Im großen Saal des European Legal Studies Institute der Universität Osnabrück wurde es am 16. Mai festlich: Rektorin Oksana Desyatnyuk verlas den vom Senat der West Ukrainian National University gefassten Beschluss, den Titel eines „Doktor honoris causa“, eines Doktors ehrenhalber, an Prof. Dr. Hans Schulte-Nölke von der Universität Osnabrück zu verleihen.
Westukrainische Universität ehr Osnabrücker Rechtswissenschaftler
Die Rektorin und die Vizerektorin Professorin Uliana Koruts waren als Gäste Teil einer größeren Delegation der West Ukrainian National University an der Universität Osnabrück. Begründet wurde die Auszeichnung mit den wissenschaftlichen Verdiensten Prof. Schulte-Nölkes für die Erforschung und Vermittlung des europäischen Privatrechts und seinem Engagement in der langjährigen Zusammenarbeit in Forschung und Lehre zwischen der West Ukrainian National University und der Universität Osnabrück. Anschließend wurde Schulte-Nölke mit der blauen Robe und dem Doktorhut der West Ukrainian National University eingekleidet.

Wissenschaftliche brücken im Krieg – Ehrendoktorwürde wird in Osnabrück verliehen
Die Zeremonie hätte unter normalen Umständen in der Aula der West Ukrainian National University stattgefunden, die ihren Sitz in der ehemals österreichischen, zwischen Lemberg und Kiew gelegenen Stadt Ternopil hat. Aufgrund des Krieges war die Delegation mit vielen Mitgliedern aus der juristischen Fakultät indes nach Osnabrück gereist, um im Rahmen einer viertägigen Konferenz über die Bedeutung und Wirkungen des Rechts der Europäischen Union für ihre Mitgliedstaaten und für die Ukraine als Beitrittskandidat die wissenschaftliche Zusammenarbeit fortzusetzen und die Ehrendoktorwürde zu verleihen.
Mehr als Worte: Uni Osnabrück gibt geflüchteten Forschenden ein Zuhause
Die Präsidentin der Universität Osnabrück, Prof. Dr. Susanne Menzel, fand bewegende Worte für die Situation in der Ukraine und bedankte sich besonders dafür, dass die zahlreichen Gäste aus der Ukraine trotz der schwierigen Zeiten die Konferenz und die glanzvolle Verleihung möglich gemacht hatten. Sie berichtete, dass die Universität Osnabrück allein im Rahmen der Philipp Schwartz-Initiative für geflüchtete Forschende mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit ihren Familien aus der Ukraine eine neue wissenschaftliche Heimat gegeben hat als jede andere Universität in Deutschland, nämlich insgesamt neun, darunter drei Juraprofessorinnen von der West Ukrainian National University.
„Ein Privileg der Zusammenarbeit“ – Schulte-Nölke hofft auf Wiedersehen in Ternopil
In seinen Dankesworten gab Schulte-Nölke vor allem seiner Bewunderung dafür Ausdruck, wie die Forschenden und Lehrenden an den ukrainischen Universitäten in ihrer schwierigen Situation standhalten und weiter an der Verwirklichung des Rechtsstaats und der Anpassung des ukrainischen Rechts and die Werte und Vorgaben der Europäischen Union arbeiten. „Sie schaffen damit ein leuchtendes Gegenmodell zur Verhöhnung des Rechts durch die russische Regierung und die hasserfüllten Verbrechen ihrer Soldaten“, sagte er unter Applaus. „Ich bin sehr dankbar für das große Privileg mit Ihnen zusammenzuarbeiten, gewinne dabei sehr viel für meine wissenschaftliche Arbeit und hoffe sehr, dass wir dies bald in Frieden und Freiheit in Ternopil fortsetzen können“, so Schulte-Nölke weiter.