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Alles prima am neuen Flughafen Berlin? Für die NOZ offensichtlich schon….

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Wenn Sie Ihre Zeitung lesen, dann erwarten Sie sicherlich fundiert recherchierte Nachrichten, denn immerhin kostet so eine Tageszeitung Geld – oder wenn es um die Onlineausgabe geht auch “nur” Ihre Aufmerksamkeit für die begleitende Werbung, mit der schliesslich eine Redaktion bezahlt werden soll. Was aber, wenn Sie statt redaktioneller und journalistischer Arbeit nur Werbemitteilungen zu lesen bekommen?

Reichlich erstaunt war der Autor dieser Zeilen, als er soeben einen äusserst positiven Bericht über den neuen Berlin-Brandenburger Flughafen Willy Brandt gelesen hatte.
Ja stimmt denn nicht, was kurz zuvor noch die Berliner Lokalzeitungen berichteten, dass bei den Probeläufen für die Inbetriebnahme am 3. Juni noch viele Fehler passierten und zur Eröffnung womöglich ein Chaos zu erwarten sei (Berliner Morgenpost vom 15.04.)?
Und was ist mit der immer noch nur vagen Ankündigung der Bahn, “nun doch noch” neue Züge für den Airport-Express zu bekommen (Berliner Morgenpost vom 22.03.)? Was solche Aussagen in der Praxis wert sind hat der Bahnkunde ja schon häufiger erleben dürfen. Was, wenn es mit den Zügen doch nicht klappt? Eine Fahrt mit dem Taxi wird in Zukunft deutlich teurer – denn nicht zuletzt ausweislich seines Namens ist der Berliner Flughafen bereits ein “Brandenburger”, und damit ordentlich weit vor den Stadtgrenzen angesiedelt.
Der alte Flughafen Tegel hatte zwar keinen Bahnhof, war aber in direkter Innenstadtnähe – was viele Geschäftsreisende in der Zukunft schwer vermissen dürften.

Gegenüberstellung PR-Text und NOZ-Artikel

Aber scheinbar wird mit dem neuen Berliner Flughafen alles gut, denn offenbar weiß meine Lokalzeitung (die NOZ) mehr?!
Laut eines aktuellen Artikels der NOZ ist der neue Flughafen “optimal vernetzt” und statt den von Fachleuten erwarteten Problemen in der Abfertigung, berichtet die NOZ über ein Weiterreisen, das “noch komfortabler” sein soll.
Zudem wird der neue Flughafen BER (das wird gleich zu Beginn betont) “dreimal täglich” angeflogen. Doch das ist eigentlich keine Neuigkeit, denn auch der alte Flughafen Tegel (TXL) wird in gleicher Regelmässigkeit durch Air Berlin erreicht. Und wie eine kurze Recherche im Internet zeigt, verändern sich nicht einmal die Flugzeiten beim Umzug von TXL zu BER.

Um es aufzuklären – der kleine Hinweis “pm” über dem Artikel deutet schon darauf hin – es ist “nur” ein PR-Artikel des Regionalflughafens FMO, der leicht gekürzt und mit immerhin dem ergänzenden Satz “das teilt der Flughafen mit” versehen wurde.
Na ja, ist halt PR (oder auch schlichtweg als redaktioneller Beitrag getarnte Werbung) mag manch einer denken, ist das so schlimm?
Wenn Sie daraufhin ihren nächsten Urlaub planen und “vielleicht” im Juni eine chaotische Eröffnung erleben, dann schon!
Angesichts der (zumindest in Berlin) bekannten Probleme mit dem neuen Flughafen hätte man doch etwas mehr erwarten können… oder nicht?!
Grundsätzlich ist gegen die Weiterverbreitung von PR-Texten auch nichts zu sagen, aber doch bitte entweder angereichert um ein paar zusätzliche Infos – insbesondere wenn das “Objekt” der Berichterstattung gerade mächtig in der Kritik steht – oder deutlich(er) als PR-Mitteilung gekennzeichnet.
Einfach nur “Abschreiben”, das ist spätestens seit dem Fall des Dr. Guttenberg bekannt, ist in Zeiten des Internets niemals eine gute Strategie!

HP

PS: hier das “Ausgangsmaterial” im Vergleich zum “Artikel” der NOZ (so wie am 17.04. online verfügbar) —> PDF-Download.

Nachtrag, 17.04., 08:00: es geht nicht darum, dass Unternehmen (hier der FMO) nicht über Neuigkeiten berichten sollen, und selbstverständlich kann und soll die Presse (wobei ich hier auch die Blogger zuzähle) derartige Meldungen aufnehmen und aufbereiten. Wenn aber diese “Aufnahme” oder “Aufbereitung” nur aus “Abdrucken” besteht, und dabei auch noch aktuelle Entwicklungen (hier das drohende Chaos zur Erföffnung) nicht beachtet werden, dann wird es kritisch; zumindest wenn der einzige Hinweis auf die Quelle lediglich aus einem kryptischen “pm” besteht.

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Heiko Pohlmann
Heiko Pohlmann gründete die HASEPOST 2011 unter dem Titel "I-love-OS". Die Titelgrafik der HASEPOST trägt dieses ursprüngliche Motto weiter im Logo. Die Liebe zu Osnabrück treibt Heiko Pohlmann als Herausgeber und Autor an. Neben seiner Tätigkeit für die HASEPOST zeichnet der diplomierte Medienwissenschaftler auch für zwei mittelständische IT-Firmen als Geschäftsführer verantwortlich.

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