Laura Stevens ist langjährige freie Mitarbeiterin der HASEPOST und Laura Stevens engagiert sich privat für PETA ZWEI. Wir wissen, dass diese Organisation bei vielen Lesern umstritten ist, wir wissen auch, dass Zirkusveranstaltungen mit Wildtieren bei vielen Lesern umstritten sind – Emotionen werden bei Facebook sicher nicht ausbleiben. Dieser Beitrag zeigt sehr persönliche Eindrücke von einem Besuch des Zoobereichs des Circus Krone am Premierentag.
Wir hatten unsere Mitarbeiterin um diesen Beitrag gebeten, um einen kritischen Kontrapunkt zu einem geplanten Artikel über die Premiere in der Manege zu setzen. Bekanntlich kam es am Premierentag dann zu dem Unfall mit dem Elefanten, der beinahe unsere Kollegin Sophie Scherler “erwischt” hätte, die genau in der Loge saß, in die die Elefantenkuh stürzte. Dieser Artikel passte da nicht mehr in den Tag, an dem der Unfall im Vordergrund der Berichterstattung stand.
Mit ein wenig Abstand und vor dem Hintergrund der am Wochenende geplanten Proteste gegen den Wildtier-Zirkus veröffentlichen wir diesen Artikel, der mehr ein persönlicher Kommentar ist und auch so verstanden werden sollte. Andere Meinungen sind selbstverständlich möglich.


 

Als ich heute, am 04.07.2018, in den „Zoo“ des Circus Krone gegangen bin, wollte ich mich von der Tierhaltung des Zirkus überzeugen. Die Medien, Tierschützer/-rechtler, der Zirkus selbst – von allen Seiten kommen unterschiedliche Aussagen über die Tierhaltung und wie artgerecht so etwas sein kann. Wie bildet man sich also am besten eine Meinung? Richtig – indem man sich das Ganze selbst ansieht.

Erschwingliche 5 Euro kostet der Eintritt für Erwachsene zum Zoobereich (3 Euro für Kinder), wo man sich die Gehege und deren Bewohner aus der Nähe ansehen kann – im Tageslicht, ungeschönt und ohne glitzernde Kostüme. Fotos und Videos sind dabei erlaubt, also schnell die Kamera eingepackt und nichts wie los.

Der erst Eindruck? – Wow ist das leer hier. Als ich gegen 17:20 Uhr an der Zookasse stehe, bin ich ganz allein. Lediglich ein paar Mitarbeiter sind vereinzelt zwischen den LKW und Gehegen zu sehen, von anderen Besuchern fehlt jede Spur. Von dem Vorfall mit den Elefanten in der Premiere hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts erfahren. An den Löwen und Tigern vorbei, zieht es mich in den Pferdestall. Doch nach Betreten des Geländes bleibe ich nicht lange unbeobachtet. In meiner direkten Umgebung halten sich durchgehend verschiedene Mitarbeiter auf, ich setze also ein Lächeln auf und grüße freundlich. Doch auf einen Gruß zurück oder ein Lächeln warte ich vergeblich.

Ein Pfleger kümmert sich um die Pferde

Bei den Pferden und Lamas bleibe ich schließlich eine ganze Weile. Tom und Jerry, zwei dunkelbraune Ponys, stehen gemeinsam in einer Box. Alle anderen Pferde – ausschließlich Hengste – stehen wie in einem klassischen Pferdestall aufgereiht allein in ihren Boxen. Und hier stehen sie dann auch zwischen den Vorstellungen. Und an freien Tagen. Und auch sonst. Der Bodenbelag ist der Asphalt des Geländes, belegt mit ein bisschen Stroh. Eine wünschenswerte Dämmung mit Gummimatten oder ähnlichem fehlt – schade. Besonders auffallen tun mir zwei – ein Schimmel, der das klassische „Weben“ über mehrere Minuten zeigt, und ein schwarz-weißes Pferd, das stets mit dem Vorderhuf gegen das Gatter tritt und entsprechenden Lärm verursacht. Positiv ist jedoch die Betreuung der Pferde während meiner Anwesenheit. Ein Pfleger läuft von Box zu Box um sie zu säubern, verteilt ab und zu ein bisschen selbst gepflücktes Gras vom Grünstreifen nebenan oder streichelt hin und wieder eins der Tiere. Geritten oder geführt zu werden oder anderweitige Unterhaltung erleben die Pferde (und auch die Lamas) außerhalb der Vorstellungen und des Trainings allerdings nicht.

