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VfL Osnabrück: In Fürth stieß der VfL endlich den Bock um … Verdienter 2:0-Sieg!

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In einer Partie, die von Anfang an von beiden Mannschaften mit viel Engagement geführt wurde,  ging der VfL nach einer tollen Leistung als 2:0-Sieger vom Platz. Die bislang sieglose Rückrunde könnte sich damit doch noch zum Positiven wenden, zumindest kann der VfL nun im Abstiegskampf ein wenig durchatmen … 

Vor dem Spiel: “Wir gehen ‘all in’!”

Der VfL war vor der Partei seit zehn Spieltagen ohne Sieg und mit einer kargen Ausbeute von gerade einmal vier Punkten die mit Abstand schlechteste Rückrundenmannschaft.
“Wir gehen ‘all in’!”, verkündete Daniel Thioune am Tag vor dem Match und weiter: “Wir können am Dienstag nicht mit unseren Kräften haushalten. Wir brauchen Siege und Punkte. Wir wollen den Bock umstoßen.”
Nun, soviel vorweg: Der VfL ging “all in” und stieß auch tatsächlich den Bock um.
In der Startelf wurde Ceesay erneut Álvarez vorgezogen und der Ex-Fürther Gugganig ersetzte den in den letzten beiden Spielen etwas unglücklich agierenden van Aken. Zudem waren Wolze und Henning neu in der Startelf.
Bei den Fürthern, deren Partie letztes Wochenende aus bekannten Gründen gegen Dresden verschoben werden musste,  spielten nach dem 2:2 gegen den HSV Ernst für Green und Raum für den zweifachen Torschützen Nielssen, der nicht einmal im Kader war.
Im Hinspiel hatte der VfL gegen die Fürther noch über die beste Abwehr der zweiten Liga verfügt.
Ein paar verwaiste grün-weiße Kleeblattfahnen auf den leeren Rängen sorgten für jene prickelnde Atmosphäre, wie es sie nur bei Geisterspielen geben kann.

Kritik an den Geisterspielen auf leeren Rängen.... Foto: imago images / Poolfoto
Auch in Fürth Kritik an den Geisterspielen – Foto: imago images / Poolfoto; Wolfgang Zink, Sportfoto Zink

Der VfL startet gut

Bei angenehmen Temperaturen um die 20 Grad hatte Fürth Anstoß gegen die ganz in Lila antretenden VfLer. Gleich zu Beginn ein Schuss von Ceesay aus 20 Metern, der für Burchert aber kein Problem darstellt.
Nach einem nervösen Beginn beider Mannschaft übernahm Fürth zunächst die Initiative, doch in der neunten Minute setzt sich auf der rechten Seite Ceesay durch, flankt nach innen auf Blacha, der keine Mühe hat, den Ball aus wenigen Metern zum 0:1 zu versenken.
Zwei Minuten später wird der quirlige Ceesay kurz vor der Strafraumgrenze von Meyerhöfer umgerempelt. Der fällige Pfiff bleibt aus.
Fürth kam nun wieder besser ins Spiel, aber der VfL wirkte gut organisiert und immer wieder und überall Ceesay, der an fast allen offensiven wie defensiven Aktionen beteiligt war. In der 20. Minute hätte er nach einer Flanke von Wolze sogar das 2:0 erzielen können, aber der Kopfball ging weit über das Tor.
Trotz der optischen Überlegenheit der Fürther hatte der VfL immer wieder seine Chancen auf ein zweites Tor.

Der VfL kam immer besser ins Spiel, der Schiedsrichter immer schlechter …

Mitte der ersten Halbzeit hatte der VfL nach wie vor die Fürther gut im Griff und man merkte der Osnabrücker Mannschaft den unbedingten Willen an, tatsächlich “all in” zu gehen.
Die in den letzten Spielen so sehr gebeutelte Verteidigung stand fest. In der 32. Minute wird der aufs Tor zustürmende Blacha von Caligiuri umgerissen, der Elfmeterpfiff bleibt aus. In der 35. Minute verstolperte Ceesay auf der Höhe des Elfmeterpunkts die Ballannahme, das hätte ein Tor werden können. In der 36. wird Henning zum zweiten Mal von Seguin brutal gefoult, erneut bleibt der Pfiff aus.
Dann in der 39. Minute ein katastrophaler Fehlpass von Blacha. Leweling kommt an den Ball, der spielt den völlig frei stehenden Hrgota an, der aus elf Metern sofort abzieht. Der Ball knallt gegen den linken Pfosten, wobei Kühn noch mit der rechten Fußspitze dran war und dem VfL die Führung rettete.
In der 43. Minute landet eine durch einen Pressschlag abgelenkte Ceesay-Flanke bei Wolze, der nicht lange fackelt und aus 22 Metern mit voller Wucht volley abzieht. Burchert kann den Ball gerade noch über die Latte lenken.

