Der kleine Elefantenjunge, der von den Zoo-Mitarbeitern „Minh-Tan“ getauft wurde, ist ein wahres Glückskind und kam vollkommen überraschend auf die Welt.
Der exotisch klingende Name bedeutet „Glück“, und für den Osnabrücker Zoo ist er der glückliche Einstieg in das Zuchtprogramm zur Erhaltung der asiatischen Elefanten.

Heike Läkamp (51), unseren Lesern schon bekannt, weil sie als Ziehmutter ein Affenbaby großzieht, fuhr am Dienstagmorgen bei Arbeitsbeginn ein leichter Schrecken durch die Glieder. Aus einem Raum neben dem Elefantengehege sah sie viel Blut und die nur wackelig auf den Beinen stehende Elefantenkuh, die erst kürzlich aus Prag nach Osnabrück umgezogen war.

Es folgte die Erleichterung und große Freude, als sie und ihre Kollegen Andreas Wulftange und Detlef Niebler das in den Morgenstunden geborene Elefantenjunges erblickten. Noch etwas unsicher, aber zur Freude aller fit, stand es bereits an der Seite seiner Mutter Douanita.

Minh-Tan im Video:

Die Elefanten werden im Osnabrücker Zoo über Nacht in einem eigenen Haus untergebracht, das erst Anfang des Jahres renoviert wurde. Dort fand auch die Geburt statt – unbemerkt von allen Mitarbeitern.

Geburt wurde erst im Herbst erwartet

Eine Nachtwache hatte man noch nicht eingerichtet, da mit der Geburt erst im Herbst gerechnet worden war. Die Kollegen aus dem Prager Zoo, in dem Douanita bislang lebte wo sie zu einem unbekannten Zeitpunkt von einem Bullen gedeckt wurde, hatten anhand von Blut- und Urinproben die Hormonwerte regelmäßig festgestellt und aufgrund dieser Werte noch nicht so bald mit einer Geburt gerechnet. Diese Messungen wurden im Osnabrücker Zoo fortgesetzt und es blieb bei der Prognose: „frühestens im Herbst“.

„Born“ aber noch nicht „Made in Osnabrück“

Die Überraschung ist der erfahrenen Elefantenkuh Douanita also gelungen. Da sie bereits trächtig vom Prager Zoo nach Osnabrück kam, ist das Elefantenbaby „Born in Osnabrück“, aber nicht „Made in Osnabrück“.

Elefantenbaby Zoo Osnabrück
Keine zwei Tage alt und schon ganz schön neugierig (Foto: Marke Specker).
Daran wird aber hinter den Kulissen fleißig gearbeitet. Der Osnabrücker Zoo nimmt an dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für asiatische Elefanten teil, das in der Theorie vorsieht, dass der 44jährige Elefantenbulle Luka sich mit den Elefantendamen Douanita und deren kurz vor der Geschlechtsreife stehenden Tochter Sita paaren wird.

Zwei Bullen werden bald den Zoo verlassen

Die beiden Jungbullen Shahrukh und Shanti, die seit 2013 im Osnabrücker Zoo leben, werden im Herbst, spätestens im nächsten Frühjahr, den Osnabrücker Zoo verlassen. „Die beiden sind bald geschlechtsreif und können dann in Zuchtgruppen oder Junggesellen-Gruppen integriert werden“, so der Zoodirektor Michael Böer. Bis zum Eintreffen von Douanita und Tochter Sita lebten Shahrukh, Shanti und Luka in einer Junggesellengruppe. Die soziale Situation erfordert es, die Jungbullen anderweitig unterzubringen, was auch dem europäischen Zuchtprogramm zur Arterhaltung der selten geworden Spezies zur Hilfe kommt.

Mittels internationaler Transfers weiblicher und männlicher Elefanten zwischen den am Programm teilnehmenden Zoos werden ideale Familienkonstellationen gesucht und ermöglicht. Eine kontrollierte Zucht ermöglicht eine stabile, sich selbst erhaltende Zoo-Population der in ganz Südasien stark gefährdenden Asiatischen Elefanten.

Zoonachwuchs hilft beim Artenschutz

Der Beginn der Elefantenzucht Osnabrück ist ein wichtiger Beitrag dazu, denn mit 15 Geburten pro Jahr bei einem Gesamtbestand von circa 300 Asiatischen Elefanten in europäischen Zoos, kann diese Populationsgröße in etwa 20 Jahren durch nachwachsende Jungtiere komplett erhalten bleiben- das ist ein großer Erfolg für die Arterhaltung in Obhut von Menschen unabhängig von der schwierigen Situation in der Wildbahn aufgrund der Lebensraumszerstörung“, so Prof. Dr. Michael Böer.

„Minh-Tan“ bedeutet „Glück“

„Minh-Tan“, so der Name des jüngsten Zoobewohners, ist ein vietnamesischer Name und bedeutet „Glück“. Ideengeber war ein vietnamesischer Mitarbeiter des Zoos.

Elefant Minh-Tan
Minh-Tan bleibt erstmal abseits von den Elefantenbullen. Hier zwischen seiner Schwester Sita und Mutter Douanita (Foto: Mareke Specker).

Wie kann Minh-Tan am besten beobachtet werden?

Der niedliche Jungbulle wiegt circa 90 Kilogramm und ist etwa 90cm groß – er wird in diesem Sommer bestimmt „der“ Besucherliebling im Zoo.
Vom Kajanasteg (Foto) oder von der Plattform am kleinen Elefantenvorhof kann er ab sofort beobachtet werden. Auch aus dem Besucherbereich des Elefantenhauses, wird Minh-Tan zu sehen sein.

Kajanaland
Von hier aus im „Kajanaland“ gibt es den besten Ausblick auf den Elefanten-Nachwuchs (Foto: Mareke Specker).
Douanita, die 4 ½ jährige Schwester Sita und das Junge Minh-Tan bleiben vorerst unter sich in dem eigenen Areal um sich von der Geburt zu erholen, sich kennen zu lernen und werden erst später im Herbst auf der gesamten Außenanlage zu sehen sein.

Kleine Osnabrücker Ferienpassbesitzer haben die Möglichkeit für einen freien Zoobesuch, das Stempelfeld befindet sich auf dem Ferienpass oben rechts über dem Foto.

 

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