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VfL Osnabrück siegt und dennoch: Auf Wiedersehen in der 3. Liga!

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Hasepost-Fußballreporter Hermann Schmidt berichtet vom Relegations- Rückspiel des VfL Osnabrück- FC Ingolstadt an der Bremer Brücke. Endlich konnten die Lila-Weißen wieder Leistung zeigen, noch dazu vor Publikum, doch es war zu spät.

Vor dem Spiel

Wer das Spiel des VfL Osnabrück beim FC Ingolstadt am Donnerstag gesehen hat, der kann sich kaum vorstellen, dass die Mannschaft von Trainer Markus Feldhoff am heutigen Sonntag das Blatt noch wenden kann. Woher sollen drei oder besser gar vier Tore herkommen, ohne ein Gegentor zu kassieren, um das drohende Unheil des Abstiegs zu vermeiden? Zu verhalten, zu mutlos, zu kraftlos, zu planlos, zu langsam wirkten die Aktionen des VfL in Ingolstadt, um den letzten Funken Hoffnung auf ein Wunder an der Bremer Brücke zu nähren. Wie soll ein Trainer seine Mannschaft auf die bevorstehende, schier unlösbare Aufgabe einstellen? Abwarten bei einem Rückstand von drei Toren, das geht nicht! Mit Mann und Maus stürmen: Das birgt die Gefahr, sich ein weiteres Tor einzufangen.

Ganz Fußball-Deutschland sieht heute noch einmal zu, wenn der VfL das letzte Spiel in der Saison bestreitet. Es geht darum, dass der VfL Osnabrück an diesem denkwürdigen Sonntag noch einmal die Qualitäten auf den Platz bringt, die ihn im Laufe seiner Vereinsgeschichte immer wieder ausgezeichnet haben und die an der Bremer Brücke Tradition sind: Kampf und Wille bis zum Umfallen. Abstieg hin oder her: Der VfL kann heute etwas gut machen, für seine Fans und vor den Zuschauern am Bildschirm.

Beim VfL fehlen der erneut verletzte Jay Roy Grot (Sprunggelenk), Ulrich Bapoh (Muskelfaserriss) und Luc Ihorst.  Der Trainer des FC Ingolstadt, Thomas Oral, muss auf seinen Stürmer Patrick Sussek (Mittelfußbruch) verzichten.

Für Beermann, Multhaup und Santos bietet Trainer Feldhoff heute Gugganig, Engel und Heider in der Startelf auf.

2:0 nach zwanzig Minuten!

Das Spiel beginnt bei frühsommerlichem Wetter vor 2000 Corona-negativ getesteten Zuschauern. Der VfL spielt in Lila, die Gäste treten in Weiß an. Taffertshofer jagt aus 40 m eine Granate knapp neben das Tor von Buntic und setzt einen ersten Akzent. Das macht Stimmung, beim Publikum- und auf dem Rasen. Da geht Ajdini auf dem rechten Flügel durch, flankt in den Strafraum und Marc Heider lenkt den Ball aus 5 m Entfernung über die Linie zum 1:0. Klasse gemacht, Lila-Weiß lebt wieder! In der ersten Viertelstunde ist der VfL überlegen, und es geht auf beiden Seiten gewaltig zur Sache. Das sieht ganz anders aus als beim Auswärtsspiel in Bayern. Schiedsrichter Stielers Pfeife läuft heiß. Und der VfL auch!  Kerk bedient in der 19. Minute Marc Heider, der mit dem linken Fuß zum 2:0 unhaltbar für Buntic abzieht. Unfassbar! Jetzt geht die Post ab. Das Publikum tobt. Das Feldhoff-Team ist überhaupt nicht wiederzuerkennen. Dreißig Minuten sind gespielt, und die gelegentlich als Werkself bezeichneten Ingolstädter haben noch nicht eine Torchance gehabt. Die folgt dann auf dem Fuß.

Dämpfer durch Bilbija

Eine Minute später flankt Kutschke von rechts auf Bilbija, der den Ball ins lange Toreck köpft: 2:1. Ernüchterung an der Bremer Brücke. Nun müssen drei weitere Tore her.  Die Gangart nimmt an Härte noch einmal zu. Der VfL spielt weiterhin gefällig. Amenyido bringt Ruhe ins Spiel, hält den Ball im Mittelfeld. Unmittelbar vor der Halbzeit foult Engel den Gästespieler Gaus vor dem Strafraum, der Freistoß landet in der Mauer.

Als Schiedsrichter Stieler zur Halbzeit pfeift, besteht noch Hoffnung für den VfL. Der Anschlusstreffer der Gäste allerdings schmälert die Möglichkeit auf ein Wunder deutlich. Der VfL Osnabrück hat wie die Feuerwehr begonnen. Erst nach einer halben Stunde kamen die „Schanzer“, die ihrem Namen auch unter Aspekten ihres Körpereinsatzes alle Ehre machen, ins Spiel. Die Frage ist, ob der VfL noch einen Zahn zulegen kann. In den ersten fünfundvierzig Minuten zeigte der VfL eine geschlossene Mannschaftsleistung mit einem überragenden Marc Heider.

