ist kein Ritual, sondern Auftrag für die Gegenwart. Am Morgen fand bereits ein Gedenkgottesdienst in der Marienkirche statt.
Zentrale Redebeiträge kamen von Oberbürgermeisterin Katharina Pötter sowie von Johnny Böhmer von der Niedersächsischen Beratungsstelle für Sinti und Roma. Beide verbanden die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus mit einem eindringlichen Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen.
OB Pötter betont moralische Dimension des Erinnerns
Pötter betonte die moralische Dimension des Erinnerns: „Es geht um nicht weniger als um unsere zutiefst menschliche Verpflichtung, um eine Herzensangelegenheit: um das bewusste Wachhalten und Wachbleiben unserer Menschlichkeit.“ Gerade in Zeiten, in denen populistische und demagogische Stimmen wieder lauter würden, sei das Gedenken notwendig, um Entwicklungen richtig einzuordnen. Als Stadt des Westfälischen Friedens trage Osnabrück eine besondere Verantwortung. Demokratie und Menschenwürde seien große Errungenschaften, aber keineswegs selbstverständlich. „Unsere Verfassung stellt den Schutz und die Achtung der Menschenwürde an die allererste Stelle. Nehmen wir sie ernst. Und nehmen wir uns selbst ernst – als Gesellschaft und als Menschen.“

Die Perspektive der Betroffenen
Böhmer sprach aus einer sehr persönlichen Perspektive. Als Nachfahre von NS-Verfolgten sei er selbst wie auch seine Familie bis heute von den Erfahrungen von Verfolgung und Leid geprägt. Diese wirkten generationenübergreifend fort. Diskriminierung, Stigmatisierung und Antiziganismus seien für Sinti und Roma keine freiwillig gewählten Themen, sondern Teil ihres Alltags. Er erinnerte daran, dass Ausgrenzung im Nationalsozialismus nicht mit Gewalt begann, sondern mit Worten – und warnte davor, dass ähnliche Sprache heute wieder salonfähig werde.
Namen von Opfern verlesen
Auf dem Marktplatz verlasen Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit den „Omas gegen Rechts“ die Namen Osnabrücker Holocaustopfer. Baruch Chauskin, Kantor der Jüdischen Gemeinde Osnabrück, trug die Totenklage „El male Rachamim“ vor. Oberbürgermeisterin Katharina Pötter und Landrätin Anna Kebschull legten Kränze an den Gedenktafeln für die ermordeten Juden sowie die Sinti und Roma nieder. Stadt und Landkreis Osnabrück setzten damit ein gemeinsames Zeichen gegen das Vergessen.
Ein Auftrag für heute
Der 81. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz machte in Osnabrück deutlich: Erinnerung ist mehr als Rückblick. Sie ist Mahnung, Verantwortung und Grundlage für eine offene, menschenwürdige Gesellschaft – heute und in Zukunft.
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