Zugegeben, als wir am Montagmorgen unsere E-Mails sichteten und von einem lauten Knallgeräusch bei Bissendorf gelesen haben, da dachten wir: Schon wieder ein Tiefflieger der Bundeswehr.
Allerdings machte der Zeitpunkt, kurz nach 20 Uhr am Sonntagabend, uns schon ein wenig stutzig. Ist nicht seit den Zeiten von Wehrdienst und Kaltem Krieg bekannt, dass die Bundeswehr zwischen Freitagnachmittag und Montagmorgen Pause macht?

Nicht nur ein Knall, sondern auch ein hell erleuchteter Himmel

Als dann auch noch der Kollege Heiko Westermann von einem hellen Leuchten über der Autobahn, ganz in der Nähe von Bissendorf und zur fraglichen Zeit berichtete, war unsere Neugier geweckt.
Die Hypothese: Es war ein Komet, ein Meteorit, eine Sternschnuppe, oder was da sonst so aus dem Weltall auf die Erde prasselt bzw. im Vorbeiflug für Licht- und Toneffekte sorgt.
Doch weder die Polizei noch die Sternwarte im nahegelegenen Melle konnten die Beobachtungen bzw. die Hypothese bestätigen – siehe unser Artikel vom Montagvormittag. Wir haben weiter versucht eine Erklärung zu finden…

Facebook-Kommentare beschreiben präzise Ort und Zeit

Im Verlauf des Tages meldeten sich bei Facebook, in den Kommentaren unter dem Artikel, zahlreiche Leser, die ganz ähnliche Beobachtungen wie unser Kollege und unsere Leserin gemacht hatten – und das auch zur exakt gleichen Zeit: Sonntag gegen 20 Uhr.
Die uns von der Polizei am Vormittag beschriebenen Lichteffekte, die der Kirmes in Gesmold zugeordnet wurden, fielen als Erklärung nun eindeutig aus. Die Kirmes-Lampen leuchteten den ganzen Abend und wurden auch nicht von einem einzelnen Knallgeräusch begleitet.
Die von unseren Leserinnen und Lesern genannte Zeit ist fix: Es muss gegen 20 Uhr zu dem kombinierten Knall- und Leuchtphänomen gekommen sein.
Und auch die Standorte der Sichtungen liegen geografisch dicht beieinander: Bissendorf, Natbergen, Lüstringen bis hin nach Belm und Sutthausen.

Karte Knall und Blitze
Hier knallte und leuchtete es am Sonntag gegen 20 Uhr am Himmel

Luftwaffe verzeichnet keine Flugbewegungen eigener Jets

Montagmittag meldete sich Agathe Kulla, Hauptfeldwebel im Luftfahrtamt der Bundeswehr, bei unserer Redaktion. Auf unsere schriftlich eingereichte Nachfrage, ob es sich vielleicht um einen Überschallknall gehandelt habe, erklärte Hauptfeldwebel Kulla: „Die Auswertung der Radardaten vom 18.09.2016 zeigt zur genannten Uhrzeit keinen militärischen Flugbetrieb in einem Umkreis von 20 Nautischen Meilen.“

These: Ein Vorfall im Umspannwerk neben der A33?

Angesichts der zwischenzeitlich in den Facebook-Kommentaren gemeldeten Sichtungen, und zusätzlicher Meldungen per Facebook-Direktnachricht, die sich tatsächlich alle rund um Bissendorf-Natbergen gruppierten, mit einer Häufung in Lüstringen, kam uns ein Gedanke. Vielleicht handelte es sich um einen Vorfall im Umspannwerk neben der Autobahn A33? Immerhin wurde von Lesern auch über einen kurzzeitigen Stromausfall nach dem Knall bzw. Lichtblitz berichtet.
Das Umspannwerk haben wir in der Karte oben mit „RWE“ eingezeichnet.

Stadtwerke und RWE haben nichts bemerkt

Auf Nachfrage erklärte Marco Hörmeyer, Pressesprecher der Stadtwerke Osnabrück, dass im innerstädtischen Verteilnetz, zu dem auch Lüstringen gehört, keine Ausfälle bekannt seien. Das Ortsnetz in Bissendorf und die Umspannanlage zwischen Düstrup und Lüstringen wird allerdings von der RWE-Tochter Westnetz betrieben. Doch auch die dafür zuständige Pressesprecherin Ruth Brand konnte keine Auflösung der ominösen Knall- und Lichterscheinung liefern. Nach Rücksprache mit ihren Kollegen vor Ort konnte die RWE-Sprecherin keinerlei Besonderheiten im von Westnetz betriebenen Netz rund um das Umspannwerk in Lüstringen berichten.

Womöglich ein Fall für die Gesellschaft zur Erforschung des UFO-Phänomens e.V.Wir bleiben dran an dem Thema!

 

 

Illustration unter Verwendung eines Ausgangsbilds von Felix König, Lizenz: Namensnennung 3.0 Unported (CC BY 3.0)