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Vom Schinkelberg zur Rosenburg – „Corona-Karfreitag“ in Osnabrücks größtem Stadtteil

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Auch zu diesem Wochenende startet unser Autor Wolfgang Niemeyer einen Spaziergang mit der Kamera, um uns scheinbar von allen Menschen verlassene Gegenden zu zeigen und seinen Gedanken nachzuhängen.

Niemeyer war während der Corona-Krise bereits in der einsamen Osnabrücker Innenstadt unterwegs. Er zeigte uns die Gegend rund um den Rosenplatz zu Corona-Zeiten und war am Alfsee, einem Naherholungsgebiet ohne Erholungssuchende.

„Corona-Karfreitag“ im Osnabrücker Schinkel

Wenn man die unermesslichen Weiten der norddeutschen Tiefebene verlässt und über die A33-Ausfahrt ‚Widukindland‘ das Osnabrücker Stadtgebiet betritt, dann kann man schon nach kurzer Zeit den atemberaubenden Blick vom Schinkelberg auf die Innenstadt genießen. Von der Bremer Straße fährt man tief hinein in den bevölkerungsmäßig größten Stadtteil der Hasemetropole, in das bunte Herz von Osnabrück. Der Schinkel war eigentlich immer als Arbeiterviertel verschrien, als Heimat der kleinen Leute, sozusagen das mittellose und wenig glamouröse Gegenstück zum mondänen Westerberg. An diesem traurigen Karfreitag, der ganz im Zeichen von Kontaktsperre und totalem Herunterfahren des öffentlichen Lebens steht, bietet sich auch hier die Atmosphäre einer Geisterstadt. Beim Einbiegen von der Bremer Straße in die Oststraße steht zu linker Hand das majestätische Stadion an der Bremer Brücke. Wann wird es hier wohl wieder ein volles Haus geben? Vor genau einem Jahr stieg der VfL Osnabrück nach einem 2:0 Sieg gegen den VfR Aalen in die 2. Bundesliga auf, eine ganze Stadt stand tagelang Kopf und war vor Freude aus dem Häuschen. Angesichts der derzeitigen Lage mutet die Erinnerung an diese schöne Zeit fast schon surreal an. Der Schinkel ist tot, rund um das VfL-Stadion und die angrenzende Schützenstraße trifft man nur vereinzelt auf ein paar Leute, aber niemand läuft hier Gefahr, wegen Verletzung der Kontaktsperre ein Bußgeld aufgebrummt zu bekommen. 

Ein Stück Osteridylle bietet der Bornheidesee am Gretescher Weg. Alles blüht und man denkt mit Wehmut an die Leichtigkeit zurück, die die Osterfeiertage in normalen Zeiten bestimmt. Neben dem See liegt die Sportanlage des Vereins Blau-Weiß Schinkel. Frank Schwarz wohnt über der Vereinsgaststätte und gönnt sich ein kurzes Sonnenbad. Er hat Seelachs auf dem Herd; der stadtbekannte Koch weiß natürlich, was Karfreitag auf den Tisch gehört. Ein paar Meter weiter schlendern unter vorbildlicher Einhaltung der Abstandsregeln ein paar Familien Richtung Autobahnbrücke. Ein fröhlicher Familienausflug sieht anders aus.

Bildergalerie: Der Schinkel am Corona-Karfreitag (anklicken)

Auf dem Schinkeler Friedhof an der Belmer Straße ist vor allem der angrenzende Parkplatz überraschenderweise recht gut frequentiert. Stolze Besitzer von PS-starken Sportwagen treffen sich hier und halten von Autofenster zu Autofenster ein kleines Pläuschchen. Vielleicht ist das ein wenig Ersatz für den bei der Polizei gefürchteten ‚Car-Freitag‘, wo die Pagenstecherstraße traditionell kurzerhand zur Rennstrecke umfunktioniert wird. Auch diese Großveranstaltung fällt in diesem Jahr dem Coronavirus zum Opfer. Auf dem Friedhof selber ist alles sehr ruhig, noch ruhiger als an anderen Feiertagen. Das Gedenken an die Toten scheint ebenfalls zum Erliegen gekommen zu sein, so wie alles andere auch. Auf der Weiterfahrt über die Belmer und Buersche Straße Richtung Innenstadt bleibt der Blick am Rosenburg-Center hängen. Ein Döner-Imbiss verkauft Essen zum Mitnehmen. Zwei Gäste warten vor dem Lokal auf ihre Bestellung, hinein dürfen sie nicht. Und in der Bushaltestelle sitzen drei Jugendliche und warten auf das Ende der Kontaktbeschränkungen. Oder auf Godot. Oder darauf, daß endlich was passiert. Wer weiß das schon in diesen ungewissen Zeiten.

Wolfgang Niemeyer
Wolfgang Niemeyer ist freier Autor der HASEPOST und ein Kenner der Hasestadt. Musikalisch kennt man ihn (nicht nur) zwischen Rosenplatz und Westerberg als "der Niemeyer" von "Niemeyer & Konsorten".

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