Das Stück „Die Geburtstagsfeier“ von Harold Pinter feierte am Samstagabend (14.4.2018) im Theater Osnabrück Premiere. Pinters Stück traf, nachdem es 1958 uraufgeführt wurde, entweder auf Begeisterung oder Verwunderung – verständlich. Das von Dominique Schnizer inszenierte Stück lässt die Zuschauer (unter anderem aufgrund des offenen Endes) mit einem großen Fragezeichen zurück. „Die Geburtstagsfeier“ vereint Komödie und Thriller auf eine absurde Art und Weise.

Meg (Cornelia Kempers) und Petey (Johannes Bussler), ein älteres Ehepaar, leiten eine Strandpension. Das Kuriose ist, dass die Pension seit einem Jahr bis auf einen Gast leer steht. Dieser eine Gast ist Stanley (Julius Janosch Schulte). Stanley sei, bevor er sich bei Meg und Petey einquartierte, ein berühmter Pianist gewesen. Julius Janosch Schulte spielt die Rolle des aus der Gesellschaft ausgegliederten, der sich in der kleinen Strandpension zurückzieht und sich somit der Welt verschließt. Zu Beginn des Stücks scheint Stanley ein missmutiger und undankbarer Gast, dessen Verhalten sich nach dem Eintreffen zweier neuer Gäste, für alle Anwesenden völlig Fremde, schlagartig verändert. Die neuen Gäste, Goldberg (Jan Andreesen) und McCann (Mick Riesbeck) scheinen mit einer Intention, die dem Zuschauer unklar bleibt, in den kleinen Badeort zu kommen und merkwürdiger Weise scheint Stanley das Eintreffen der beiden gar nicht zu passen. Und als Goldberg und McCann dann auch noch die Geburtstagsfeier von Stanley ausrichten wollen, obwohl dieser steif und fest behauptet erst in einem Monat Geburtstag zu haben, nimmt die Geschichte an Fahrt auf… Und was es mit der Funktion der Figur Lulu (Maria Goldmann) auf sich hat, scheint wohl ein weiteres der schier endlos wirkenden Rätselfolge des Stückes zu sein.

Zuschauer soll Figuren hinterfragen

„Pinter zeigt Figuren, die vor sich selbst, ihrer Identität und damit vor ihrer Verantwortung fliehen“, heißt es im Begleitheft. Stanley scheint wohl der perfekte Beweis dafür zu sein: Das Kostüm (Christin Treunert), das den zerstreuten Charakter des Besuchers widerspiegelt, das doch recht aggressive Verhalten, das den Anschein weckt, er sei mit sich und der Gesamtsituation nicht zufrieden und das verwirrende Verhältnis Stanleys zu den anderen Figuren.

Cornelia Kempers (Meg), Janosch Schulte (Stanley)

In der Einführung zum Stück lautete es: „Man kann Pinters Figuren nicht trauen. Er fordert den misstrauischen Zuschauer.“ Und genau dieser Effekt lässt sich in „die Geburtstagsfeier“ finden. Der Zuschauer ist während des ganzen Stückes in der Position des kritischen Betrachters. Er wird ständig mit diversen Fragen konfrontiert. Wieso verhalten sich die Personen so? Kennen Sie sich aus der Vergangenheit? Was passiert mit Stanley? In der Einführung zum Stück im Oberen Foyer hat man schon die passenden Worte gefunden: „Es ist schwierig das Theaterstück zusammenzufassen, ohne zu viel zu verraten.“

Am Ende bleibt ein großes Fragezeichen

Schauspielerisch stark waren vor allem Cornelia Kempers in der Figur der Meg und Julius Janosch Schulte alias Stanley. Charakteristisch, witzig und authentisch spielen sie die naive Hausdame und den merkwürdigen Langzeitgast.

Abschließend lassen sich wohl nur noch einmal die Eingangsworte wiederholen: Ein Stück, das den Zuschauer mit einem großen Fragezeichen zurücklässt. Vielleicht können Sie das Rätsel lösen?

 

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