Start Osnabrück Trotz Pokalniederlage gegen Leipzig: Osnabrücker feiern großartigen VfL

Trotz Pokalniederlage gegen Leipzig: Osnabrücker feiern großartigen VfL

Lila-Weiße begeistern trotz knapper Niederlage

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Die Brücke war pickepacke voll. Für mich ist es das Stadion der grandiosen Pokaltriumphe, hier wurden „unbesiegbare“ Teams wie der BVB oder der HSV mit Niederlagen nach Hause geschickt. Und wer solche Spiele live erlebt hat, wird sie niemals vergessen. Fragt Tosho Todorovic

Die mit breiter Brause-Brust (ein verächtlicher Gruß geht an „Bauer sucht Frau“) angereisten Leipziger mussten wegen einer Sitzblockade Osnabrücker Fans vor der Nordkurve über den Westen nach Osnabrück einreisen. Begrüßungsgeld gab es keins.
Im Stadion herrschte eine wunderbare Stimmung, allen Unkenrufen zum Trotz flogen keine Gegenstände auf den Rasen und die Ouvertüre „Olé, olé, olé, olé! Wir sind die Osnabrücker, wir sind immer da“, war heute ein ganzes Stück lauter als sonst.


Hektische Anfangsphase


Der VfL agierte von Anfang recht aggressiv, störte früh und kam in der 4. Minute nach hektischem Kampf in der Hälfte der Leipziger zur ersten hart erarbeiteten Großchance durch Heider.
Drei Minuten später fiel das 0:1. Nach einem fatalen Fehlpass von Wolze landete der Ball bei Poulsen, der Nkunku bediente. Dessen Schuss aus 25 Metern ließ Körber abprallen. Werners Nachschuss aus kurzer Distanz konnte der Osnabrücker Torwart gerade noch abwehren, doch den Abpraller verwandelte Sabitzer ins linke Eck.
„Das war es also“, dachten sicherlich schon viele, doch der VfL war da ganz anderer Meinung und sorgte postwendend für den Ausgleich: David Blacha flankte nach Einwurf von links auf den zweiten Pfosten. In Torraumhöhe stand Etienne Amenyido vollkommen frei und staubte aus fünf Metern ab.
Die Brücke stand Kopf.
Die Partie blieb immer etwas hektisch. Beide Mannschaften spielten mit offenem Visier und der bärenstarke VfL konnte die erste halbe Stunde völlig ausgeglichen gestalten.
In der 19. Minute hätte der VfL sogar fast die Führung erzielt: Blacha spielte einen Traumpass auf Agu, der den Ball in den Sechzehner zog, wo Heider den Ball allerdings verpasste.

Etienne Amenyido (VfL) im Duell mit Konrad Laimer (RB Leipzig); Foto: Nordphoto / imago
Felix Agu (VfL) im Duell mit Konrad Laimer (RB Leipzig); Foto: Nordphoto / imago

In der 22. Minute die nächste gute Chance für den VfL. Wolze flankte, Amenyido setzte sich im Torraum durch, doch landete sein Kopfball in den Händen von Mvogo.
Der VfL kämpfte leidenschaftlich und war RB in jeder Hinsicht ebenbürtig.

Doppelschlag

In der 29. Minute ließ Werner den VfLer Gugganig auf dem linken Flügel stehen und flankte in den Strafraum. Der freistehende Poulsen köpfte aus zehn Metern aufs Tor. Körber klärte reaktionsschnell, doch der Ball prallte direkt vor die Füße von Klostermann und dessen Schuss zum 1:2 war nur noch Formsache.
Ganze zwei Minuten später, in der 31. Minute also, fiel das 1:3. Poulsen legte in Strafraumhöhe rechts auf Sabitzer ab und der schoss aus 12 Metern an den linken Innenpfosten, von dem der Ball ins Tor sprang.

Die Stimmung im Stadion und auch das Spiel des VfL blieben auf hohem Niveau und in der 43. Minute wäre sogar fast der Anschlusstreffer gefallen. Der Ball flog nach Flanke von Agu durch den Strafraum, der am zweiten Pfosten lauernde Wolze schoss direkt aufs Tor. Mvogo konnte den Ball im letzten Moment per Fußabwehr klären.
Zur Halbzeit verabschiedeten die Zuschauer die Mannschaft mit aufmunterndem Beifall. Kein Wunder, denn nach dem 1:1 war der VfL immer besser ins Spiel gekommen, zwar hatte Leipzig die Tore erzielt, doch hätte es auch anders herum kommen können.

