Es sind eigentlich nur Kleinigkeiten in einem im Detail öffentlich noch unbekannten und bei der Verwaltung noch nicht eingereichten Bauantrag, die am Dienstag vom Stadtrat bestätigt wurden.

Bis zum 16. Juli allerdings muss der Bauantrag eingereicht werden, der wird dann geprüft und genehmigt – wenn alles nach Plan läuft. HASEPOST berichtete bereits am Montag über kleine Änderungswünsche des Investors.

Dass „alles nach Plan“ läuft und es dann tatsächlich losgeht mit der Großbaustelle ist für Vertreter der „Regenbogenkoalition“ im Rat ausgemachte Sache – auch wenn in der Vergangenheit kein Verlass auf die Versprechungen des Investors Unibail Rodamco war und man mit vorschnellem Optimismus schon mächtig daneben lag.

NOZ Abrissanzeige
Die tatsächlich vom Investor eingereichte Abrissanzeige hatte zwar Formfehler und war unwirksam, aber im Februar 2016 wollte die Regenbogenfraktion noch an einen baldigen Baubeginn glauben (Screenshot: noz.de).

Bereits seit einer im Jahr 2016 öffentlichkeitswirksam vorgeführten und in ihrer ursprünglichen Fassung fehlerhaften „Abrissanzeige“, der jahrelange Untätigkeit des Investors folgte, hätte mit dem Abriss der Schrottimmobilien begonnen werden können. Nur: Es passierte nichts!

Bauantrag bedeutet nicht Baubeginn, ist aber teuer

Allerdings, das erklärte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert während der Ratssitzung am Dienstag, bedeutet die Erstellung eines genehmigungsfähigen Bauantrags einen nicht unerheblichen Kostenaufwand im zumindest sechsstelligen Bereich. Angesichts der bereits zweistelligen Millionensumme, die für den Kauf der Schrottimmobilien am Neumarkt und der Johannisstraße aufgewendet wurden, sind das dennoch überschaubare Summen für den global agierenden Konzern aus Paris.
Sollte der französische Investor tatsächlich loslegen, werden am Ende mehr als 100 Millionen Euro an Osnabrücks Problemplatz verbuddelt und verbaut. Auf insgesamt 130 Millionen Euro, von denen 40 Millionen für die Planung und den Grundstückskauf draufgingen, rechnet der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank Henning das Engagement der Franzosen hoch und wurde auch am Dienstagabend nicht müde diese Spekulation Investition in den ansonsten global stagnierenden Einzelhandel als wertvolle und vor allem größte Einzelinvestition in der Geschichte Osnabrücks zu loben.

Panzer freut sich – Albrecht zweifelt

„Es geht los, das ist die Botschaft, die sich mit diesem Antrag zeigt. Die Planer werden konkret“, freute sich Heiko Panzer, ebenfalls von der SPD. „Ich hätte einige Kästen Bier wetten sollen“, gibt sich der verkehrspolitische Sprecher der Sozialdemokraten gewiss, dass dem Antrag auch tatsächlich eine Bautätigkeit folgen wird.

Diesen Optimismus wollte Kerstin Albrecht (BOB) nicht teilen und erinnerte an den nie erfolgten Abriss nach der fröhlich in die Kamera gehaltenen Abrissanzeige. Was genau vom Stadtrat verlangt werde, könne sie auch nicht beurteilen, da ihr die Unterlagen viel zu spät zugegangen wären. In einer Hinsicht war sich die BOB-Ratsfrau allerdings sicher: „Die Johannisstraße wird abgehängt und ich glaube diesem Investor kein Wort mehr und ich glaube auch nicht, dass da was kommt!“

Die Kritik von Frau Albrecht erregte den grünen Fraktionsvorsitzenden Michael Hagedorn: „Frau Albrecht, ich glaube Sie wünschen sich, dass das in die Hose geht“, und weiter „das Schlimmste was passieren könnte, wenn der Schrotthaufen bestehen bleibt. Hoffen, wir das das eine positive Wendung nehmen wird.“

Mierke will Sekt trinken, Ellmers will Kachel zur Erinnerung

Wenn die Bagger denn anrücken, will Wulf-Siegmar Mierke (UWG) „eine erste Flasche Sekt köpfen“. In einem Zwischenruf regte ein Ratsmitglied an, den Bagger bei der Gelegenheit dann „Siggi“ zu taufen.
Mierkes Fraktionskollege, Nils Ellmers von den Piraten hingegen wünscht sich eine Kachel als Andenken an das ungeliebte Kachelhaus.

CDU bleibt dagegen

Weiterhin ablehnend bleibt die Osnabrücker CDU. Katharina Pötter erklärte, dass man zwar den Vorgang konstrukitv begleiten werde, aber „wegen marginaler Änderungnen werden wir unsere grundsätzliche Ablehnung nicht aufgeben“.
An die Vertreter der Kaufhausbefürworter gerichtet ergänzte Pötter: „Jetzt seid doch mal ehrlich, alles andere wäre doch verlogen!“