# Theater Osnabrück triumphiert mit Schrekers „Der ferne Klang“ Datum: 16.05.2025 08:00 Kategorie: Aktuell URL: https://www.hasepost.de/theater-osnabrueck-triumphiert-mit-schrekers-der-ferne-klang-596732/ --- Mit Franz Schrekers selten gespielter Oper „Der ferne Klang“ wagt das Theater Osnabrück unter der Regie von Jakob Peters-Messer einen beherzten Griff in die Schatzkiste der musikalischen Moderne – und triumphiert mit einer Inszenierung, die ebenso betörend wie verstörend wirkt. ## Intensives Klang- und Bildertheater Schrekers Werk, 1912 uraufgeführt, ist ein vielschichtiges Psychodrama über Sehnsucht, Selbstverwirklichung und den Preis der Kunst. In Osnabrück wird daraus ein intensives Klang- und Bildertheater, das die emotionale und psychologische Tiefe des Stücks freilegt und seine Relevanz für die Gegenwart eindrucksvoll unter Beweis stellt. Herzstück der Inszenierung ist das Bühnenbild von Guido Petzold: erst geometrischer Quader, dann mondäne Revuebühne und schließlich theatrales Trümmerfeld. Dieser Wandel ist mehr als nur Kulisse – er spiegelt den inneren Zerfall der Figuren wider, den Verlust von Orientierung und Wirklichkeit. Die Kostüme von Angela Schuett – changierend zwischen Jugendstil und Alltag – unterstreichen diese Brüche stilistisch exzellent. Susann Vent-Wunderlich und Heiko Börner in der Oper „Der ferne Klang“. / Foto: Bettina Stöß ### Gesanglich herausragendes Paar Gesanglich brilliert Susann Vent-Wunderlich als Grete mit klarer, kraftvoller Stimme. Sie verleiht der Figur eine berührende Verletzlichkeit. An ihrer Seite überzeugt Heiko Börner als Fritz, der rastlos dem „fernen Klang“ nachjagt – ein Komponist zwischen Rausch und Realität, getrieben vom Traum absoluter Kunst. Seine Bühnenpräsenz ist durchdringend, sein Gesang expressiv und nuanciert. ### Hotz bringt Schrekers Musik zum Leuchten Die Musikalische Leitung liegt in den Händen des scheidenden Generalmusikdirektors Andreas Hotz, der mit dem Osnabrücker Symphonieorchester eine klanglich dichte und farbenreiche Interpretation vorlegt. Zwischen opulenter Klangfülle und fein ziselierter Transparenz gelingt ihm eine Balance, die Schrekers Musik zum Leuchten bringt. „Der ferne Klang“ ist in Osnabrück nicht nur ein Opernabend, sondern ein Erlebnis – ein Blick in die zerrissene Seele der Moderne, ein Werk im Spannungsfeld von Traum, Kunst und Wirklichkeit. Dass diese Oper so selten gespielt wird, ist ein Versäumnis – das diese Produktion mit Nachdruck korrigiert. --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück