# Zwischen Musik und Stille: Menschen in der Marienkirche Osnabrück gedenken der Opfer des NS-Terrors Datum: 27.01.2026 13:10 Kategorie: Aktuell URL: https://www.hasepost.de/um-nicht-zu-vergessen-gedenkfeier-der-st-marienkirche-osnabrueck-fuer-euthanasie-opfer-des-nationalsozialismus-680416/ --- Alle Bänke der Marienkirche in Osnabrück waren am Dienstag (27. Januar) besetzt. Anlass war der 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz – zugleich der offizielle Gedenktag für die Opfer des nationalsozialistischen Regimes. ## Jährlicher Gottesdienst zum Gedenken Wie in jedem Jahr fand in der Marienkirche ein Gedenkgottesdienst für die geistig behinderten, sinnesgeschädigten und psychisch kranken Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft statt. Veranstaltet wurde er von der HHO, der Caritas, der Hilfe für hörgeschädigte Menschen Osnabrücker Verein, der Lebenshilfe Osnabrück, dem AMEOS, der AWO sowie dem Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Osnabrück. ### Musik, die berührt Für die musikalische Gestaltung sorgte der Matthäus-Chor Osnabrück unter der Leitung von Kai Lünnemann. Bereits zu Beginn des Gottesdienstes zeigte sich, wie sehr die Musik die Anwesenden bewegte – einige Besucherinnen und Besucher waren sichtlich zu Tränen gerührt. Gemeinsam gesungen wurde unter anderem das Lied „Heal the World“, das den Wunsch nach einer besseren und gerechteren Welt für alle Menschen ausdrückt. Der gesamte Gottesdienst wurde zudem von Anna Voß und der Auszubildenden Luisa Hildebrandt in Gebärdensprache gedolmetscht. ### Erinnern an die Opfer der „Euthanasie“ Die von den Nationalsozialisten beschönigend als „Euthanasie“ bezeichneten Morde – oft als „schöner Tod“ verklärt – kosteten unzähligen Menschen das Leben. Zum Gedenken an die Opfer dieser unrechtmäßigen Tötungen sowie an alle, die den Mut haben, sich gegen Ausgrenzung zu stellen, wurden im Gottesdienst Kerzen entzündet. Eine Schweigeminute und ein in leichte Sprache übersetzter Bibelvers waren ebenfalls Teil des Gedenkens. ### Kintsugi als Symbol der Erinnerung Ein zentrales Leitmotiv der Gedenkfeier war die Kintsugi-Methode. Dabei werden zerbrochene Keramikstücke mit goldenem Kleber wieder zusammengesetzt – Bruchstellen bleiben sichtbar und machen das Objekt einzigartig. Diese Metapher wurde auf persönliche und gesellschaftliche Erinnerungen übertragen: Auch schmerzhafte Erfahrungen und historische Verbrechen lassen sich nicht ungeschehen machen, können aber bewusst erinnert und in Verantwortung für die Gegenwart eingebettet werden. „Narben sind bei jedem von uns anders, sie machen uns einzigartig“, hieß es im Gottesdienst. Die Geschichte könne nicht rückgängig gemacht werden. Umso wichtiger sei es, die Erinnerung an das unsägliche Leiden so vieler Menschen wachzuhalten und daraus den Auftrag abzuleiten, sich heute für Inklusion und gegen Ausgrenzung einzusetzen. Denn, so eine zentrale Botschaft des Tages: „Vergangenheit bleibt, ist da.“ --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück