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Wirtschaftliche Schieflage: Wie es nach dem Insolvenzantrag und Rausschmiss des Geschäftsführers beim DRK in Osnabrück weitergeht

📍Ort des Geschehens: Osnabrück (Gesamtstadt)

Nach turbulenten Wochen steht das Deutsche Rote Kreuz Osnabrück-Stadt vor einer entscheidenden Phase. Ein Insolvenzantrag, ein entlassener Geschäftsführer und schwere Vorwürfe aus der Vergangenheit werfen Fragen auf. Gleichzeitig soll der Betrieb für Hilfesuchende und Kursteilnehmende möglichst reibungslos weiterlaufen.

Insolvenzantrag und Strafanzeige gegen früheren Geschäftsführer

Am 17. Dezember 2025 hat das Präsidium des DRK Osnabrück-Stadt beim Amtsgericht Osnabrück die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Hintergrund ist eine massive wirtschaftliche Schieflage, die nach Angaben aus Vereinskreisen unter der Verantwortung des früheren Geschäftsführers Mike Reil entstanden sein soll. Der Vorstand hat inzwischen Strafanzeige gegen ihn gestellt.

Reil war bereits Ende November zunächst freigestellt worden. Im Dezember folgten die Kündigung und Anzeige. Er soll dem Verein ein wirtschaftliches Desaster hinterlassen haben. Schon in der Vergangenheit war der damalige Geschäftsführer in die Kritik geraten: Ehemalige Mitarbeitende des „DRK-Markt für alle“ hatten Mobbing-Vorwürfe gegen ihn erhoben, einige zogen sogar vor das Arbeitsgericht. Unsere Redaktion hatte darüber berichtet.

DRK Markt für alle in Osnabrück / Foto: Dominik Lapp
Der DRK-Shop am Hauptbahnhof soll weiterhin geöffnet bleiben. / Foto: Dominik Lapp

Vorläufiger Insolvenzverwalter verschafft sich Überblick

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Amtsgericht den Osnabrücker Rechtsanwalt Stephan Michels. Gemeinsam mit seinem Team arbeitet er nun daran, die tatsächliche finanzielle Lage des Vereins aufzuarbeiten. Erste Gespräche mit dem ehrenamtlichen Präsidium haben bereits stattgefunden.

„Zu diesem Zeitpunkt geht es darum, Ordnung in die Abläufe zu bringen“, erklärt Michels. „In Abstimmung mit dem Präsidium sortieren wir das bisherige Geschehen.“ Vorrangig sei die Prüfung der Finanzen, um nachvollziehen zu können, wie es zu der aktuellen Situation kommen konnte. Dabei werde auch geprüft, ob und wie sich das Insolvenzverfahren auf den Status der Gemeinnützigkeit auswirken könnte.

Stabilisierung des Betriebs hat Priorität

Parallel zur Ursachenforschung steht für den vorläufigen Insolvenzverwalter die Sicherung des laufenden Betriebs im Mittelpunkt. Bestehende Verträge werden geprüft, Vermögenswerte gesichert und die Interessen der Gläubiger berücksichtigt. Ziel ist es, Strukturen zu stabilisieren und eine Grundlage für mögliche nächste Schritte zu schaffen. Auch die Mitarbeitenden seien eingebunden worden. Bereits vor Weihnachten soll dazu eine Versammlung mit den derzeit 34 Beschäftigten stattgefunden habe.

Angebote laufen vorerst wie gewohnt weiter

Für Kundinnen und Kunden sowie Hilfesuchende gibt es zunächst Entwarnung. Die Angebote des DRK Osnabrück-Stadt bleiben vorerst in vollem Umfang bestehen. Dazu zählen die Erste-Hilfe-Kurse in der Geschäftsstelle ebenso wie der soziale Dienst, der Menschen im häuslichen Umfeld unterstützt. Auch die Kreisbereitschaft ist weiterhin bei Veranstaltungen und in Notsituationen im Einsatz.

Der „DRK-Markt für alle“ in der Nähe des Osnabrücker Hauptbahnhofs bleibt ebenfalls geöffnet. Dort werden gespendete Kleidung, Deko-Artikel und Spielwaren zu günstigen Preisen angeboten. Bereits vor dem Insolvenzantrag geschlossen wurde hingegen die DRK-Tagespflege im Wissenschaftspark.

Wie geht es weiter?

Wie sich das Insolvenzverfahren konkret entwickeln wird, ist derzeit noch offen. Der vorläufige Insolvenzverwalter will zu gegebener Zeit über den Fortgang informieren. Klar ist jedoch: In den kommenden Wochen wird sich entscheiden, ob und in welcher Form das DRK Osnabrück-Stadt langfristig neu aufgestellt werden kann – und welche Konsequenzen die Vorgänge rund um den früheren Geschäftsführer noch haben werden.


 
Dominik Lapp
Dominik Lapp
Dominik Lapp ist seit 2023 Redaktionsleiter der HASEPOST. Der ausgebildete Journalist und Verlagskaufmann mit Zusatzqualifikation als Medienberater, Social-Media- und Eventmanager war zuvor unter anderem als freier Reporter für die Osnabrücker Nachrichten, die Neue Osnabrücker Zeitung und das Meller Kreisblatt sowie als Redakteur beim Stadtmagazin The New Insider und als freier Autor für verschiedene Kultur-Fachmagazine tätig. Seine größte Leidenschaft gilt dem Theater, insbesondere dem Musical und der Oper, worüber er auch regelmäßig auf kulturfeder.de berichtet.
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