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Wer ist der „Star-Architekt“ für den Güterbahnhof?

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Die Aufgabe einen neuen Stadtteil auf einer Fläche etwa halb so groß wie der Vatikan zu planen, dürfte eine seltene aber ungemein reizvolle Aufgabe für ein Architekturbüro sein. Für solche Großprojekte sucht man für gewöhnlich „Star-Architekten“.

Wir haben versucht herauszufinden wer hinter den Plänen für „GLEIS49“ steht.

Am Montag dieser Woche stellte die ZION GmbH, Eigentümerin von 17 Hektar Güterbahnhof-Gelände, ein Konzept für das Gelände vor. Neben den eigenen Flächen umfassen die Pläne auch das inzwischen der Stadt gehörende Areal des Ringlokschuppens (etwa 2,5 Hektar) und die ehemalige Güterabfertigung (etwa 3 Hektar), die inzwischen der Freikirche Lebensquelle e.V. gehört. Der Name dieses Mammutprojekts: „GLEIS49„.
Wem der Größenvergleich mit dem Kirchenstaat Vatikan nicht plastisch genug ist, der kann diese Fläche auch in Fußballfelder (fast 31) oder die Wasserfläche des Moskau-Bades (knapp 80x) umrechnen – siehe Grafik.


Größenvergleich Vatikan vs Güterbahnhof Osnabrück
Diese riesige Fläche wurde dem Architekten Jürgen Sieling von der ZION GmbH zur Planung anvertraut. Gemeinsam mit dem öffentlich bislang wenig in Erscheinung getretenen Geschäftsführer Thomas A. Gründler, konnte die eingeladene Presse einen ersten Blick auf die Vision eines „Premium-Objektes“ werfen. Die Planungsunterlagen können inzwischen auch von der Homepage der ZION GmbH heruntergeladen werden.
Nicht anwesend bei der Pressekonferenz war der ZION-Geschäftsführer Ralf Gervelmeyer, so berichteten uns Kollegen aus dem Medienhaus der NOZ, und so war es auch in einem online verfügbaren Artikel der NOZ zu lesen.
HASEPOST.de war übrigens nicht zur Pressekonferenz eingeladen… wofür sich aber Ralf Gervelmeyer heute Nachmittag per E-Mail höflichst entschuldigte.

Wir haben heute versucht von Jürgen Sieling ein paar Fragen beantwortet zu bekommen, die uns bei näherer Betrachtung der vorliegenden Pläne und der Homepage des Architekten aufgefallen sind. Leider blieb unsere Anfrage bis zum Abend unbeantwortet.


Rainer Lahmann-Lammert von der NOZ war schon ein „Lifestylehaus“ (Zitat: „unser `Lifestyle house`“) auf der Homepage des Architekten (www.premiumobjekt.de) aufgefallen. Eine einfache Bildersuche im WWW brachte gleich mehrere Websites zu Tage, die exakt das gleiche Bild verwenden. Eine kurze Telefonrecherche führte uns zum bayrischen Architekten Marco Gruber, der gegenüber HASEPOST erklärte, dass es sich bei dem Bild um einen nie realisierten Entwurf handelt, den er selbst angefertigt habe und nicht sein norddeutscher Kollege Sieling. Eine eigene Urheberschaft wird auch nicht explizit behauptet, aber der Kontext und ein entsprechender Copyright-Hinweis im Impressum hatte uns etwas anderes vermuten lassen, und daher waren wir verwundert, dass nur zwei Telefonate später ein anderer Architekt diesen Entwurf für sich beansprucht.

