Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sieht Unternehmen in Deutschland nicht ausreichend auf einen möglichen Spannungs- und Verteidigungsfall vorbereitet. Eine noch unveröffentlichte IW-Studie, über die die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, verweist auf erhebliche Lücken bei Materialreserven, Notfallplanung und Infrastruktur. Zwar seien viele Firmen gegen Cyberangriffe und andere hybride Bedrohungen gewappnet, im Ernstfall kämen jedoch deutlich weitergehende Aufgaben auf die Wirtschaft zu.
IW fordert systematische Einbindung der Wirtschaft
In der Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft heißt es: „Gesamtverteidigung und Abschreckung gegenüber Russland kann nicht allein militärisch gedacht werden, sondern erfordert die systematische Einbindung der Wirtschaft“, zitiert die „Süddeutsche Zeitung“. Die Autoren betonen damit, dass eine wirksame Vorbereitung auf Krisenlagen nicht bei der Bundeswehr ende, sondern weite Teile der privaten Wirtschaft einschließe.
Umfrage zeigt gemischtes Lagebild
Die IW-Volkswirte stützen sich unter anderem auf eine Befragung von mehr als 1.000 Firmen. Das Ergebnis fällt gemischt aus: 86 Prozent der Unternehmen geben an, sich bereits wirksam gegen Cyberattacken zu schützen. Gegen Desinformation, Sabotage und Spionage habe die Mehrheit ebenfalls Maßnahmen ergriffen.
Deutlich schlechter stellen sich die Firmen laut Studie bei klassischen Notfallvorsorgen dar. Nur gut drei Prozent der Unternehmen sind für einen Materialausfall gerüstet, bei der Notfallplanung für größeren Personalausfall liegt die Quote bei vier Prozent. Vorhalteverträge gibt es laut Studie bei knapp fünf Prozent. Für Infrastrukturmängel und -engpässe im Ernstfall sehen sich 24 Prozent der Befragten gerüstet; weitere 17 Prozent wollen nachlegen.
Erhebliche Aufgaben im Ernstfall
Tatsächlich kämen auf Unternehmen im Ernstfall erhebliche Aufgaben zu. Vor allem Rüstungs-, Tech- und Zulieferbetriebe müssten Waffen, Fahrzeuge und Anlagen in der erforderlichen Menge bereitstellen. Zugleich müssten zivile Unternehmen Beschäftigte für Wehrdienst sowie Fahr-, Logistik- und Sanitätsaufgaben freistellen, Lieferkettenausfälle abfedern und Systeme gegen Cyberangriffe absichern.
Als wichtigste Aufgabe der Wirtschaft im Krisenfall nennt das IW die Aufrechterhaltung der Versorgung der Bevölkerung auf dem bisherigen Niveau. Dies habe auch sicherheitspolitische Bedeutung: „Ein deutlicher Wirtschafts- und Wohlstandseinbruch könnte die Unterstützung von Verteidigungsanstrengungen an der Nato-Ostflanke infrage stellen“, schreiben die Autoren in der Studie, aus der die „Süddeutsche Zeitung“ zitiert.
Quelle: Mit Material der dts Nachrichtenagentur. ✨ durch KI bearbeitet, .