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UPS testet in Osnabrück die Auslieferung per Lastenfahrrad

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Maik Pohl, der ab sofort als erster Mitarbeiter des Paketdienstes UPS in Osnabrück mit einem Lastenfahrrad ausliefert, hatte wohl schon so eine Vorahnung, als er bei der Präsentation des neuen Konzeptes davon berichtete, dass er wohl bald Autogrammkarten brauchen werde, denn die Reaktion bei den ersten Testfahrten sei bereits durchweg positiv gewesen.

Als wir Maik Pohl ein paar Stunden später, am Ende seiner ersten regulär mit dem Lastenfahrrad erledigten Ausliefertour vor unserer Redaktion in der Altstadt wiedertrafen, war klar, wie recht er mit seiner Einschätzung hatte.

 

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Beim Plausch vor unserer Tür dauerte es keine zwei Minuten, da wurde der UPS-Fahrer auch direkt wieder von einer interessierten Passantin angesprochen und über sein neues Gefährt ausgefragt. Das UPS-Lastenfahrrad beschert dem Paketdienst eindeutig Sympathiepunkte bei den Osnabrückern, und wegen der feschen Uniform mit den kurzen Hosen wohl auch ganz besonders bei den Osnabrückerinnen…


Feldversuch vorerst auf sechs Wochen begrenzt

Im Rahmen des auf sechs Wochen begrenzten Feldversuchs will der Paketdienst UPS nun auch in Osnabrück beweisen, was inzwischen schon in bundesweit 30 anderen Städten erfolgreich funktioniert: Die Pakete vom Laster aufs Fahrrad zu holen.

Am Vitihof-Parkhaus der OPG wird umgeladen
Am Vitihof-Parkhaus der OPG wird umgeladen (Rico Döbler und Maik Pohl von UPS)

Das „MovR“ getaufte Lastenfahrrad des deutschen Herstellers Rytle wird während der Erprobungsphase innerhalb des Wallrings ergänzend zu den klassischen Lieferfahrzeugen fahren. Während große Paketvolumen, wie sie zum Beispiel bei der Belieferung von Einzelhändlern in der Fußgängerzone ausgeliefert werden müssen, noch ganz klassisch vom Transporter an- und ausgeliefert werden, übernimmt das Lastenfahrrad die Verteilung einzelner Pakete, ohne dafür dann für jedes einzelne Paket einen 7.5 Tonner im Stop & Go Betrieb von Haustür zu Haustür bewegen, was einerseits stark umweltbelastend ist (Verbräuche von mehr als 30l. Diesel auf 100km sind die Regel), vor allem aber auch den begrenzten Verkehrsraum unnötig blockiert.

Umgeladen wird an der Vitihof-Garage der OPG

Lastenradler Maik Pohl wird sein Gefährt regelmäßig bei geplanten Rendezvous an der Vitihof-Garage der OPG von einem größeren Lieferfahrzeug auffüllen, das auch für den Transport von der Zentrale in Wallenhorst zuständig ist. „Bereits bei diesem Verfahren kann der Einsatz eines kompletten Lieferlasters eingespart werden“, erläutert UPS-Center-Manager Nektarios Kornilakis. Perspektivisch kann die Box bereits im UPS-Depot in Wallenhorst kommissioniert werden und dann am City-Hub getauscht werden. Mit voller Box machen sich die Zusteller dann auf dem „MovR“ auf die „Letzte Meile“. Dabei kann das maximale Gesamtgewicht des Cargo-Bikes mit voller Box bis zu 350 Kilogramm betragen. „Zur Unterstützung beim Anfahren ist in den Hinterradnaben daher ein E-Motor verbaut“, erläuterte Dr. Alexander Preuschoff, der die Lastenräder in Sachsen-Anhalt produzieren lässt.

Größenvergleich: Das Lastenfahrrad nimmt doch deutlich weniger Platzen als ein 7.5 Tonner LKW
Größenvergleich: Das Lastenfahrrad nimmt doch deutlich weniger Platz ein, als ein üblicher 7.5 Tonner LKW, der jetzt als Zubringer eingesetzt wird

Mittelfristig soll ein Hub-Konzept kommen

„UPS will einerseits für Akzeptanz werben und beweisen, dass das bereits andernorts erfolgreich eingeführte Konzept auch in Osnabrück funktioniert“, erläutert Rainer Kiehl, UPS-Projektmanager Citylogistik. Verläuft der Test in der Hasestadt erfolgreich, ist im nächsten Schritt eine Ausweitung um ein weiteres Fahrrad denkbar und später dann ein bereits an anderen Standorten erfolgreich umgesetztes „Hub“-Konzept, bei dem nicht mehr vom LKW auf das Fahrrad umgeladen wird, sondern aus Absetzcontainern oder für extra für diesen Zweck angemietete Ladenlokale, die dann als Umschlagort dienen und bei denen die Kunden auch selbst Pakete aufgeben oder abholen können.