Unter der Rubrik-Bezeichnung „Rooms“ finden sich auf der Homepage von Premium Objekt auch Beispiele für Innenarchitektur. Hierbei wird mehrfach auf die „Lesley Lofts“ in Berlin verwiesen.
Zu diesem (ebenfalls nie realisierten) Objekt schreibt die Rechtsanwaltskanzlei Resch auf Ihrer Website, dass die Lesley Lofts GmbH bereits im März 2014 Antrag auf Insolvenz gestellt habe. Die Investoren dieses Projektes werden von der Berliner Kanzlei als „fragwürdige Initiatoren“ bezeichnet. Und weiter: „Gesellschafter der Lesley Lofts sind Bodo Diesch aus Bremen und der Berliner Bartosz Dzbuk. (…) Über externe Vertriebe, so die VIS aus Bremen, sind die Eigentumswohnungen vermarktet worden. (…)Handwerkerrechnungen von fast 1 Millionen Euro seien noch offen“.

Fast so beeindruckend wie die Bilder (Haus mit Porsche und Luxus-Loft in Berlin) auf der Homepage – auch wenn diese teils nie realisierte Projekte zeigen und die Rolle des Website-Inhabers unklar bleibt – sind die angegebenen Adressen von Sielings Firma „Premium Objekt“.

zwei Auslandsadressen, die einen sehr internationalen Eindruck vermitteln

Neben einer postalischen Adresse in Bremen und einem „Firmensittz“ (mit doppel-„t“) ohne genaue Postanschrift in Cuxhaven, finden sich im Impressum auch noch zwei Auslandsadressen, die einen sehr internationalen Eindruck vermitteln.

Büros in London und Istanbul
Der Adresse „Brightfield Road, London SE12 8QE; UK“ fehlt allerdings die – auch in England übliche – Hausnummer. Aber auch hier kann das Internet bei der Recherche weiterhelfen. In eben jener Straße, in einem kleinen Reihenhaus mit der Nummer 9, war bis zur Löschung am 3. September 2013 eine „Premium Objekt Limited“ gemeldet – Vorstand: „Jürgen Sieling“.
Das Stammkapital der zuvor als „Bavarian Tiger“ firmierenden britischen Gesellschaft betrug bei Ihrer Löschung ganze 3 britische Pfund. Unter der Adresse, in dem kleinen Reihenhaus, sind nach Angaben einer britischen Finanzauskunft aktuell insgesamt 41(!) Limited-Gesellschaften registriert. Darunter so profan klingende Unternehmungen wie „Exklusive Fussbodenveredelung Ltd“, aber auch die nobel erscheinende „Kaiser Wilhelm Ltd“ oder eine „London Eyes Ltd“ – die nicht mit der Betreiberin des weltberühmten Londoner Riesenrades verwechselt werden sollte, denn die firmiert unter „The London Eye Company Limited“ und hat ihre Adresse im Bürogebäude des Mutterkonzerns Merlin Entertainment – nicht in einer Londoner Arbeitersiedlung.

Die andere internationale Adresse ist schon schwieriger zu recherchieren. Hier fehlt neben einer – auch in der Türkei üblichen – Postleitzahl, ebenfalls die Hausnummer. Frei übersetzt bedeutet die Adresse lediglich „Küstenstraße“. Sofern diese Adresse auf die Metropole Istanbul und nicht auf die Provinzhauptstadt Pendik hindeutet, zeigt Google Maps ein trostloses Industriegebiet, zwischen Schiffswracks und einer Eisenbahnlinie, irgendwo am Bosporus.

Red.
Redaktion Hasepost
Dieser Artikel entstand innerhalb der Redaktion und ist deshalb keinem Redakteur direkt zuzuordnen. Sofern externes Material genutzt wurde (bspw. aus Pressemeldungen oder von Dritten), finden Sie eine Quellenangabe unterhalb des Artikels.

2 KOMMENTARE

  1. Ok… schon ziemlich interessant was dieser Bericht von sich gibt, stellt sich die frage, warum die groß angelegte verschleierungstaktik. .
    Irgendwo bleibt bei den ganzem Projekt dann doch wieder der kleine Mann oder Handwerker auf der Strecke. ..

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