Am Samstag, den 01.12.2018, simulierten zahlreiche Rettungskräfte einen Verkehrsunfall mit drei PKW und einem Bus in Markendorf bei Melle. Die Fahrzeuge waren miteinander kollidiert, eines ging in Flammen auf. Über 200 Einsatzkräfte waren vor Ort und im Meller Krankenhaus beteiligt.

Wie bereits zu Jahresanfang (wir berichteten) fand unter der Übungsleitung von Benedikt Guss und Amin Schneider vom Fachdienst Ordnung des Landkreises Osnabrück und seinem Team erneut eine Großübung statt. Dass es sich wieder um einen Verkehrsunfall mit einem Bus handelte war dabei dem glücklichen Zufall geschuldet, dass dafür in diesem Jahr ein weiterer Bus zur Verfügung stand. Diese eher seltene Chance sollte nicht ungenutzt bleiben.

Um 09:10 Uhr alarmierte die Rettungsleitstelle Osnabrück die Ortsfeuerwehr Markendorf mit dem Stichwort „Feuer PKW“. Als die ersten Kräfte eintrafen, stand tatsächlich ein PKW in Flammen, jedoch lag zudem ein Bus auf der Straße, der einen weiteren PKW zwischen sich und einem Baum eingeklemmt hatte. Ein weiterer PKW war in dem angenommenen Szenario gegen den Bus gefahren.

Unfall mit Bus und mehreren PKW, Massenanfall von Verletzten

Daraufhin wurden seitens der Feuerwehr umgehend die Alarmeinheit Buer/Markendorf/Tittingdorf, die Rüstwageneinheit aus Melle-Mitte und die Ortsfeuerwehr Bruchmühlen nachalarmiert. Für den Rettungsdienst wurden Kräfte im Sinne eines Massenanfalls von Verletzten, kurz MANV, für bis zu 15 Personen alarmiert. Neben Rettungswagen und Notärzten gehören dazu Einheiten für die Patientenablage, den Transport von Verletzten und die Einsatzleitung.

Nach weiterer Lageerkundung wurde sogar auf „MANV 25“ hochgestuft, womit noch weitere Rettungsdiensteinheiten sowie die Alarmeinheit Hüsede/Barkhausen/Linne der Feuerwehr Bad Essen und die Feuerwehr aus dem westfälischen Rödinghausen als Tragehilfen nachalarmiert wurden.

Zahlreiche Einheiten von Feuerwehr und Rettungsdienst im Einsatz

Vor Ort waren Feuerwehr und Rettungsdienst zunächst gefordert, den brennenden PKW zu löschen, möglichst schnell alle „Unfallopfer“ erstzuversorgen, diese aus den Fahrzeugen zu befreien und sie aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Teilweise musste schweres technisches Geräte eingesetzt werden, um die Personen aus den Fahrzeugen zu befreien. DLRG-Mitglieder der Realistischen Unfalldarstellung (kurz RUD) sorgten auch diesmal wieder für eine überzeugende Darstellung der „Verletzten“. Überzeugend schauspielerten sie Verhaltensweisen, wie man sie bei echten Unfallopfern beobachten kann. Schreie tönten aus dem Bus und den Fahrzeugen, andere liefen planlos umher. Zudem waren stark blutende Wunden angeschminkt worden.

Zeitgleich lief die Organisation und Durchführung des Transportes der 25 unterschiedlich stark Verletzten in verschiedene Krankenhäuser an. Während mehrere Krankenhäuser simuliert wurden, konnte das Christliche Klinikum Melle tatsächlich in die Übung einbezogen werden.

Realistische Verletztendarstellung, Krankenhaus probt aktiv mit

Rund 15 Rettungswagen steuerten das Krankenhaus an, wo mehrere Schockräume belegt und sogar die Nutzung der Intensivstation simuliert wurden. Auch das Klinikum hält besondere Organisationspläne für MANV-Ereignisse vor, bildet eine hauseigene Einsatzleitung und alarmiert in solchen Situationen Personal aus der Freizeit nach. Damit jedoch weiterhin auch echte Notfälle ohne Einschränkung behandelt werden konnten, wurde für die Übung ein gesonderter Personalplan aufgestellt.

Ohnehin war die volle Einsatzfähigkeit von Rettungsdienst und Feuerwehr für mögliche echte Notfälle während der gesamten Übung gegeben. Durch zusätzliches Personal stand außerhalb der Übung die für diesen Tag vorgesehene Zahl von Rettungswagen und Notärzten parallel zur Verfügung. Bei den Feuerwehren hätten ausreichend benachbarte Wehren zum Einsatz kommen oder Kräfte sofort von der Übung abgezogen werden können.

Aufwändige Übungen nicht durch Planspiele ersetzbar

„Neben der eigentlichen Versorgung der vielen ‚Verletzten‘ ging es im Schwerpunkt um die Kommunikation zwischen den einzelnen Einheiten von Feuerwehr und Rettungsdienst, den Einsatzleitungen und der Polizei.“, resümierte Benedikt Guss das Ziel.

Er erläuterte uns auch, dass solche Übungen nicht ausschließlich durch Planspiele ersetzbar seien. Vieles stellt sich vor Ort immer anders dar als gedacht. Wenn man die ganzen Fahrzeuge da habe, braucht man beispielsweise einfach auch eine entsprechende Fläche und die Ordnung dieser. „Und wenn man Verletztendarsteller hat, die für zusätzlichen Stress sorgen weil sie schreien oder nicht von den Angehörigen weg möchten, dann ist das nochmal eine andere Herausforderung für die Rettungskräfte. Das erzeugt eine besondere Motivation auch wirklich was tun zu wollen, wofür eine reine Planlage nicht ausreicht.“, so Guss.