Elektrozäune trennen die Elefanten, Foto: Laura Stevens

Die Elefanten sind durch Elektrozäune voneinander getrennt

Hinter den Stallungen der Pferde befindet sich das Elefantenzelt. „Ganz schön klein“ ist hier mein erster Gedanke. Vier Dickhäuter stehen dort durch Elektroseile voneinander getrennt. Im Zelt selbst ist es schattig, die Außenbereiche sind in der Sonne – hier haben sie also Wahlmöglichkeiten. Im Zelt ist jedoch Holz als Bodenbelag ausgelegt, diesen Luxus gibt es im Außenbereich nicht. Beschäftigungsmaterial gibt es bis auf ein wenig Heu und trockene Äste keines. Das ist einer der für mich größten Kritikpunkte, da Elefanten unglaublich intelligente Tiere sind, die sich schnell langweilen. Auffallen tut mir direkt einer, der im Außenbereich steht und dort grüne Äste voller Blätter, Brötchen und Heu vertilgt. Seine Artgenossen rechts und links haben lediglich Heu zur Verfügung, der direkte Nachbar-Elefant bedient sich daher durch den Zaun bei seinem Kollegen. Futterneid ist hier absolut verständlich – auch wir Menschen sind neidisch, wenn wir im Restaurant das Essen am Nachbartisch sehen, selbst aber nichts vor uns haben.

Circus Krone, Vogelwagen
Tropische Palmen und Strand… leider nur als Bild, Foto: Laura Stevens

Auf dem Weg zurück – hinter dem Elefantenzelt endet der Zoo – laufe ich an einem Vogelkäfig/-wagen entlang. Dieser ist in drei Teile unterteilt – ein größeres Gehege vor dem Wagen, in dem ein einzelner Vogel in der Sonne sitzt und keine Möglichkeit hat, in den Schatten zu gehen, und der Wagen mit seinem „Aufbau“. Im Wagen selbst können die Vögel des hinteren Geheges, hier sind es mehrere, im Schatten sitzen, der Aufbau erlaubt das Flattern in der Sonne. Kontakt zum „Vordermann“ gibt es nicht, der Kleine tut mir dann doch leid.

Elefanten-Unfall: “Jedes Tier kann stolpern”

Wieder vorbei an den Pferden komme ich in Richtung Ausgang zu den Löwen und Tigern. Hier begegnen mir mittlerweile andere Menschen, die mir von dem Vorfall mit den Elefanten berichten. Als ich eine Zirkusmitarbeiterin darauf anspreche, was genau denn passiert sei, wird diese ohne erkennbaren Grund sehr unfreundlich und erklärt mir, dass jedes Tier stolpern könne. Etwas völlig Normales. Stolpernde Tiere bzw. Elefanten als normal zu bezeichnen, das war mir dann doch etwas zu absurd. Kombiniert mit ihrer unfreundlichen Art wurde mir klar: kritische Nachfragen sind hier nicht gern gesehen.

Kleintierstreu auf Asphalt für die Raubkatzen

Die Raubtiere dösten entspannt in der Sonne – ein Bild wie aus Afrika-Dokumentationen, wäre da nicht das bisschen Streu, durch das der Asphalt an einigen Stellen durchblitzte. Die Möglichkeit im Schatten zu entspannen, war durch den mittig positionierten Anhänger gegeben – die Abteile in eben diesem sind jedoch sehr klein. Auch der eingezäunte Außenbereich prahlt nicht gerade mit viel Platz – eine Treppe aus Holzetagen und schwarze Kunststoffbälle sind zudem die einzigen Beschäftigungsmöglichkeiten.

Raubtierhaltung im Circus Krone
Unter dem Streu der nackte Asphalt, Foto: Laura Stevens

Ein persönliches Fazit:

Und jetzt? – Meine Meinung ist klar – für mich gehören Elefant und Co. nicht in den Zirkus. Selbst Zoos versuchen krampfhaft eine möglichst artgerechte Haltung zu ermöglichen, wie soll das also ein Zirkus schaffen? Welches Tier (Hunde und Katzen seien hier ausgenommen) fühlt sich wohl, wenn es immer wieder über tausende Kilometer in kleinen LKW-Anhängern transportiert werden muss, um dann zwischen Trainings und Vorstellungen (die zudem mit lauter Musik, krassen Kontrasten und Farben, sowie Lichtspielen nicht gerade „naturnah“ sind) in kleinen Boxen auf Asphaltboden stehen zu dürfen? Langeweile und Frustration ist hier vor programmiert. Jeden Tag dasselbe Programm abspulen, zwischendurch neue Übungen vorführen, die absolut NICHT dem natürlichen Bewegungsablauf der Tiere entsprechen – klingt das nach einem tierfreundlichen Leben? Keinesfalls! Doch es gibt auch durchaus positive Aspekte – die Gehege waren durchweg sehr sauber, die Elefanten konnten direkten Kontakt miteinander aufnehmen und die Löwen im Rudel in der Sonne liegen. Fraglich ist jedoch, in wie weit man das als „artgerechte Haltung“ bezeichnen kann. Ich werde keinen Zirkus besuchen, der sein Geld mit dem Zurschaustellen von Tieren verdient – Tiere sind nicht dafür da, um uns eine möglichst außergewöhnliche Show zu präsentieren – es sind eigenständige Lebewesen, die eine selbstständige Lebensweise verdient haben. Und ich glaube kein Elefant im Dschungel würde sich für glitzernde Kostüme, enge LKW und waghalsige Kunststücke entscheiden, wenn er die Wahl hätte – die haben die Zirkustiere aber nicht.