Osnabrück Zwei Monate ohne Präsenzlehre: Hochschule Osnabrück zieht Bilanz

Zwei Monate ohne Präsenzlehre: Hochschule Osnabrück zieht Bilanz

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Allein in der Woche vom 4. bis zum 8. Mai liefen online fast 3.200 Vorlesungen, Besprechungen und Gruppentreffen der Hochschule Osnabrück ab. Auch Wirtschaftspsychologie-Studentin Josefine Freese tauscht sich mit ihrer Lerngruppe aktuell nur online aus. / Foto: Hochschule Osnabrück.

Seit knapp zwei Monaten findet das Sommersemester an der Hochschule Osnabrück digital statt und zeigt Herausforderungen, aber auch Perspektiven für die Zukunft.

Es sind beeindruckende Zahlen, die belegen, dass die Hochschule Osnabrück im Online-Modus angekommen ist: In den vergangenen zwei Monaten liefen über 18.500 virtuelle Treffen mit 285.000 Teilnehmern. Seit dem 16. März 2020 findet das Sommersemester fast komplett online statt. Damit war die Hochschule Osnabrück eine der ersten in ganz Deutschland, die aufgrund der Corona-Pandemie innerhalb weniger Tage in die Online-Lehre eingestiegen ist.

Neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit

„Dass dieser Übergang quasi über Nacht ermöglicht wurde und so gut funktioniert hat, liegt in erster Linie an den Studierenden, Lehrenden und Mitarbeitenden, die diesen Prozess großartig mitgestaltet haben. Wir sind sehr stolz darauf zu sehen, wie engagiert alle diese Herausforderungen meistern, in dieser Krise zusammenhalten und ganz neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit entstehen“, sagt Hochschulpräsident Prof. Dr. Andreas Bertram.

Online-Vorlesungen morgens um 8 Uhr beliebter als Präsenzlehre

Das kann auch Prof. Dr. Frank Thiesing, Professor für Software-Engineering und Mathematik, bestätigen: „Um acht Uhr morgens sind zum Teil deutlich mehr Studierende in meinen Live-Online-Sessions als sonst im Hörsaal.“ Die Technik funktioniere sehr gut und doch sei die neue Situation für den Lehrenden noch gewöhnungsbedürftig: „Es war eine steile Lernkurve, bei der sich alle gegenseitig die neuen Tools und Tricks gezeigt haben. Da viele Studierende ihre Kameras ausschalten, fehlt mir manchmal jedoch das Feedback aus fragenden Gesichtern und Getuschel.“ Trotzdem kann sich der Professor vorstellen, das Konzept für große Gruppen und frühe Vorlesungstermine bei Bedarf auch zukünftig einzusetzen.

Arbeitsbelastung höher als im Präsenzbetrieb

Auch bei den Studierenden zeichnet sich ab, dass die neue Situation sowohl Chancen als auch Herausforderungen birgt. Bei einer Kurzumfrage über den Instagram-Kanal der Hochschule, an der sich rund 500 Studierende beteiligt haben, gaben 70 Prozent der Befragten an, dass ihre Online-Vorlesungen gut funktionieren. Die Arbeitsbelastung empfinden 72 Prozent jedoch als höher als im Präsenzbetrieb. Außerdem bedeute das Online-Semester viel Selbstorganisation und Eigenmotivation, meint Josefine Freese, die im 2. Semester Wirtschaftspsychologie studiert: „Dadurch dass es weniger feste Zeiten gibt, ist die Versuchung groß, etwas anderes zu machen, als zu lernen. Dafür kann ich mir frei einteilen, wann ich mir beispielsweise die hochgeladenen Videos oder besprochenen Präsentationen der Dozenten anschaue. Und dabei immer wieder zurückspulen, um Inhalte noch besser zu verstehen.“ Dazu stünden ihre Lehrenden zu ihren Sprechzeiten per Telefon und Mail regelmäßig Rede und Antwort.

Ergebnisse von Studierendenbefragung werden ausgewertet

Für ein umfassenderes Bild zur Situation der Studierenden haben die Fachschaften und der Allgemeine Studierendenausschuss der Hochschule eine Befragung durchgeführt, die sich zurzeit in der Auswertung befindet. „Wir werden uns die Ergebnisse detailliert anschauen, um die Lehre der aktuellen Situation entsprechend stetig zu verbessern. Außerdem planen wir, aufbauend auf dieser Befragung, eine ergänzende Evaluation dieses besonderen Semesters durchzuführen“, so Prof. Dr. Alexander Schmehmann, Vizepräsident für Studium und Lehre.

Prüfungszeitraum wird um zwei Wochen verlängert

Auch wenn es denkbar ist, einiges zukünftig weiterhin digital anzubieten, kommt die Online-Lehre an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften zum Beispiel bei den Laborpraktika sowie beim Theater- und Musikunterricht an ihre Grenzen. „Wir sind froh, dass wir unter Einhaltung entsprechender Hygienevorschriften nun in einem kleinen Rahmen einige praktische Lehrveranstaltungen wieder stattfinden lassen können“, so Schmehmann und betont: „Die Hochschule hat es sich zum Ziel gesetzt, dass im Sommer alle Prüfungen stattfinden können.“ Dafür wird der Prüfungszeitraum um zwei Wochen verlängert. Um alle nötigen Hygieneregeln befolgen zu können, mietet die Hochschule zudem weitere große Räumlichkeiten in Osnabrück und Lingen an. „Wir sind optimistisch, dass uns die Durchführung der Prüfungen gut gelingen wird. Mit Augenmaß und Kreativität werden wir alle diese Herausforderungen meistern.“

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