# So machen Osnabrücker Forscher eine 3.000 Jahre alte Kultstätte digital erlebbar Datum: 10.08.2025 08:00 Kategorie: Aktuell URL: https://www.hasepost.de/so-machen-osnabruecker-forscher-eine-3-000-jahre-alte-kultstaette-digital-erlebbar-621787/ --- Ein internationales Team rekonstruiert einen eisenzeitlichen Tempel bei Jerusalem – per 3D-Modell und App. Die Forschung eröffnet neue Einblicke in die Antike und erhält 520.000 Euro Förderung. ## Eine Tempelanlage mit Geschichte Ein antiker Tempel, verborgen unter der Erde nahe Jerusalem, gibt Einblicke in die religiöse Praxis und Architektur der Eisenzeit – und wird nun virtuell zum Leben erweckt. Seit über einem Jahrzehnt erforscht ein internationales Team unter Leitung der Universität Osnabrück und der Universität Tel Aviv die eisenzeitliche Kultstätte von Tel Moẓa. Das Projekt wird nun mit rund 520.000 Euro vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur sowie der VolkswagenStiftung für drei weitere Jahre gefördert. ### Von der Schnellstraße zur Sensation Entdeckt wurde der Tempel durch eine Rettungsgrabung im Vorfeld des Baus einer neuen Schnellstraße nach Tel Aviv. Er liegt nur sieben Kilometer nordwestlich von Jerusalem und wird auf die Zeit zwischen 1.000 und 600 v. Chr. datiert. Die damalige Entdeckung durch Shua Kisilevitz und Kolleginnen und Kollegen der israelischen Altertumsbehörde war ein archäologischer Glücksfall – und markierte den Beginn intensiver, internationaler Forschungsarbeit. ### „Ein direkter Einblick in die Kultpraxis der Eisenzeit“ „Diese Tempelanlage ist deshalb so bedeutsam, weil sie uns einen direkten Einblick in die Architektur sowie die Kultpraxis der Eisenzeit geben kann. Die literarischen Zeugnisse können somit durch die archäologischen Funde überprüft werden“, erklärt Dr. Anselm Hagedorn, Professor für Altes Testament und Antikes Judentum an der Universität Osnabrück. Seit 2019 arbeiten Hagedorn und Dr. Florian Oepping mit Prof. Dr. Oded Lipschits und Dr. Shua Kisilevitz von der Universität Tel Aviv eng zusammen. Auch die Karls-Universität Prag und die Universität Malta sind beteiligt. ### Von Mikroskop bis Bibel: drei Forschungsstränge Mit der neuen Förderung sollen drei Teilprojekte realisiert werden: - Mikroskopische Untersuchungen: Mit mikromorphologischen Analysen wollen die Forschenden herausfinden, wie die Tempelanlage kultisch und wirtschaftlich genutzt wurde. - Text trifft Ausgrabung: Die archäologischen Befunde werden mit biblischen Überlieferungen verglichen, um die schriftlichen Quellen besser einordnen zu können. - Digital begehbare Antike: Ein 3D-Modell und eine App sollen den Tempel digital rekonstruieren und für Besucherinnen und Besucher virtuell erlebbar machen. ### „Wissenschaftlich fundierte Rekonstruktion“ „Hierbei ist es uns besonders wichtig, dass eine wissenschaftlich fundierte Rekonstruktion erfolgt, die auf Daten und Funden basiert“, betont Dr. Florian Oepping, derzeit Postdoc-Fellow der Minerva Stiftung an der Universität Tel Aviv. Die virtuelle Umsetzung dient nicht nur der Vermittlung, sondern auch der Erhaltung archäologischer Stätten – ein innovativer Schritt in der digitalen Konservierung historischer Kulturgüter. Das Projekt trägt auch zum Ausbau der engen Partnerschaft zwischen der Universität Osnabrück und der Universität Tel Aviv bei. Es stärkt das internationale Profil der niedersächsischen Universität – und bringt das Wissen über die Welt der Eisenzeit auf völlig neue Weise in die Gegenwart. --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück