Es war ein Tag, an dem es sich zu feiern lohnte und die Stimmung war gut. Kurz nach 12 Uhr am Freitagmittag wurde die seit mehr als einem Jahr für Um- und Ausbauarbeiten gesperrte Römereschstraße wieder für den Straßenverkehr freigegeben.

Die ganz besonders von der Sperrung betroffene Firma Coffee Perfect, deren Bistro-Kunden teilweise nur noch auf verschlungenen Wegen durch das Industriegebiet Hafen an ihr Ziel gelangten, liess es sich nicht nehmen mit einem großen aus Ballons geformten „Danke“ ein Dankeschön bei der Verwaltung abzugeben. Für alle Anderen, die bislang unter Dauerstau und Umleitungen leiden mussten, gibt es bis Sonntag Kaffee gratis.

Bauarbeiter an der Römereschstraße
Die eigentlichen Helden des Tages: Sie machten den Weg frei!

Teil einer wichtigen Verkehrsachse ist wieder frei

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert betonte, dass die Römererschstraße ein wichtiges Teilstück zwischen der Vehrter Landstraße und dem Osnabrücker Westen ist. An beiden Enden dieser Achse entstehen derzeit zahlreiche neue Arbeitsplätze und Wohnungen, zum Beispiel im Wissenschaftspark oder am Limberg.
Dass in absehbarer Zeit auch darüber gesprochen werden muss, wie auch in Richtung Westen und Osten die Straßenverbindung weiter ausgebaut werden kann, wurde vom Stadtoberhaupt deutlich betont. Gut ausgebaute Straßen für PKW und LKW seien trotz Radfahrwegen und ÖPNV notwendig, so Griesert.

Freigabe Römereschstraße Osnabrück
Offizielle Freigabe: Zwei arbeiten, der Rest guckt… Baustelle halt.

Ursprüngliche Pläne wurden überarbeitet

Griesert ließ nicht unerwähnt, dass die jetzt so breit wirkende Römereschstraße schon eine deutlich überarbeitete Version der Pläne ist, die er bei seinem Amtsantritt als damaliger Stadtbaurat von seinem Vorgänger übernommen hatte. Damals waren noch mehr Abbiegespuren geplant und eine bepflanzte Mittelinsel fehlte komplett.
Dass die Wohnsiedlung an der Netter Heide nun nicht mehr vom Durchgangsverkehr betroffen ist – die Zufahrt zur Römereschstraße gibt es nicht mehr – ist für Griesert ein Zeichen, wie sich das gesamte Areal rund um die alte Winkelhausenkaserne im Wandel befindet.


Griesert: Einspuriges Teilstück ist kein „Nadelöhr“

Römereschstraße
Die ersten Autos in Richtung Westen auf der neuen Fahrbahn

Dass zwischen dem Ende der Ausbaustrecke und der Pagenstecherstraße ein „Nadelöhr“ bestehen geblieben sei, wollte Griesert nicht gelten lassen. Die dort weiterhin nur einspurige Straße hat seiner Ansicht noch genügend Kapazitäten übrig. Wichtig seien gut ausgebaute Kreuzungsbereiche, und die hätten auch im Mittelpunkt der Umbaupläne für die Römereschstraße gestanden, von der nun sowohl das im Aufbau befindliche Areal der Winkelhausenkaserne als auch das Industriegebiet im Hafen gut erreichbar sein wird.

Abbiegende LKW unterbrechen zukünftig nicht mehr den Verkehrsfluss, was wichtig sei, um dem Verkehr auf diesem Weg eine wichtige Achse zwischen der B68 und dem Westen der Stadt zur Verfügung zu stellen.

Folgen der langen Bauzeit wurden vorab nicht untersucht

Auf die Frage unserer Redaktion an den Oberbürgermeister, ob denn im Vorfeld der langen Bauzeit auch die volkswirtschaftlichen Effekte, zum Beispiel die längeren Wege zu den Arbeitsplätzen vieler Pendler, berücksichtigt worden seien, schaltete sich Stadtbaurat Frank Otte ein: „Kein Mensch hat dadurch seinen Arbeitsplatz verloren“, wiegelte der passionierte Radfahrer die Alltagsprobleme zahlloser Ein- und Auspendler ab.

Stadtbaurat Otte im Gespräch mit der Presse.

Oberbürgermeister Griesert ergänzte ein wenig sachlicher, dass es tatsächlich keine derartige Prüfung der Seiteneffekte einer Großbaustelle gegeben habe, zu viele Einflussfaktoren würden dabei ineinander spielen. Allen Beteiligten aus Politik und Verwaltung sei es bei der Entscheidung für den Ausbau der Römereschstraße darum gegangen positive Effekte für die Wirtschaft im Hafengebiet und in den angrenzenden Stadtteilen zu schaffen, die nun auch besser als vorher erreichbar sind, was mittelfristig eindeutig die zeitweisen Behinderungen wieder aufwiegen werde.

Unter dem Asphalt wurde viel Neues geschaffen

Vertreter der beteiligten Baufirmen und der Stadtwerke wiesen darauf hin, dass ein Großteil der Investitionssumme in Höhe von 4,5 Millionen Euro, an denen sich Bund und Land mit einem hohen Anteil beteiligten, auch in die Verbesserung der unterirdischen Infrastruktur geflossen seien. Daher sei auch oberflächlich oft kein Baufortschritt erkennbar gewesen, da im Tiefbau neben der Wasserver- und entsorgung auch eine leistungsfähige Druckgasleitung verlegt worden sei.

Linksabbieger von der Hansastraße müssen sich gedulden

Die Linksabbiegerspur von der Hansastraße in Richtung Hafen ist derzeit noch gesperrt, da aufgrund der „Schleppkurvenproblematik“, die beim Abbiegen von LKW zu Problemen führen kann, noch Umbaumaßnahmen stattfinden, wie Jürgen Schmidt, stellvertretender Fachbereichsleiter Geodaten und Verkehrsanlagen erläuterte. Bis zum Juli sollen diese finalen Arbeiten abgeschlossen sein.

Baufirmen hätten sich auch Zeit lassen können

Trotz zwei Wochen Puffer für Schlechtwetter – tatsächlich waren es allerdings sechs Wochen Eis und Schnee – konnte der Termin der zwischen den Baufirmen und der Verwaltung heimlich als Ziel vereinbarte frühere Fertigstellungstermin gehalten werden. Rein vom Vertragswerk her, hätten die beteiligten Baufirmen auch noch mehr als zwei Monate mehr Zeit gehabt für die Fertigstellung.
Angesichts dieses guten Arbeitsergebnisses war die Stimmung aller Beteiligten auch recht gelöst, als es zum Abschluss der feierlichen Eröffnung bei Coffee Perfect noch einen Gratis-Kaffee gab. 

Römereschstraße
Bei Coffee Perfect gibt es noch bis Sonntag Gratis-Kaffee!

Coffee Perfect spendet Geld und Gratis-Kaffee

Zur Feier des langersehnten Baustellenendes hatte sich Coffee Perfect Anfang Mai eine kleine Aufmerksamkeit einfallen lassen: Sollte die Stadt Osnabrück es schaffen, die Straße bis zum 19. Mai 2017 wieder zu öffnen, würde es ab dem Öffnungstag bis zum Sonntag um 18 Uhr, gratis Kaffee für jeden Besucher am Drive-In des Coffee Perfects geben. Zusätzlich spendet das Unternehmen den Gegenwert des verteilten Kaffees, mindestens jedoch eine Summe in Höhe von 5.555 Euro, an das in Osnabrück ansässige Kinderhilfswerk terre des hommes. Dank der frühzeitigen Straßenöffnung löst Coffee Perfect nun seine Wettschulden ein und verteilt ab sofort gratis Kaffee. Und das Beste: Je mehr Kaffeetrinker am Drive-In vorbeischauen, desto höher wird die Spendensumme. Die Spendenübergabe findet dann am Dienstag, den 23. Mai, um 14 Uhr im Bistro statt. „Wir freuen uns sehr, dass die Bauarbeiten nun beendet wurden und nehmen das gerne zum Anlass, die Spende sowie das Angebot des gratis Kaffees in die Tat umzusetzen“, so Dr. Marc Beimforde, Geschäftsführender Gesellschafter der CP Group. Am 19. und 20. Mai wird terre des hommes außerdem mit einem Infostand und einem Ballonkünstler im Bistro vertreten sein.

 

weiter auf der Startseite