Foto: Marktplatz einer Kleinstadt (Aschersleben), über dts

Berlin (dts) – Anders als in den Wochen nach der Bundestagswahl vielfach behauptet, wird die Kluft zwischen Stadt und Land in Deutschland nicht größer: Das ist das zentrale Ergebnis einer noch unveröffentlichten Studie des Thünen-Instituts für ländliche in Braunschweig, über die die“ F.A.Z. Woche“ (Freitag) in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet. Die Lebensbedingungen haben sich demnach sogar in mehreren wichtigen Bereichen angenähert: Bei den verfügbaren Einkommen, der Ganztagsbetreuungsquote und der Arztdichte haben die ländlichen Regionen seit der Jahrtausendwende aufgeholt. Untersucht haben die Forscher zwölf Indikatoren aus den Bereichen Wirtschaft, Soziales, Daseinsvorsorge und Infrastruktur.



Dabei ging es ihnen um die Einschätzung des Gesamtbildes, in einzelnen Landstrichen kann die Entwicklung also abweichen. Die Untersuchung zeigt, dass Menschen in Stadt und Land sich in einigen Punkten stark ähneln: Die Lebenserwartung und die Wahlbeteiligung unterscheiden sich demnach kaum. Wirtschaftlich steht die Stadtbevölkerung etwas besser da, die Arbeitsproduktivität, die Steuerkraft und die Einkommen ist in den Ballungszentren höher. „Im Beobachtungszeitraum hat sich der Abstand allerdings jeweils nennenswert verringert“, schreiben die Autoren Patrick Küpper und Jan Cornelius Peters. Die Arbeitslosenquote auf dem Land ist sogar niedriger und zuletzt schneller gesunken als in den nicht-ländlichen Gebieten. Gegenläufige Tendenz gibt es dagegen bei den Schulabbrechern, die auf dem Land vergleichsweise mehr geworden sind. Eine Befragung des Instituts bricht zudem mit einem anderen verbreiteten Klischee: Die Menschen auf dem Land sind keineswegs frustriert und unglücklich. Im Schnitt sind sie mit ihrem Leben genauso zufrieden wie die Stadtmenschen.