Bremer Brücke VfL Osnabrück: 1:1! Der VfL holt in der 93....

VfL Osnabrück: 1:1! Der VfL holt in der 93. Minute einen verdienten Punkt bei Arminia Bielefeld …

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Nur wenn der Ball rollt, rollt auch der Rubel …

Eins vorweg: Ein nie aufgebender VfL holte in einem auch unter normalen Umständen merk- wie denkwürdigen Spiel in der letzten Minute zurecht einen Punkt, auch wenn die Arminia während der gesamten 94 Minuten die spielerisch überlegene Mannschaft war.
Und was die extra eingeführten Corona-Regeländerungen angeht: Einfach die “Endzeitgedanken” in der Rubrik “Halbzeitgedanken” lesen. Danke.

Die Leere im ausverkauften Stadion ist schier unerträglich …

… die Alm war heute auch ohne Zuschauer ausverkauft und selbst der im Hinspiel durchgezogene Stimmungsboykott der Ultras hätte wohl für nahezu prickelnde Atmosphäre gesorgt. Und wenn man sich schon vor dem Spiel nach dem dämlichen Schmähgesang “Lila-weiße Affenscheiße” der einfallslosen Arminen-Fans vom Hinspiel zurücksehnt, dann ist da etwas völlig aus dem Ruder geraten im deutschen Coronenfußball, und zwar komplett und womöglich sogar endgültig.
Fußball sei wegen der einfachen Regeln die beliebteste Sportart der Welt, heißt es immer wieder.
Was für ein Quatsch!
Dann wäre ja selbst Golf beliebter.
Fußball ist einzig und allein wegen der einmaligen Zuschaueratmosphäre so beliebt und weil David von den Zuschauern so angetrieben werden kann, dass er Goliath ganz klein aussehen lässt. In den nächsten Tagen in einem Kommentar mehr dazu, hier geht es nun in erster Linie um das rein Sportliche.

Bielefeld mit Klos und alle mit Kloß im Hals
Daniel Thioune sagte auf der Pressekonferenz: „Arminia ist aktuell die beste Zweitliga-Mannschaft.“ Mannschaften wie Stuttgart, Hamburg, Hannover und Nürnberg seien für ihn gefühlte Erstligisten. Also das sagte Daniel schon bei der PK vor dem Hinspiel und wiederholte es vorgestern, denn es hat bis heute nichts an Gültigkeit verloren.
Fabian Klos, der erfolgreichste Torschütze der Bielefelder, war dieses Mal nicht gesperrt und stand in der nur auf einer, eben seiner, Position gegenüber dem Hinspiel veränderten Startelf der Bielefelder. So etwas nennt man mit Fug und Recht ein eingespieltes Team.
Der VfL war hingegen gegenüber dem Montagsspiel vom 07.10.19 gleich auf zig Positionen verändert. Positiv formuliert: Der VfL ist eben flexibler.
Andererseits holte die Arminia in der Rückrunde bislang 17 Punkte, der VfL gerade mal drei aus acht Partien, sodass der Vorteil einer Stammelf geradezu ins Auge springt – zumindest dann, wenn das vorhandene Spielermaterial eine solche überhaupt zulässt.

Ein Anpfiff ließ sich nicht verhindern …

Anstoß hatte der VfL. Die größte Überraschung war sicherlich, dass Ceesay in der Startelf stand. Die ersten Minuten begannen von beiden Mannschaften recht verhalten, sieht man von dem ein oder anderen Vorstoß der Arminen ab, in deren Reihen der Ball zunächst runder lief als beim VfL, der aber ordentlich dagegenhielt.
Ein Foul von Prietl an Schmidt an der Mittellinie wird nicht geahndet und kurz darauf eine Fastchance für den VfL durch eine scharfe Ajdini-Flanke von rechts.
Bis dahin gab es kaum nennenswerte Torgelegenheiten.

Elfmeter für die Arminia

In der 16. Minute holt Jos van Aken den heranstürmenden Fabian Klos von den Beinen: Ein völlig unnötiges Foul. Klos verlädt Kühn eiskalt mit einem knallharten Schuss in die linke Ecke. Der VfL wird nach dieser durchaus nicht unbedingt verdienten Führung sogar besser und lässt weiterhin kaum Chancen der Arminen zu.
Nach einem Foul von Brunner an Agu zieht Schmidt den Ball über die Mauer, der nur knapp am linken Pfosten vorbeigeht. In der 40. Minute erneut ein Nadelstich durch die Osnabrücker: Heider flankt von links auf Ceesay, der das Kunstleder mit einem gefälligen Flugkopfball über das Tor setzt.
Die letzten Minuten der ersten Halbzeit zeigt der VfL, dass er sich noch nicht aufgegeben hat.

Die Bielefelder Alm ohne Fans...
Die Bielefelder Alm ohne Fans…

Halbzeitfazit:

Die spielerisch überlegene Arminia führt dank eines vermeidbaren Elfmeters 1:0. Der VfL war zwar stets bemüht, aber auch die Arminia brachte trotz gefälligen Spiels außer dem Elfmeter nicht viel zustande. 0:2 Ecken für den VfL sind immerhin ein Indiz dafür, dass der VfL nicht nur verteidigen musste, auch wenn die Angriffsaktionen der Lila-Weißen gegenüber denen der Arminia etwas unkoordinierter wirkten.

Tipp: Die Halbzeitgedanken, eine Melange aus Hintergrundinformation und Kommentar, erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Sie fallen hin und wieder recht knapp, manchmal aber auch sehr ausführlich aus. Wem das Lesen der Halbzeitgedanken zu mühselig und informativ ist: Ganz einfach weiter nach unten scrollen, dort geht es dann mit dem aktuellen Spielbericht weiter.

Halbzeitgedanken:
Die Arminia aus Bielefeld wurde am 3. Mai 1905 gegründet und hat mehr als 12.000 Mitglieder. Die Fahrstuhlmannschaft zwischen allen Ligen hofft seit elf Jahren auf die Rückkehr in die erste Liga, was ihr dieses Jahr gelingen dürfte. Die extrem wechsel- und auch skandalbehaftete Geschichte der Arminia lässt sich bei Wikipedia gut nachverfolgen.

Dazu gehörende Halbzeitgedanken:
Bielefeld
hat etwa 333.000 Einwohner, ist also unwesentlich größer als Wiesbaden, dafür aber lange nicht so schön wie die hessische Landeshauptstadt, aber geschenkt.
Seit Fertigstellung der A 33 braucht man zwar keine 40 Minuten mehr, doch da Osnabrück längst über ein eigenes IKEA verfügt, ist der letzte Grund, nach Bielefeld zu fahren, ohnehin hinfällig.
Seit 2009 ist Pit Clausen von der SPD Oberbürgermeister. Da erst in diesem Jahr wieder Stadtratswahlen sind, dürften die Ergebnisse von 2014 nicht sonderlich aufschlussreich bezüglich des aktuellen Wahlverhaltens sein. Die Ergebnisse zur Europawahl vom Mai 2019 sind da in Prozenten schon aussagekräftiger: 28,1 Grüne, 21,7 CDU, 18,8 SPD, 7,7 AfD, 6,6 Linke, 5,5 FDP, Die Partei 3,2.

Abschweifende Halbzeitgedanken vom Hinspiel:
In der Halbzeitpause beim Hinspiel unterhielt ich mich mit meinem Sitznachbarn auf der Pressetribüne der Bremer Brücke. Es handelte sich um den Essener Jürgen Jansen, 58, der für den DFB als Schiedsrichter-Coach und -Beobachter unterwegs ist. Er hatte zwischen 1993 und 2005 nicht nur 143 Bundesligaspiele geleitet, sondern auch 1998 Oliver Kahn beim Derby der Bayern gegen 1860 (4:2) die einzige knallrote Karte seiner Laufbahn gezeigt. Einen besseren und sympathischeren Berater bei Schiedsrichterentscheidungen konnte ich mir damals als Sitznachbarn also kaum wünschen.
Irgendwann fragte er mich, wie viele Pyrostangen ich im Arminen-Block gesehen hätte. Es waren an einer Stelle zwölf, ich sagte instinktiv acht. Warum? Ich finde Pyro zwar ziemlich blöde, die Strafen dafür aber noch sehr viel blöder.

