Osnabrück Zweiter CSD in Osnabrück: politisches Statement trotz fehlendem Demonstrationszug

Zweiter CSD in Osnabrück: politisches Statement trotz fehlendem Demonstrationszug

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Zum ersten großen CSD in Osnabrück am 27. April 2019 kamen mehr als 1.000 Menschen, um zu zeigen: Osnabrück ist bunt! Der zweite CSD am 11. Juli 2020 findet nun wegen der aktuellen Lage ohne großen Demonstrationszug, aber mit vielen politischen Statements statt.

„Das zentrale Anliegen der Christopher Street Days ist es immer, gesellschaftliche und politische Veränderungen anzustoßen und Toleranz für gelebte Vielfalt zu erzeugen“, sagt Rebecca Herzberg vom Netzwerk der Vielfalt und ergänzt: „Dass es einen Tag in jeder Stadt in Deutschland gibt, an dem jeder ohne Angst vor Diskriminierung, Ausgrenzung oder gar Gewalt sichtbar sein kann, ist enorm wichtig.“ Immer noch sei die Suizidrate unter homosexuellen Jugendlichen höher. Viele vermeiden das Händchenhalten auf offener Straße. Die Corona-Ausgangssperre hat zudem gezeigt, dass insbesondere queere Kinder und Jugendliche, auch zu Hause von leidvollen Erfahrungen bedroht werden. In der Schule wird ihre Lebensweise oft nicht thematisiert. Schulbücher zeigen immer noch kaum Vielfalt. Aus diesen Gründen lautet das Motto des CSD 2020 „Normal ist bunt – Osnabrück zeigt Flagge“.

Regenbogenflagge hissen und fotografieren

Das Netzwerk der Vielfalt hat sich nach Absage des Demonstrationszuges dazu entschlossen, alle Osnabrücker – egal ob heterosexuell oder bunt – am 11. Juli 2020 dazu aufzurufen, die Regenbogenflagge als Symbol für Vielfalt und Toleranz an Balkonen und Fenstern zu hissen, im Privaten und im Arbeitsleben sichtbar zu werden und Fotos des Tages im Netz unter dem Hashtag #osnabrückzeigtflagge zu veröffentlichen. Stellvertretend für die weit über mehr als 1.000 Menschen, die im vergangenen Jahr den ersten großen CSD in Osnabrück einzigartig gemacht haben, wird das Netzwerk der Vielfalt des Weiteren die politischen Forderungen nach mehr Gleichbehandlung und Raum für Vielfalt ans Rathaus übergeben.

Queerer Gottesdienst in der Marienkirche

Besonders erfreut ist das Netzwerk zudem darüber, dass die Marienkirche in Kooperation mit dem CSD Osnabrück um 18:15 Uhr zu einem queeren Gottesdienst lädt. „Wir freuen uns, dass die Kirche in Osnabrück – allen voran Pastor Uhlhorn – zeigt, dass Buntheit Teil unserer Gesellschaft ist und Toleranz von so einer wichtigen Institution wie unserer Kirche gelebt wird“, so Herzberg.

Forderungen des CSD Osnabrück

„Es gibt immer noch viele Baustellen“, betont Herzberg. Das Netzwerk fordert einen Ort der Vielfalt, ein queeres Zentrum. Zudem fordert es eine explizit CSD und LSBTIQ-unterstützende Haltung der Stadt sowie die deutliche Distanzierung von vielen homo- und transfeindlichen Entwicklungen in Europa – vor allem in den polnischen Partnerstätten. Das Netzwerk fordert zudem die Bundesebene auf, „sexuelle Identität“ als Diskriminierungsgrund explizit in Artikel 3 des Grundgesetzes aufzunehmen. „Auch ein bereits bestehender Gesetzesentwurf zur Veränderung des Abstammungsrechtes, damit verheiratete lesbische Paare nach der Geburt ihres Kindes kein langwieriges, belastendes und diskriminierendes Adoptionsverfahren durchlaufen müssen, wird nicht zur Abstimmung in den Bundestag gebracht“, betont Herzberg, sondern versauere ohne Zeitplan bei den Ländern. Dabei sei die Gleichbehandlung von verheirateten Paaren doch eigentlich mit der Ehe für alle seit 2017 beschlossene Sache.

Normalität normalisieren

„Unser Motto ‚Normal ist bunt – Osnabrück zeigt Flagge‘ spielt mit dem Begriff Normalität, der schnell mal benutzt wird, um Lebensweisen abzuwerten, die nicht dem vermeintlichen Durchschnitt entsprechen“, sagt Rebecca Herzberg, „daher haben wir uns dieses Jahr dazu entschlossen, Osnabrück aufzurufen, sexuelle und geschlechtliche Vielfalt als ,normal‘ einzustufen.“ Damit, so die Mitinitiatorin, entzöge man vielen Argumenten, die Intoleranz und Hass befördern, den Nährboden. Diversität soll weiter in die Mitte der Gesellschaft rücken.



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