Assan Ceesay im Zweikampf gegen Paul Jäckel, Foto: imago images / Poolfoto; Michael Titgemeyer
Assan Ceesay im Zweikampf mit Paul Jäckel, Foto: imago images / Poolfoto; Michael Titgemeyer

Halbzeitfazit:

Der SpVgg Greuther Fürth gehörten die ersten Minuten des Spiels und der VfL ging etwas überraschend in Führung. Mitte der ersten Halbzeit übernahmen die Osnabrücker immer mehr das Kommando und ließen sich auch von Blachas kapitalem Fehler nicht verunsichern, zumal die Abwehr bis dahin sehr gut stand und nach vorne immer wieder Nadelstiche gesetzt werden konnten.

Tipp: Die Halbzeitgedanken, eine Melange aus Hintergrundinformation und Kommentar, erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Sie fallen hin und wieder recht knapp, manchmal aber auch sehr ausführlich aus. Wem das Lesen der Halbzeitgedanken zu mühselig und informativ ist: Ganz einfach weiter nach unten scrollen, dort geht es dann mit dem aktuellen Spielbericht weiter.

Halbzeitgedanken:
Sieht man von dem Erstliga-Ausrutscher 2012/13 ab, so gehört die SpVgg Greuther Fürth seit 1997 ununterbrochen der 2. Bundesliga an.
Übrigens trat die Fußballmannschaft der SpVgg Fürth 1905 zum ersten Mal in einheitlicher Kleidung mit dem berühmten Kleeblatt auf der Brust an. In den folgenden Jahren errangen die Kleeblätter sogar dreimal die deutsche Meisterschaft (1914 gegen den VfB Leipzig, 1926 und 1929 jeweils gegen Hertha BSC).
1996 trat die Fußballabteilung des TSV Vestenbergsgreuth der SpVgg Fürth bei. Der Verein erhielt im selben Jahr seinen aktuellen Namen SpVgg Greuther Fürth und hat heute etwa 2.500 Mitglieder.
Unter den Fans wird der Verein wegen des Kleeblatts im Vereinswappen und wegen des sperrigen Namens einfach “Kleeblatt Fürth” bezeichnet.
Fürth (128.000 Einwohner) liegt in unmittelbarer Nähe von Nürnberg (520.000), sozusagen keine acht Kilometer vom nordwestlichen Schatten der Burg entfernt. Dass der 1. FC Nürnberg in Fürth nicht besonders beliebt ist, liegt also in der Natur der Sache, da nützt auch nichts die sechs Kilometer lange gemeinsame Zugverbindung von 1835.

Abwegige Halbzeitgedanken:
Von den 50 Sitzen im Fürther Stadtrat fallen nach den Wahlen 2020 an die SPD 22, an die Grünen 10 und an die CSU 9. Linke und AfD haben je 3 Sitze, Freie Wähler 2 und FDP 1 – also ein völlig normales Ergebnis für Bremen, wenn Fürth nicht in Bayern läge.
Der gebürtige Fürther Ludwig Erhard (CDU) wird auch heute noch gern als Vater des “deutschen Wirtschaftswunders” und der “sozialen Marktwirtschaft” bezeichnet.
Dem kann man insofern beipflichten, als dass  Erhard dem damals dreizehnjährigen Autor dieser Zeilen 1965 in Bad Wiessee am Tegernsee einst ein Eis ausgegeben hat, weil dieser ihm die Tür des Mercedes 600 aufgehalten hatte, die zuzufallen drohte.

Beide Teams mit Wechseln zu Beginn der zweiten Halbzeit

Der VfL begann die zweite Hälfte mit Engel für Trapp. Die Fürther stärkten die Offensive, denn Keita-Ruel kam für Wittek und Green für Tillman.
Schon in der 53. Minute der nächste Wechsel: Blacha verließ leicht humpelnd den Platz, für ihn kam Schmidt aufs Feld.
Die ersten Minuten verliefen ruhig. Der VfL stand hinten nach wie vor gut sortiert und die Fürther sind wie schon im ersten Durchgang nur scheinbar feldüberlegen, denn die Lilahemden hatten weitestgehend die Kontrolle über das Spiel.
Dann schlug der VfL in der 58. Minute erneut zu. Und wie!
Der Ball landet mit dem zweiten Angriffsversuch bei Schmidt, der aus 25 Metern mit dem Außenrist den immer länger werdenden Ball auf halber Höhe direkt neben den rechten Pfosten ins Netz setzt. Auf jeden Fall das Tor des Tages.
Wenig später hat Ceesay sogar das 3:0 auf dem Fuß. Er kämpft sich mit viel Einsatz gegen zwei Fürther im Strafraum durch, gerät dabei durch Fremdeinwirkung leicht ins Straucheln und zieht knapp am linken Pfosten vorbei.
Auf der Gegenseite in der 64. ein Hammerschuss von Seguin aus fast 30 Metern, den Kühn noch mit ein oder zwei Fingernägeln an die Latte lenken kann. Der Tormann bot ohnehin eine tadellose Leistung.
In der 70. Minute scheitert Schmidt mit einem Flachschuss aus 15 Metern nur knapp an Burchert.
Auf der Gegenseite entwickelt sich eine verunglückte Flanke von Stefaniak zur Riesenchance für Fürth, doch der stets präsente Kühn schaufelt den Ball im letzten Moment im Rückwärtslaufen ins Aus.
Nachdem ein Tor von Gugganig wegen Abseits (wohl zurecht, aber nur durch astrophysikalische Berechnungen zu ermitteln) nicht gegeben wurde, brennt es erneut im Osnabrücker Strafraum. Erst landet ein Kopfball von Keita-Ruetel an der Latte und dann scheitert der Fürther im zweiten Versuch aus vier Metern ebenfalls per Kopfball am alles überragenden Kühn.
Fürth forderte kurz darauf wegen Handspiels einen Elfmeter, aber der Kölner Keller war dagegen. Viel passierte danach nicht mehr, sieht man vom Jubel der Osnabrücker beim Schlusspfiff ab.

