Start Bremer Brücke Verdiente 0:1 Niederlage des VfL Osnabrück gegen Arminia Bielefeld

Verdiente 0:1 Niederlage des VfL Osnabrück gegen Arminia Bielefeld

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Bielefeld ohne Klos, die Ultras mit Kloß im Hals

Daniel Thioune sagte auf der Pressekonferenz am Freitag: „Arminia ist aktuell die beste Zweitliga-Mannschaft.“ Mannschaften wie Stuttgart, Hamburg, Hannover und Nürnberg seien für ihn gefühlte Erstligisten.
Dass Fabian Klos, der erfolgreichste Torschütze der Bielefelder, wegen einer gelb-roten Karte gesperrt war, sah Thioune als kein Handicap für die Arminia an, da diese breit aufgestellt sei und auch unter Druck jederzeit andere Lösungen parat habe.
Neben Nils Körber fehlte beim VfL vor allem immer noch Anas Ouahim, jemand, der dem Spiel die notwendige Kreativität und Struktur verleihen kann und jederzeit für überraschende Aktionen gut ist.
Die Brücke war ausverkauft und auch für den angekündigten Stimmungsboykott der Ultras hatte Thioune die passende Antwort parat: Thioune: „Das Thema ist bekannt. Ich kann diese Haltung nachvollziehen. Sie stehen für die Werte ein, die sie vertreten.“

Die Atmosphäre vor einem Derby ist immer etwas Besonderes

Dass heute Großkampftag an der Brücke war, konnte man schon anderthalb Stunden vor Spielbeginn bemerken: Insbesondere mit Bierdosen bewaffnete junge Männer strömten erwartungsfroh in Richtung Ostkurve. Eine revolutionäre Geschäftsidee, die die Höhle der Löwen zum Plüschtierzoo degradiert hätte, hatte ein findiger Mensch, der in der Nähe der ehemaligen Gaststätte Hüggelmeyer mit einem großen Einkaufswagen von Aldi stand, in dem sich bereits um die 150 Dosen befanden und der sich wie von selbst fast im Sekundentakt weiter füllte.


Als die Mannschaften um 19.50 Uhr den Rasen betraten, war das Schweigen der Ultras zum ersten Mal beendet. Die volle  Gästekurve skandierte einfältig „Lila-weiße Osnabrücker Scheiße!“. Die Ost hielt „Auf geht´s, Osna! Kämpfen und siegen!“ dagegen. Als dieser strunzblöde Schlachtgesang der Bielefelder kurz vor Spielbeginn wiederholt wurde, antwortete das ganze Stadion mit der VfL Hymne, was die Bielefelder Fans im Nu lächerlich aussehen ließ. Auf den Sitztribünen wurden Tausende kleine Fahne geschwenkt und auf den Stehplätzen Tausende Schals hochgehalten. Hier regierte vor dem Spiel der VfL.

Das Schweigen der Ultras war nur vor dem Spiel ziemlich laut

Die ersten Minuten begannen von beiden Mannschaften recht verhalten. Die Bielefelder Fans nutzten zunächst die Lärmhoheit gegenüber der Ostkurve und zündeten ständig ein oder zwei Pyrostangen, die allerdings in den Farben von Rot-Weiß Essen leuchteten.

Die Mannschaft von Arminia Bielefeld jubelt vor dem eigenen Fanblock, die Fans von Arminia Bielefeld haben Bengalos gezündet; Foto: Imago images / Joachim Sielski
Die Mannschaft von Arminia Bielefeld jubelt vor dem eigenen Fanblock, die Fans von Arminia Bielefeld haben Bengalos gezündet; Foto: Imago images / Joachim Sielski

In der 7.  Minute dann der erste gute Angriff der Arminia. Clauss wurde rechts im Strafraum angespielt, fackelte nicht lange und zog wuchtig aus dem Lauf heraus ab. Der Ball streifte knapp am rechten Pfosten vorbei.
In der 8. Minute verpasste Klaas nach Anspiel von Amenyido das 1:0. Eine jener Chancen, die man gern als hundertprozentig bezeichnet. Das Stadion stand jedenfalls Kopf.
Bielefeld erhöhte ab der 10. Minute den Druck und wenig später kombinierten Soukou und Hartherz im Osnabrück Strafraum fast nach Lust und Laune, doch konnte der Angriff wie auch die anschließende Ecke entschärft werden.
Die Arminia war bis dahin das spielerisch stärkere Team, zwar ergaben sich immer wieder kleinere Chancen für den VfL, doch die weit besseren Möglichkeiten hatte Bielefeld.

Die Arminia die überlegene Mannschaft

In der 25. Minute dann die bisher größte Chance für die Arminia. Wobei die Abwehr des VfL in dieser Phase des Spiels nicht sehr sattelfest wirkte. Pieper spielte von rechts Clauss an, der vom 16er aus flach in den Strafraum spielte, dort kam Soukou an den Ball, der von Agu gestört wurde und der Ball rauschte nur wenige Zentimeter am linken Pfosten vorbei. In der 31. Minute Gelb für Clauss nach grobem Foul an Taffertshofer.
Die letzte Viertelstunde gab es auf beiden Seiten kaum noch nennenswerte Chancen.

Halbzeitfazit:

Der VfL war zwar stets bemüht, aber auch die Arminia brachte trotz gefälligen Spiels nicht viel zustande. 5:1 Ecken sprachen allerdings eine deutliche Sprache für die Arminia.

