Selbstverständlich „kann“ das Theater Osnabrück „Musical“, doch mit „The Addams Family“, das am Samstag Premiere hatte, kann das Theater Osnabrück sich auch für breitere Publikumsgeschichten öffnen.

Mit  „The Addams Family“ gibt es einen „skurrilen Musikspaß“ (Theater-Eigenwerbung), der nicht nur Broadway-Erprobt ist, sondern auch aktuell als Gastspiel in Wien, Berlin und München gegeben wird. Doch wer das Musical außerhalb von Osnabrück sehen will, muss mit Eintrittspreisen zwischen rund 50 und 100 Euro (Beispiel Berlin), rechnen, während an der Hase tatsächlich noch Kartenpreise von unter 30 Euro (ohne Ermäßigung) möglich sind. Und dafür bekommt der Osnabrücker Theatergänger einen unterhaltsamen Abend geboten! 

Theater Osnabrück, The Addams Family
Studierende des Instituts für Musik der Hochschule Osnabrück.

Zwei ganz unterschiedliche Familien treffen aufeinander

In Andrew Lippas Musicalversion ist die Addams-Tochter Wednesday (Lasarah Sattler, fehlen leider die typischen Zöpfe) erwachsen geworden. Über beide Ohren ist sie verliebt in den hübschen, intelligenten Lucas (herrlich naiv: Felix Freund) und kommt über kurz oder lang nicht daran vorbei, diesen und dessen Familie der ihren vorzustellen. Doch stellt sie das vor eine enorme Aufgabe, denn ihre Familie ist bekanntlich etwas anders als andere Familien. Dazu stammt Lucas noch aus einer sehr respektablen Familie. Bei diesem „Kennenlern“-Abendessen sollen zwei Welten aufeinandertreffen, die unterschiedlicher nicht sein können.

The Addams Family
Mark Hamman IST Onkel Fester und Studierende des Instituts für Musik der Hochschule Osnabrück.

Manchmal doch mehr Theater als Musical

Eindeutige Publikumslieblinge war am Premierenabend Mark Hamman, dem die Rolle des Onkel Fester buchstäblich auf den Leib geschneidert zu sein scheint. Jan Friedrich Eggers spielt den Familienvater Gomez Addams hervorragend, schrammte im gesanglichen Bereich allerdings teils oft hart an der Operette vorbei.
Das sehr zurückhaltende Bühnenbild und der Umstand, dass beliebte Charaktere wie Cousin Itt und Eiskaltes Händchen nur ganz am Rande Berücksichtigung fanden, lies leider manche Chance ungenutzt ein wenig mehr Musical-Flair zu zaubern.
Der zweite Akt wirkte durch seine Episodenhaftigkeit ein wenig wie aus dem Stück gefallen, was dem insgesamt positiven Premierenabend allerdings keinen Abbruch tat.
Tadellos die Tanzeinlagen von Studierenden der Hochschule Osnabrück und die im Hintergrund agierende „Addams Band“, die ebenfalls von Osnabrücker Studierenden und Studenten aus Detmold besetzt ist.
Die Musikalische Leitung liegt beim 2. Kapellmeister An-Hoon Song, Regie führt der junge Regisseur Felix Seiler.

Fotos: Theater Osnabrück, Jörg Landsberg

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