Fazit:

Dem VfL gelang mit diesem verdienten Sieg der erste große Befreiungsschlag im Abstiegskampf. Die Fürther hatten zwar hin und wieder Pech im Abschluss, dreimal trafen sie Aluminium, aber der VfL hätte auch ein oder zwei Tore mehr erzielen können.
Das gesamte Auftreten der Mannschaft bot viel Grund zur Freude. Die einst beste Abwehr der zweiten Liga meldete sich jedenfalls eindrucksvoll zurück.
Aus einer insgesamt prima eingestellten und kämpferisch starken Mannschaft ragten Kühn und der “hyperaktive” Ceesay heraus.
Wenn der VfL das kommende Heimspiel am Freitag gegen Regensburg gewinnt, dürften die größten Abstiegssorgen zumindest für eine Weile in den Hintergrund rücken.

Zahlen, Daten & Fakten

Zuschauer: 200, davon 100 im Innenraum und 100 auf den Tribünen, weitere 100 Ordnungskräfte außerhalb des Stadions.

Tore:
1:0 Blacha (09.)
2:0 Schmidt (58.)

Gelbe Karten:
(03.) Raum
(21.) Trapp
(64.) Ouahim
(71.) Green
(84.) Schmidt

SpVgg Greuther Fürth: Burchert – Meyerhöfer, Jaeckel, Caligiuri, Wittek (46. Keita-Ruel) – Ernst, Seguin (69. Sarpei), Tillman (46. Green) – Leweling (69. Stefaniak), Hrgota, Raum
Trainer: Stefan Leitl

VfL Osnabrück: Kühn – Heyer, Gugganig, Trapp (46. Engel), Wolze  – Taffertshofer, Blacha (53. Schmidt) – Amenyido (62. Agu), Henning, Ouahim (82. Ajdini) – Ceesay
Trainer: Daniel Thioune

Schiedsrichter: Tobias Reichel (Stuttgart)

Statistik: Von nun insgesamt 16 Zweitligaspielen gewann der VfL fünf, Fürth acht und drei Partien endeten unentschieden. Zum letzten Mal hatte der VfL am 15.03.2009 gegen Fürth gewonnen, und das gleich 5:1 unter Trainer Pele Wollitz.

Hier geht es zur kompletten Statistik von “weltfussball.de“.

Tabellarisches

Der VfL fiel vor dem Spiel mit der Durchschnittsnote 3,32 auf den dritten Platz der Kickerformtabelle zurück, wohingegen die SpVgg Fürth mit der Schulnote 3,36 auf dem fünften Tabellenplatz stand.
Tatsächlich trat der VfL als Tabellendreizehnter des 27. Spieltags gegen den Achten aus Fürth an. Beide Teams trennten vor dem Spiel sieben Punkte voneinander.

 

Titelfoto: Foto: imago images / Poolfoto; Wolfgang Zink, Sportfoto Zink


Kalla Wefelhttps://kallawefel.info/
Kalla Wefel saß mit zwei Jahren zum ersten Mal auf der Trainerbank des VfL, und zwar auf dem Schoß seines Vaters „Doc“ Wefel, der 34 Jahre lang Mannschaftsarzt und Vorstandsmitglied war. Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Jupp Heynkes, Gerd Müller, Paul Breitner, Lothar Matthäus, Diego Maradona und Kalla Wefel hatten denselben Fußballtrainer, nämlich Udo Lattek, der einst bei Familie Wefel ein und aus ging. Diese und viele weitere skurrile, heitere und ernste Geschichten und Anekdoten um den VfL lassen sich in seinen Büchern „Mein VAU-EFF-ELL!“ und „111 Gründe, den VfL Osnabrück zu lieben“ nachlesen. Die von ihm 2010 mit viel Aufwand produzierte CD „Wir sind der VfL“ wurde 5.000 mal verkauft und der komplette Erlös (etwa 30.000 €) ging an terre des hommes. Seine VfL-Heimatabende sind legendär. Mit „Kär, Kär, Kär!“ schrieb er das nach der Bibel und „Mein Kampf“ meistverkaufte Buch Osnabrücks. Seit über vierzig Jahren arbeitet er professionell als Kabarettist, Musiker, Journalist und Autor.

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