Ein bewegender Dokumentarfilm, auf der Berlinale 2018 preisgekrönt, ein passender Aufführungstermin: Am diesjährigen Deutschen Hospiztag, Sonntag, dem 14. 10. 2018, wird um 11 Uhr in einer Sonderveranstaltung im Cinema Arthouse der Dokumentarfilm „Überall wo wir sind“ von der Filmemacherin Veronika Kaserer gezeigt, der auf eine ebenso eindringliche wie eindrucksvolle Art das Sterben eines jungen Mannes zeigt.

Das Besondere an der Veranstaltung: Sie wird präsentiert vom Osnabrücker Hospizverein sowie von der im Landkreis Osnabrück aktiven Initiative Spes Viva – und mit den beiden verwaisten Eltern, die der Film ebenso begleitet, sind die Hinterbliebenen selbst zu Gast und stehen im Anschluss für Diskussionen und Fragen zur Verfügung. Er sei ja kein Held, sagt der Vater Jürgen Lekutat in einer der bewegendsten Szenen dieses Films. Da ist gerade klar geworden, dass sein an Krebs erkrankter Sohn Heiko den Rest seines kurzen Lebens in einer Art Delirium verbringen wird, wenn er die von ihm gewünschte Medikation bekommt. Und dass der Augenblick eines bewussten Abschieds genau jetzt gekommen ist. Dem Vater kommen da die Tränen – einmal, kurz, von seinem immer so lebensmutigen und so offen schicksalszugewandten Sohn tadelnd ausgezischt, sackt er in die Verzweiflung, fängt sich aber wieder.

Ein Film über das Sterben und die Trauer

Später sind in diesem Film die Eltern bei der Gartenarbeit zu sehen, ein großes aus Blumen und Farben gestecktes Herz mit dem Namen Heiko ist überall präsent. Es wird spürbar: Heiko ist überall dabei, die Familie ist in Trauer, aber sie ist es bewusst. Und sie sind sehr wohl Helden: Helden des Lebens. Ein Film über das Sterben, ein Film über Trauer, ein eindrucksvolles Dokument eines Lebens und seines Endes – das ist Veronika Kaserers „Überall wo wir sind“.

„Überall wo wir sind“
(v.l): Karin Lekutat, Jürgen Lekutat, Veronika Kaserer, Sonja Lekutat Foto: Daniel Seiffert

„Der Film kommentiert nicht, erklärt nicht, er zeigt nur.“

Zugleich ist es ein Film, der sich seinem schwierigen Thema auf respektvolle Weise anzunähern versteht, wie der Osnabrücker Trauerbegleiter Thomas Achenbach auf seinem Blog „Trauer ist Leben“ schreibt: „Dass der Film sich bei aller gezeigten Intimität in Zurückhaltung üben kann, dass er ohne jede Voyeursaufdringlichkeit daherkommt und dass er sein ernstes Thema nicht mit einem einem ständig die Dramatik betonenden Off-Sprecher oder mit einem pathosgeschwängerten Bombastsoundtrack untermalt, sondern einer unaufdringlichen und selten präsenten Filmmusik, sind seine großen Verdienste. Der Film kommentiert nicht, erklärt nicht, er zeigt nur. Und das macht ihn so wertvoll.“

„Überall wo wir sind“ erhielt „Kompass-Perspektive-Preis“ auf der Berlinale 2018

Filmemacherin Veronika Kaserer erhielt bei der Berlinale 2018 den „Kompass-Perspektive-Preis“ für den besten Beitrag des Programms. Eine besondere Ehre auch deswegen, weil sie viel eigenes Geld in den Dreh des Filmes gesteckt hatte, wie sie es Thomas Achenbach in einem für seinen Blog geführten Interview schildert: „Die Entscheidung, meiner Intuition zu folgen und mit dem Dreh anzufangen, hat sich am Ende als die Richtige rausgestellt. Eine kleine Künstlerförderung aus Italien unterstützte die ersten Drehtage, den Rest habe ich selbst mit meinem Ersparten finanziert.“

Im Anschluss an die Filmvorführung wird es ein moderiertes Publikumsgespräch geben. Karten und Reservierungen sind möglich unter Tel. 0541/600650 oder unter www.cinema-arthouse.de.

Mehr zum Film unter diesem Link: https://trauer-ist-leben.blogspot.com/2018/04/ein- eindrucksvoller-dokumentarfilm-uber.html