
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Wirtschaftsraum Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim ist im Jahr 2025 erneut gestiegen. Mit insgesamt 307 insolventen Unternehmen liegt der Wert um 5,9 Prozent über dem Vorjahr und erreicht damit ein Niveau, das zuletzt im Jahr 2011 verzeichnet wurde. Niedersachsenweit nahm die Zahl der Unternehmensinsolvenzen um 4,7 Prozent zu. Das berichtet die IHK Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim auf Grundlage von Daten des Landesamtes für Statistik Niedersachsen.
Viele Unternehmen unter Druck
„Auch wenn der Zuwachs gegenüber dem Vorjahr geringer ausfällt als zuletzt, ist die Lage weiterhin sehr ernst. Die Insolvenzzahlen bewegen sich auf einem hohen Niveau und zeigen, dass viele Unternehmen erheblich unter Druck stehen“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf.
Insolvenzen gewinnen an Tragweite
Besonders besorgniserregend ist der Anstieg bei den insolventen GmbHs. Ihre Zahl erhöhte sich um 10,3 Prozent auf 203 Fälle. „Die Rechtsform GmbH steht in der Regel für größere Betriebe mit mehr Beschäftigten und höherem Kapitalbedarf. Dass gerade bei diesen die Insolvenzzahlen so deutlich steigen zeigt, dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zunehmend auch Unternehmen treffen, die bislang als stabil galten“, so Graf. Damit gewinnen die Insolvenzen nicht nur zahlenmäßig, sondern auch in ihrer wirtschaftlichen Tragweite an Gewicht.
Vielfältige Ursachen
Die Ursachen für die Insolvenzentwicklung sind vielfältig. Hohe Energie- und Lohnkosten, eine schwache Nachfrage sowie anhaltende politische Unsicherheiten belasten viele Betriebe. Besonders deutlich gestiegen sind die Insolvenzen im Gastgewerbe (+25,0 %). Auch im Verarbeitenden Gewerbe (+7,7 %) und im Handel (+3,4 %) nahm die Zahl der Insolvenzen zu. Das Baugewerbe verzeichnete hingegen einen Rückgang von 6,5 Prozent.
Auffällig bleibt zudem die Entwicklung der mangels Masse abgewiesenen Insolvenzverfahren. Mit 91 Fällen liegt deren Zahl um 19,7 Prozent über dem Vorjahr. Dies weist darauf hin, dass zahlreiche Unternehmen bereits so stark geschwächt sind, dass selbst ein reguläres Insolvenzverfahren nicht mehr eröffnet werden kann.
Regionale Unterschiede zeigen sich
Regional zeigen sich unterschiedliche Entwicklungen: In der Stadt Osnabrück ging die Zahl der Unternehmensinsolvenzen um 8,2 Prozent zurück. Im Landkreis Osnabrück hingegen stieg sie deutlich um 32,4 Prozent. Im Landkreis Emsland wurde ein Anstieg um 4,1 Prozent verzeichnet, während die Zahl im Landkreis Grafschaft Bentheim um 5,9 Prozent sank.
„Die Unternehmen brauchen jetzt vor allem eines: Luft zum Atmen. Dafür braucht es spürbare Entlastungen bei der Stromsteuer und den Energiepreisen, wieder stabile Sozialabgaben und einen Bürokratieabbau, der diesen Namen auch verdient. Die geplanten Entlastungen bei der Körperschaftsteuer und steuerliche Vorteile bei der Thesaurierung kommen erst ab 2028 und damit zu spät. Hier wäre ein Vorziehen der Steuersenkungen ein starkes Signal, dass Investitionen in Deutschland sich wieder lohnen“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf.
IHK unterstützt Unternehmen
Die IHK Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim unterstützt Unternehmen in wirtschaftlicher Schieflage. Der nächste Sprechtag zu den Themen Restrukturierung und Sanierung findet am 18. März 2026 im IHK-Regionalbüro Lingen statt. Interessierte Unternehmen können sich bei Enno Kähler (Tel.: 0541 353-316, E-Mail) melden oder online (Nr. 455) informieren.
Mehr Nachrichten aus der Region?
➡️ Alle aktuellen Artikel zu Landkreis Osnabrück (Region) finden Sie hier.