Die zweite Hälfte gehörte dem VfL

Wenn nun einige mit einem Einbruch des VfL gerechnet hätten, wären sie bitter enttäuscht worden. Immer wieder erarbeitete sich der VfL Chancen, steckte nie auf und war bei allen Kontermöglichkeiten der Leipziger stets einem Anschlusstreffer näher. Heider war fast an allen erarbeiteten Chancen dabei, aber die Leipziger Abwehr konnte dem stärker werdenden Druck standhalten
Für Leipzig kamen in der 55. Minute Haidara für Nkunku und in der 70. Saracchi für Laimer ins Spiel.
Auch Thioune reagierte und wechselte in der 70. Minute Àlvarez für Konrad ein. Und wie immer: Mit Àlvarez kam neuer Schwung in die Partie (den Satz werde ich als Textbaustein wohl speichern müssen).

Spannung bis zum Schluss

In der 73. Minute dann Elfmeter für den VfL (einer der wenigen nachvollziehbaren Handelfmeter der letzten Jahre). Amenyido will den Ball im Strafraum an Klostermann vorbeiziehen, doch das Leder trifft den Leipziger Spieler am sichtbar abgewinkelten rechten Oberarm.
Àlvarez versenkt den Ball eiskalt ins rechte untere Eck. Mvogo ist zwar fast dran, aber der Schuss war zu platziert.
Die Brücke geriet nun aus den Fugen und das 3:3 lag mehrmals in der Luft. Die Partie wurde härter und so erhielten Taffertshofer und Konate zurecht gelbe Karten, wobei Schiedsrichter Tobias Stieler bis dahin ohnehin sehr großzügig gepfiffen hatte.

Marcel Sabitzer (RB Leipzig) im Duell mit Marc Heider (VfL); Foto: Nordphoto / imago
Marcel Sabitzer (RB Leipzig) im Duell mit Marc Heider (VfL); Foto: Nordphoto / imago

Der VfL drängte auf den Ausgleich und es entwickelte sich ein ähnlich offener Schlagabtausch wie zu Spielbeginn. Thioune wollte jede Chance wahren und wechselte in der 85. Minute Girth für den Torschützen Amenyido und Friesenbichler für Gugganig ein.

Bis zur letzten Sekunde war dem VfL der unbändige Siegeswille anzusehen, das Spiel stand nach dem Elfmeter auf des Messers Schneide. Doch alle Bemühungen – Körber hatte in den letzten Minuten sogar das Tor verlassen und stürmte mit nach vorn – waren umsonst.
Umsonst?
Umsonst war gar nichts, denn diese Mannschaft spielt sich immer mehr in die Herzen der Zuschauer. Sie liefert regelmäßig den Fußball ab, den man in Osnabrück sehen will. So können selbst Niederlagen – wenn auch keinen Spaß machen – so aber doch die Fanseele zutiefst erwärmen.
Der VfL verlor letztendlich unglücklich, war über 90 Minuten dem Gegner ebenbürtig und lässt auf eine sehr viel entspanntere Zweitligasaison hoffen, als einige geargwöhnt hatten.

Das nächste Spiel findet am Montag, den 19.08. um 20.30 Uhr an der Bremer Brücke gegen den SV Darmstadt statt. Die Hasepost ist wie immer dabei.

 

Kalla Wefelhttps://kallawefel.info/
Kalla Wefel saß mit zwei Jahren zum ersten Mal auf der Trainerbank des VfL, und zwar auf dem Schoß seines Vaters „Doc“ Wefel, der 34 Jahre lang Mannschaftsarzt und Vorstandsmitglied war. Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Jupp Heynkes, Gerd Müller, Paul Breitner, Lothar Matthäus, Diego Maradona und Kalla Wefel hatten denselben Fußballtrainer, nämlich Udo Lattek, der einst bei Familie Wefel ein und aus ging. Diese und viele weitere skurrile, heitere und ernste Geschichten und Anekdoten um den VfL lassen sich in seinen Büchern „Mein VAU-EFF-ELL!“ und „111 Gründe, den VfL Osnabrück zu lieben“ nachlesen. Die von ihm 2010 mit viel Aufwand produzierte CD „Wir sind der VfL“ wurde 5.000 mal verkauft und der komplette Erlös (etwa 30.000 €) ging an terre des hommes. Seine VfL-Heimatabende sind legendär. Mit „Kär, Kär, Kär!“ schrieb er das nach der Bibel und „Mein Kampf“ meistverkaufte Buch Osnabrücks. Seit über vierzig Jahren arbeitet er professionell als Kabarettist, Musiker, Journalist und Autor.



 

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