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Es war schon irgendwie eine seltsame Idee, die da im August vergangenen Jahres mit viel Tamtam und einer eigens im historischen Rathaus einberufenen Pressekonferenz vorgestellt wurde. So seltsam, dass die Osnabrücker – die sonst immer gerne und reichlich spenden – da nicht mitmachen wollten.

Man wollte (O-Ton der Ideengeber) „den Stau in Osnabrück für einen guten Zweck reduzieren“. Mit dabei und immer ganz vorne wenn es um Pressefotos ging: Stadtbaurat Frank Otte.
Nur wollte der nicht etwa eine der zahlreichen in seinem Verantwortungsgebiet liegenden Baustellen aufgeben oder gar eine Abkehr von der Neumartksperrung verkünden, stattdessen sollten, so die Verkehrs-Neuplaner von „Mobile Zukunft“, ganz „viele“(!!) kleine Projekte die gewünschte Spendensumme zusammenbringen.
So wirklich „viele“ Projekte wurden es aber nicht und ausgerechnet die Osnabrücker Handwerker sorgten dafür, dass am Monatsende doch noch eine fünfstellige Spendensumme auf den Scheck an das Kinderhilfswerk kommt.


„Eigentlich“ sollten bis zum 31. Januar 2018 insgesamt 40.571 Euro zusammenkommen. Der wohl im Kopfrechnen starke Stadtbaurat rechnete flink vor, dass dies bei aktuell 81.138 angemeldeten PKW bei einer Zahl von circa 170.000 Einwohner, ein „Einsatz“ von 50 Cent pro PKW ausmachen würde.

Wie sollte durch Spenden der Stau verringert werden?

Nur leider brachte all das Kopfrechnen und der mediale Einsatz des beliebten Stadtbaurats nicht viel – obgleich sicher viele Osnabrücker auch mehr als die erhofften 50 Cent gezahlt hätten, wenn den wenigstens auf ganz konventionelle Weise – durch schnellere Bauarbeiten zum Beispiel – die Staus in Osnabrück abgenommen hätten.

Stattdessen sollten zum Beispiel 600 Euro dadurch erreicht werden, dass der oberste Repräsentant Osnabrücks, Wolfgang Griesert  als Gegeleistung für die sechs Spenden-Hunderter – einen Tag seine Dienstgeschäfte mit dem Rad erledigen würde. Maue 120 Euro kamen dafür bislang zusammen, und von Wolfgang Griesert war auch nur wenig Begeisterung zu vernehmen, zukünftig verschwitzt oder durchnässt bei offiziellen Angelegenheiten auftauchen zu müssen. Da halfen auch die aufmunternden Worte im Kommentarfeld zur Challenge von SPD-Verkehrsexperte Heiko Panzer „OB aufs Rad, doppelt gut“ nichts. Da Heiko Panzer selbst auch gerne mit seinem japanischen Kleinwagen zu Rats- und Ausschusssitzungen anrauscht, wo er schön trocken in der Altstadtgarage parkt, dürfte dieser wohl Verständnis für die Zurückhaltung des OB haben.

Der VfL wollte VIP-Autofahrer per Ablass Spende zu „autofrei“ deklarieren

Aber auch anderswo lief es nicht rund. So wurde beim Pressetermin im August der VfL, vertreten durch Geschäftsführer Jürgen Wehlend, ein wenig voreilig als Beispiel für die gute (geplante) Tat präsentiert. Der VfL wollte beim Spiel gegen Würzburg einen „autofreien Spieltag“ veranstalten. Wobei „autofrei“ schon irgendwie mißverständlich war. Tatsächlich sollten lediglich 300 VIP Parker auf freiwilliger Basis um eine Spende von 5 Euro gebeten werden und Wehlend selbst wollte mit dem E-Bike zur Bremer Brücke anreisen. So wirklich „autofrei“ wäre das – von Wehlend abgesehen – ja nicht gewesen…

wie weit würdest Du gehen
Stadtbaurat Frank Otte, Jörg Angerstein (terre des hommes), Jürgen Wehlend (VfL) und Dr. Stephan Rolfes (Stadtwerke Osnabrück AG) im August 2017
Rund einen Monat nach Ankündigung des (irgendwie) autofreien Spieltages wurde auf der VfL-Homepage eine Absage an die Aktion verkündet, da nicht näher definierte „organisatorische“ Gründe dem entgegen stehen würden.
Auf Nachfrage unserer Redaktion erklärte VfL Marketingleiter Sebastian Rüther diese Woche: „Die Aktion wurde ins neue Jahr verschoben. Ein neuer Termin steht allerdings noch nicht fest.“

Terre des Hommes gesteht verfehltes Ziel ein

Auch Terre des Hommes und die Stadtwerke wurden von uns befragt, wie denn nun der Stand dieser Aktion, knapp drei Wochen vor dem zum Monatsende Januar geplanten Ende sei. Für das Kinderhilfswerk antwortet Pressesprecher Wolf-Christian Ramm: „Das Ziel von 40.571 Euro wird bis Januar 2018 voraussichtlich nicht mehr erreicht. Wir sind uns bewusst, dass nicht alle Spendenziele, die sich unsere Unterstützer gesetzt haben, erreicht werden. Dies ist auch auf unserer Homepage erkennbar. Trotzdem freuen wir uns über die zahlreichen Spenden, die im Rahmen von „Wie weit würdest Du gehen?!“-Challenges gesammelt werden.“

Ausgerechnet die Handwerker – auf die kann man sich verlassen!

Tatsächlich, so Pressesprecher Ramm, wurden bislang als größere Summe lediglich 12.150 Euro verbucht. Möglich machte dies ausgerechnet die Rad-Challenge des Osnabrücker Handwerks, ein Berufsstand, der ganz besonders unter der Stau-Situation in Osnabrück zu leiden hat und den die Auswirkungen des von Teilen der Lokalpolitik befürworteten Diesel-Fahrverbots besonders hart treffen wird.

Gerne hätten wir auch Stadtbaurat Frank Otte gefragt, wie er zum Scheitern dieser symbolischen Anti-Stau-Aktion steht und ob er vielleicht aus eigener Tasche die noch fehlenden knapp 28.000 Euro spenden möchte?
Doch der Stadtbaurat teilte unserer Redaktion bereits im vergangenen Sommer mit sehr deutlichen Worten mit, dass er es ablehnen würde der HASEPOST Auskünfte zu erteilen; also haben wir es gelassen.
Aber vielleicht füllt sich der Spendentopf ja noch? Bis Ende Januar ist noch Zeit. Der Stau in der Hasestadt wird dadurch aber sicherlich nicht weniger – die Welt aber ein Stückchen besser, denn an der Hilfe von terre des hommes gibt es nichts zu kritisieren!

Hier, direkt bei terre des hommes, kann jederzeit gespendet werden.