Ein neues medizinisches Angebot für wohnungslose Menschen sorgt in Osnabrück für Hoffnung – und gleichzeitig für Ärger. Während die neue Straßenambulanz des SKM und der Bürgerstiftung seit Kurzem im Einsatz ist, entbrennt eine Diskussion über politische Vereinnahmung durch die Grüne Ratsfraktion.
Hilfe direkt auf der Straße
Die Idee hinter der mobilen Ambulanz ist einfach: Ein Team aus ehrenamtlich arbeitenden Ärztinnen und Ärzten behandelt obdachlose und suchtkranke Menschen dort, wo sie sind. Die Initiatoren verweisen darauf, dass rund zwei Drittel der Menschen auf der Straße psychisch oder suchtkrank seien und oft ohne Krankheitseinsicht schwer erreichbar wären. Die mobile Versorgung soll diese Lücke schließen – niedrigschwellig, schnell und direkt vor Ort.
Finanzierung durch Spenden
Für Medikamente wurde ein Spendentopf eingerichtet. Kooperierende Apotheken verzichten auf ihren Verdienst. Zudem sammelt die Bürgerstiftung aktuell 100.000 Euro für einen eigenen Behandlungs-Bulli und übernimmt die laufenden Kosten. 76.000 Euro davon wurden bereits erreicht.
Aufregung um ein Facebook-Posting
Ein Facebook-Posting der Grünen Ratsfraktion Osnabrück sorgte am 22. November für Aufmerksamkeit. Darin berichtete die Fraktion über den Start der Straßenambulanz, hob die Bedeutung des Projekts hervor und verwies auf den Runden Tisch Obdachlosigkeit, den die Grünen ins Leben gerufen hätten. Auch wurde das Engagement der Grünen-Politikerin Anke Jacobsen hervorgehoben.

Distanzierung der Träger
Die Bürgerstiftung Osnabrück und die Soziale Dienste SKM gGmbH widersprechen jedoch entschieden dem Eindruck, das Projekt habe parteipolitische Ursprünge. In ihrer Stellungnahme heißt es, in sozialen Medien kursierten Beiträge, in denen „ein Ratsfraktion den Eindruck erweckt, Initiatorin oder Trägerin des Projekts zu sein“. Die Organisationen betonen, diese Behauptungen seien falsch.
„Die Straßenambulanz ist eine gemeinsame Initiative der Bürgerstiftung Osnabrück, des Soziale Dienste SKM gGmbH – getragen vom Engagement vieler Osnabrücker Bürgerinnen und Bürger, Ärztinnen und Ärzte sowie Unternehmen“, betont Ulrike Burghardt, Vorsitzende des Vorstands der Bürgerstiftung. „Wir verurteilen jeden Versuch, dieses rein humanitäre Projekt für politische Zwecke zu instrumentalisieren.“
Auch Dr. Cornelia Völckers, die das Projekt maßgeblich initiiert und aufgebaut hat, stellt klar: „Unser Ziel ist und bleibt die medizinische Versorgung von Menschen, die auf der Straße leben – unabhängig von politischer Zugehörigkeit oder parteilichen Interessen.“
Endspurt für das Spendenziel
Trotz der Debatte rückt eines in den Mittelpunkt: Die Straßenambulanz braucht Unterstützung. Die restlichen knapp 24.000 Euro sollen bis Jahresende zusammenkommen. „Wir bitten alle Osnabrückerinnen und Osnabrücker, das Projekt weiter zu unterstützen – mit Spenden oder ehrenamtlichem Engagement. Jeder Beitrag zählt und hilft direkt dort, wo Hilfe dringend gebraucht wird“, so Burghardt.
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