Endzeitgedanken …
Für den Rest der Saison sind nun fünf statt drei Auswechslungen erlaubt. Damit sollen die Spieler wegen des dicht gedrängten Kalenders entlastet werden, heißt es. Durchgeführt werden dürfen diese Wechsel in der Pause und bei weiteren drei Gelegenheiten während der Spielzeit. Damit soll verhindert werden, dass Trainer zum Beispiel in der Schlussphase mit vielen Auswechslungen auf Zeit spielen. Wie man allerdings verhindern will, dass ein Team zum Beispiel fünf Feldspieler innerhalb von zwei, drei Minuten austauscht, bleibt im Unklaren.
Auch ausgelassenes gemeinsames Jubeln nach einem Torerfolg ist verboten. Laut DFL-Hygiene-Konzept sind Umarmungen und Abklatschen zu unterlassen, Ellbogen- und Fußkontakt hingegen coronagemäß. Was für ein unfassbarer Quatsch: Als ob die Spieler sich während des Spiel nicht ohnehin “zu nahe” kommen.
Die exzessiven Jubelarien, die gestern die Spieler von Hertha BSC in Sinsheim vollzogen haben, dürften also noch Folgen haben. Man darf gespannt sein, was der DFL noch alles einfällt, um selbst den Spielern den Spaß am Fußball zu vermiesen.
Geisterspiele sind der schleichende Tod der beliebtesten Sportart der Welt, so aufregend wie ein Konzert von André Rieu im Stadtpark von Bad Nauheim. Und ich bin dabei!

Beide Teams begannen die zweite Hälfte mit unveränderter Aufstellung

Die ersten fünfzehn Minuten begannen wie die letzten der ersten Hälfte. In der 52. Minute wird Schmidt von Ceesay ins Spiel gebracht und das klare Foul von Seuffert wird nicht geahndet. Man fragt sich bei solchen Aktionen unwillkürlich, wie solche Vorfälle in einem vollen Stadion bewertet werden würden.
In der 56. Minute schlägt Ortega einen weiten Abschlag auf Yabo, der nicht lange fackelt und aufs Osnabrücker Tor schießt. Kühn kann den Ball mit einer tollen Parade abwehren.

Der VfL nun gleichwertig

Der VfL führt in der 60. Minute mittlerweile mit 4:0 Ecken und 5:4 Torschüssen, dennoch scheinen die Bielefelder das Spiel besser zu kontrollieren, zumal ihre Pässe stets den Mitspieler finden.
Doch auch der VfL zeigt in der 70. Minute spielerische Qualitäten, ein tolles Anspiel von Schmidt an Ceesay, der nur in letzter Sekunde am Abschluss gehindert werden kann. Das wäre der Ausgleich gewesen. Die Arminia wechselte mittlerweile dreimal und der VfL verstärkte mit der Einwechslung von Álvarez und Henning die Angriffsbemühungen.
Kühn zeichnete sich nach einem Flachschuss aus 20 Metern von Prietl aus. In der 81. Minute kommt Ceesay trotz Bedrängnis immerhin zu einem Kopfball, der für Ortega allerdings kein Problem darstellt.

Hektische Schlussphase

In der Schlussphase gab es ein Hin und Her. Der VfL musste aufmachen und Bielefeld lauerte auf den spielentscheidenden Konter. Thioune schickte Girth, Amenyido und Pulido aufs Feld. 6:0 Ecken für den VfL und die Arminia verteidigt mit zehn Spielern im Strafraum. Der VfL schnürt die Bielefelder wie beim Handball für eine kurze Phase regelrecht ein, doch alle Bemühungen scheinen umsonst. Und dann doch noch der verdiente Lohn:
Pulido flankt in den “überfüllten” Strafraum, Ortega faustet den immer länger werdenden  Ball gegen den rechten Innenpfosten, der springt von dort zurück in den Strafraum und landet im Gewühl bei Álvarez, der das Runde aus sechs Metern, ohne lange zu fackeln, ins Eckige hämmert.
Die anschließenden Jubelarien der Osnabrücker verstießen bestimmt gegen die DFL-Regularien, waren aber mehr als verständlich, und ein erfreulicher Abschluss eines unerfreulichen Anlasses.