Eine gemeinsame Verteilzentrale für verschiedene Paketdienste?

Stadtbaurat Frank Otte zeigte sich im Gespräch offen für ein derartiges Hub-Konzept, bei dem auch unterschiedliche Paketdienste ein gemeinsames Hub nutzen könnten.
Für die Umsetzung eines gesamtstädtischen Citylogistik-Konzeptes sei ein Zusammenspiel der Akteure Handel und Gastronomie, Logistikbranche sowie Stadt unerlässlich, so Otte, und weiter: „Genau diesen Ansatz verfolgen wir in unserem gemeinsamen Projekt „Mobile Zukunft‘“.

Schnittstellen zum Citylogistik-Konzept Osnabrueck24

Der Kontakt zu UPS und dem Fahrradhersteller Rytle war über das gemeinsame „Mobile Zukunft“-Projektbüro von Stadt und Stadtwerken entstanden. „Hinter dem Begriff Citylogistik steht der Ansatz, den Warenverkehr für die Innenstadt und von der Innenstadt zum Kunden nachhaltig zu optimieren“, erläuterte Dr. Stephan Rolfes. Der Stadtwerke-Mobilitätsvorstand sieht daher große Schnittstellen zu dem bereits angelaufenen Citylogistik-Netzwerk www.osnabrück24.de des Osnabrücker Handels. Mehrere Osnabrücker Einzelhändler haben sich hier zusammengeschlossen, um ihre Warenströme und ihren Lieferservice zu bündeln. „Beide Initiativen halten unnötige Lieferverkehre und Transporte aus der Innenstadt heraus und machen Osnabrück noch lebenswerter“, so Dr. Rolfes. „Einmal mehr zeigt sich: partnerschaftlich und gemeinsam erreichen wir mehr.“

UPS baut Diesel-Lieferwagen auf Elektroantrieb um

Sollte der aktuell nur im Testbetrieb laufende Lastenrad-Lieferservice in Osnabrück zu Regel werden, könnten für die Anlieferung aus dem Depot in Wallenhorst auch Elektro-LKW zum Einsatz kommen, erklärte UPS-Manager Rainer Kiehl im Gespräch mit unserer Redaktion. Das Unternehmen hat bereits erfolgreich alte Auslieferfahrzeuge, deren Dieselmotor und Antriebsstrang mit mehr als 500.000 Kilometern am Ende der üblichen Nutzungszeit angelangt waren, bei denen der Fahrzeugaufbau aber noch gut war, erfolgreich zu Elektro-LKW umgebaut. 

UPS beklagt Folgen der Führerschein-Umstellung

Für UPS ist neben der Nachhaltigkeit auch noch ein anderer Aspekt wichtig: Weil durch die Umstellung der Füherscheinklassen vor ein paar Jahren immer weniger Bewerber die Qualifikation haben einen größeren Lieferwagen zu fahren, werden auch hier die Fahrer knapp. 
Die Osnabrücker Stadtwerke mussten in der vergangenen Woche mitteilen, dass eine seit langem geplante Ausweitung des Busliniennetzes um ein halbes Jahr verschoben werden muss, weil es am Arbeitsmarkt nicht genügend Busfahrer gibt – egal ob Pakete oder Personen, die Fahrer dafür werden knapp.

 

Heiko Pohlmann
Heiko Pohlmann gründete die HASEPOST 2011 unter dem Titel "I-love-OS". Die Titelgrafik der HASEPOST trägt dieses ursprüngliche Motto weiter im Logo. Die Liebe zu Osnabrück treibt Heiko Pohlmann als Herausgeber und Autor an. Neben seiner Tätigkeit für die HASEPOST zeichnet der diplomierte Medienwissenschaftler auch für zwei mittelständische IT-Firmen als Geschäftsführer verantwortlich. Direkte Durchwahl per Telefon: 0541/20280-370.

 

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