Aufopferungsvoller Kampf des VfL, aber es reicht nicht

Die Frage ist, ob der VfL noch einmal die Kraft aufbringt, um das Unmögliche möglich zu machen. Der VfL drückt weiter. In der 48. Spielminute köpft erneut Heider einen Aufsetzer  auf das Tor der Gäste, den Buntic an den Pfosten lenkt.  In der 49. Minute tritt Krauße gegen Heider nach und erhält Gelb, was bei einem weniger nachsichtigen Schiedsrichter auch Rot hätte sein können.

Die Minuten verrinnen, nun bleiben noch dreißig Minuten für drei Tore. Amenyido verstolpert eine von links hereingegebene Flanke an der 16m Linie. Der VfL macht auf; Eckert Ayensa kann einen Konter nicht erfolgreich abschließen, dann ein zehnminütiger Daueransturm des VfL!

Heider ist der Mann des Spiels, egal was noch kommt. Er ackert hinten und stürmt vorne. Kühn macht die allererste Chance des Spiels für Kutschke zunichte, in dem er sich in dessen Schuss hineinwirft.

Feldhoff bringt nun Niklas Schmidt für Ajdini um die beiden Viererketten der Schanzer auf zu reißen. Der Druck auf die Schanzer nimmt zu. Kutschke kämpft im Catcherstil, lässt sich fallen und schindet Zeit. Kerks Freistoß knallt an den Pfosten, der Nachschuss von Reis streicht knapp am Tor vorbei.

In der 81. Minute setzt sich Amenyido gekonnt am 16m Raum durch und trifft zum 3:1 für den VfL.

Noch 9 Minuten und zwei Tore fehlen dem VfL! Ecke für den VfL, der Ball flutscht an drei Osnabrückern vorbei, wieder nichts.

Die Gäste bringen ihren Vorsprung über die Zeit. Und sie kommen sogar noch zu einem Lattenknaller von Röhl in der 90. Minute.

Die Relegation wurde in Ingolstadt verloren. Der VfL ist in die 3. Liga abgestiegen, obgleich das Team von Markus Feldhoff heute alles gegeben hat.

 

Zahlen und Daten

VfL Osnabrück- FC Ingolstadt 3:1 (2:1)

Sonntag, 30.5.2021, 13.30 Uhr, Stadion an der Bremer Brücke

Die Mannschaftsaufstellungen

VfL Osnabrück:

Philipp Kühn; Konstantin Engel (56. Maurice Multhaup), Lukas Gugganig 77. (Timo Beermann), Maurice Trapp, Kevin Wolze (77. Sebastian Müller); Bashkim Ajdini (68. Niklas Schmidt), Ludovit Reis, Ulrich Taffertshofer, Etienne Amenyido; Sebastian Kerk, Marc Heider.

FC Ingolstadt:

Buntic; Heinloth, Paulsen, Schröck, Franke; Krauße (53.Eckert-Ayensa); Bilbija (78. Röhl), Stendera, Gaus (69. Elva); Kaya (53. Kotzke), Kutschke (78. Beister).

Schiedsrichter:

Tobias Stieler (Hamburg)

VfL Osnabrück- FC Ingolstadt 3:1 (2:1)

Tore:

1:0 Marc Heider (6.)

2:0 Marc Heider (20.)

2:1 Bilbija (31.)

3:1 Etienne Amenyido (81.)

Gelbe Karten:

Etienne Amenyido (21.)

Ludovit Reis (33.)

Krauße (50.)

Sebastian Müller (84.) 

Die aktuelle Tabelle (Grafik aktualisiert sich fortlaufend)

Titelfoto: Torjubel zum 2:0 durch Marc Heider im Relegationsrückspiel gegen Ingolstadt; Foto: Revierfoto



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Hermann Schmidt
Hermann Schmidt beobachtet den Fußball an der Hase von der Elbe aus. In Hamburg war der gebürtige Hesse lange Zeit als Verlagsmanager tätig. Zwanzig Jahre lang hat er selbst gespielt, in der Jugend als Stürmer und danach als Vorstopper in seiner Heimat und beim BFC Südring (Berlin). Schmidt ist Autor zahlreicher Fußballbücher und Biografien. Die Buchveröffentlichungen „Legenden des FC St. Pauli“ und „Männer trinken kein Fanta“ sind im Jahr 2020 erschienen. Zu seinen Lieblingsclubs gehören neben dem VfL auch Holstein Kiel, der FC St. Pauli und der 1.FC Köln.

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