Quo vadis, VfL?

Das war schon wegen der unsäglichen äußeren Bedingungen kein sehr attraktives Spiel, aber durchaus ein Stückchen unterhaltsamer, als es zu befürchten war.
Bielefeld bewies die spielerische Qualität eines Aufsteigers in spe, der VfL wehrte sich aber tapfer, holte verdient am Ende einen Punkt und muss dennoch weiterhin aufpassen, das immer dünner werdende Punktepolster aus der Hinserie nicht vollends zu verschenken. Es gibt nicht mehr allzu viele Mannschaften, die der VfL hinter sich lassen kann, zumal auch ein Teil der Mitkonkurrenten gepunktet hat.
Das 1:1 beim Tabellenführer und die kämpferische Leistung lassen allerdings hoffen.

Zahlen, Daten & Fakten

Zuschauer: 200, davon 100 im Innenraum und 100 auf dem Tribünen, weitere 100 Ordnungskräfte außerhalb des Stadions.

Tore:
1:0 Klos (17.)
1:1 Álvarez (90. + 3)

Arminia Bielefeld: Ortega – Brunner, Pieper, Nilsson, Hartherz – Suefert (72. Kunze), Prietl – Clauss (60. Soukou), Hartel, Yabo (72. Voglsammer) – Klos
Trainer: Uwe Neuhaus

VfL Osnabrück: Kühn – Heyer, van Aken, Trapp, Agu (84. Amenyido) – Taffertshoder (74. Henning), Blacha – Ajdini (83. Pulido), Schmidt (86. Girth), Heider (74. Álvarez) – Ceesay
Trainer: Daniel Thioune

Schiedsrichter: Harm Osmers (Hannover)

Gelbe Karten:

(20.) Brunner
(33.) Yabo

Statistik:
Die ersten Aufeinandertreffen der beiden Clubs fanden bereits ab 1906 statt, als der VfL noch FC Osnabrück 1899 hieß.
In der Nachkriegszeit gab es bislang 33 Begegnungen. Der VfL gewann davon sechsmal, die Arminia 13-mal und 14-mal endeten die Partien unentschieden.
Hier geht es zur kompletten Statistik von “weltfussball.de“.

Tabellarisches

Sensation! Der VfL hält zum ersten Mal seit ewigen Monaten nicht mehr den zweiten Platz in der Kickerformtabelle und rutscht nach der Wehen-Katastrophe auf Platz drei (Note 3,31). Die Arminia steht völlig zurecht und uneinholbar auf Platz eins mit der Note 2,99.
Tatsächlich trat der VfL als Tabellenzwölfter des 25. Spieltags gegen den Tabellenführer aus Bielefeld an. Beide Teams trennten sage und schreibe 22 Punkte voneinander.

 


Kalla Wefelhttps://kallawefel.info/
Kalla Wefel saß mit zwei Jahren zum ersten Mal auf der Trainerbank des VfL, und zwar auf dem Schoß seines Vaters „Doc“ Wefel, der 34 Jahre lang Mannschaftsarzt und Vorstandsmitglied war. Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Jupp Heynkes, Gerd Müller, Paul Breitner, Lothar Matthäus, Diego Maradona und Kalla Wefel hatten denselben Fußballtrainer, nämlich Udo Lattek, der einst bei Familie Wefel ein und aus ging. Diese und viele weitere skurrile, heitere und ernste Geschichten und Anekdoten um den VfL lassen sich in seinen Büchern „Mein VAU-EFF-ELL!“ und „111 Gründe, den VfL Osnabrück zu lieben“ nachlesen. Die von ihm 2010 mit viel Aufwand produzierte CD „Wir sind der VfL“ wurde 5.000 mal verkauft und der komplette Erlös (etwa 30.000 €) ging an terre des hommes. Seine VfL-Heimatabende sind legendär. Mit „Kär, Kär, Kär!“ schrieb er das nach der Bibel und „Mein Kampf“ meistverkaufte Buch Osnabrücks. Seit über vierzig Jahren arbeitet er professionell als Kabarettist, Musiker, Journalist und Autor.

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