In der Halbzeitpause unterhielt ich mich mit meinem Sitznachbarn auf der Pressetribüne. Es handelte sich um den Essener Jürgen Jansen, 58, der für den DFB als Schiedsrichter-Coach und -Beobachter unterwegs ist. Er hatte zwischen 1993 und 2005 nicht nur 143 Bundesligaspiele geleitet, sondern auch 1998 Oliver Kahn beim Derby der Bayern gegen 1860 (4:2) die einzige knallrote Karte seiner Laufbahn gezeigt. Einen besseren und sympathischeren Berater bei Schiedsrichterentscheidungen kann man sich als Sitznachbarn also kaum wünschen.

Sebastian Klaas und Kevin Wolze im Zweikampf mit Cedric Brunner (Bielefeld); Foto: imago images / Joachim Sielski
Sebastian Klaas und Kevin Wolze im Zweikampf mit Cedric Brunner (Bielefeld); Foto: imago images / Joachim Sielski

Beide Teams begannen die zweite Hälfte mit unveränderter Aufstellung

Die ersten 12 Minuten begannen wie die letzten der 1. Hälfte. Dann in der 57. Minute ein Foul vor dem Bielefelder Strafraum an Heider. Der Pfiff blieb aus, weil Schiri Markus Schmidt zum Erstaunen vieler Fachleute einen Vorteil für den VfL gesehen hatte. Eine höchst unglückliche Entscheidung, denn Arminia kam an den Ball. Der beste Bielefelder Clauss nahm eine lange Flanke perfekt an, spielte auf Voglsammer weiter, der den Ball aus etwa zehn Metern unhaltbar unter die Latte hämmerte.
Dann beim VfL ein Wechsel in der Offensive: Álvarez kam in der 60. Minute für den etwas enttäuschenden Klaas ins Spiel. Doch der VfL wackelte weiterhin und man hatte hin und wieder das Gefühl, die Bielefelder hätten einen Mann mehr auf dem Platz gehabt. Daniel Thiounes Aussage, die Arminia sei der beste Zweitligist, wurde eindrucksvoll bestätigt.

Hektische Schlussphase

Das Spiel  wurde auf beiden Seiten härter.  Taffertshofer erhielt in der 74. Minute nach Foul an Hartherz Gelb. In derselben Minute der zweite Wechsel beim VfL.  Für van Aken kam Ajdini und bei Bielefeld Schütz für den leicht angeschlagenen Clauss sowie Staude für Edmundsson ins Spiel. Dann eine Riesenchance für Bielefeld als Soukou nach einem Abwehrfehler des VfL frei vor Kühn auftauchte, der allerdings bravourös parierte.
In der 89. Minute Gelb für Gugganig und in der 90. Minute fiel dann nicht das 0:2, da der Videobeweis ein klares Foul sah. Dafür erhielt Amenyido nach einer Notbremse Rot.

Quo vadis, VfL?

Das war zwar kein sehr schönes, aber schon wegen des engen Spielstands ein stets spannendes Spiel. Bielefeld bewies spielerische Qualität. Dem VfL fehlte der Zug nach vorn und er muss nun aufpassen, nicht in den Tabellenkeller zu rutschen, denn auch die nächsten Spiele haben es in sich: Am Sonntag, den 20. Oktober um 13.30, geht es nach Hannover zu den wiedererstarkten 96ern, dann kommt Fürth und bevor am 9.11. der VfB Stuttgart an der Brücke antritt, muss der VfL nach Regensburg.
Der Abstiegskampf hatte eigentlich schon am 1. Spieltag begonnen. Die Realität holt nun allmählich auch die Optimisten ein, die von einem ungefährdeten Klassenerhalt oder gar von einem Durchmarsch geträumt hatten. Bielefeld ist dabei kein Maßstab, es gibt genügend andere Teams, die der VfL hinter sich lassen kann. Für mich gilt: Wir schaffen das!

Hier geht es zur Pressekonferenz nach dem Spiel.

Zuschauer: 15.800, davon 1.580 aus Bielefeld
Tore: 0:1 Voglsammer (57..)

VfL: Kühn – Heyer, Gugganig, van Aken (75. Ajdini) – Agu, Taffertshofer, Blacha (87. Friesenbichler), Wolze – Amenyido, Heider, Klaas (60. Álvarez)

Arminia Bielfeld: Ortega – Hartherz, Nilsson, Pieper, Brunner – Hartel (88. Salger), Prietl, Edmundsson (83. Staude) – Voglsammer, Soukou, , Clauss (79. Schütz)

Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart)

Die aktuelle Tabelle:

Kalla Wefelhttps://kallawefel.info/
Kalla Wefel saß mit zwei Jahren zum ersten Mal auf der Trainerbank des VfL, und zwar auf dem Schoß seines Vaters „Doc“ Wefel, der 34 Jahre lang Mannschaftsarzt und Vorstandsmitglied war. Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Jupp Heynkes, Gerd Müller, Paul Breitner, Lothar Matthäus, Diego Maradona und Kalla Wefel hatten denselben Fußballtrainer, nämlich Udo Lattek, der einst bei Familie Wefel ein und aus ging. Diese und viele weitere skurrile, heitere und ernste Geschichten und Anekdoten um den VfL lassen sich in seinen Büchern „Mein VAU-EFF-ELL!“ und „111 Gründe, den VfL Osnabrück zu lieben“ nachlesen. Die von ihm 2010 mit viel Aufwand produzierte CD „Wir sind der VfL“ wurde 5.000 mal verkauft und der komplette Erlös (etwa 30.000 €) ging an terre des hommes. Seine VfL-Heimatabende sind legendär. Mit „Kär, Kär, Kär!“ schrieb er das nach der Bibel und „Mein Kampf“ meistverkaufte Buch Osnabrücks. Seit über vierzig Jahren arbeitet er professionell als Kabarettist, Musiker, Journalist und Autor.

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