Osnabrück Selbstgemachtes Desinfektionsmittel - Alternative oder Gesundheitsrisiko?

Selbstgemachtes Desinfektionsmittel – Alternative oder Gesundheitsrisiko?

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Im Kampf gegen die Ausbreitung des neuartigen Corona-Virus ist regelmäßiges Händewaschen eine der wichtigsten “Waffen”. Doch was tun, wenn gerade weder Seife noch Wasser zur Verfügung stehen? In solchen Situationen ist Desinfektionsmittel eine oft genutzte Alternative.

In einigen Drogeriemärkten sind, aufgrund der aktuellen Situation rund um das Corona-Virus, sämtliche Desinfektionsprodukte ausverkauft. Daher kursieren auf vielen sozialen Netzwerken seit einiger Zeit Anleitungen zur Selbstherstellung. Doch was gibt es bei dem Zusammenmischen in der hauseigenen Küche zu beachten? Und wie effektiv ist das Endprodukt wirklich gegen Keime?

Eine Frage des Verhältnisses?

Ein in den sozialen Netzwerken gängiges Rezept setzt sich aus Ethanol (96 – 99 Prozent), Aloe Vera Gel und ätherischem Öl zusammen. “Naturreine ätherische Öle, die antiviral und antibakteriell wirken sind beispielsweise Eukalyptusöl, Lavendelöl, Teebaumöl und Zitronenöl”, heißt es auf der Website des Naturprodukte-Unternehmens Casida. Der Schlüssel für ein effektives Endprodukt ist laut dem Online-Magazin “Healthline” ein Verhältnis von 2:1 zwischen Alkohol und Aloe Vera. Dadurch liegt der Alkoholgehalt im Endprodukt über den, zur Abtötung von Keimen, benötigten 60 Prozent.

Gewissenhaftes Zusammenmischen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät in einer eigenen Anleitung dazu, Ethanol beziehungsweise Isopropylalkohol, Wasserstoffperoxid, Glycerin und destilliertes Wasser zu verwenden. “Es gibt Standardvorschriften bei der Herstellung – bestimmte Konzentrationen, die eingehalten werden müssen”, so Jens Pott, Inhaber der Osnabrücker Stern-Apotheke im Gespräch mit unserer Redaktion, “eine leichte Abweichung darf sein, allerdings sollte diese nicht die ein bis zwei Prozentmarke überschreiten. Das muss man sehr gewissenhaft machen.” Das Gesundheitsrisiko bei der hauseigenen Herstellung ist daher nicht zu unterschätzen. Wird eine der Zutaten nicht korrekt abgemessen, reicht der Alkoholgehalt eventuell nicht mehr aus, um Keime abzutöten.

Je höher, desto wirksamer?

Das Prinzip: Je höher, desto wirksamer gilt allerdings nicht. Pott erläutert: “Reiner Alkohol dehydriert die Corona-Viren. Dadurch bilden sie eine Schutzhülle. Der richtige Wasseranteil ist sehr wichtig.” Zudem sollte bei hauseigenem Desinfektionsmittel darauf geachtet werden, Wasserstoffperoxid nur verdünnt anzuwenden, da es sich sonst schädlich auf die Haut und andere Oberflächen auswirken kann. Durch eine falsche Konzentration und inkorrekte Anwendung der Zutaten kann die Eigenproduktion somit zum Gesundheitsrisiko, statt zur schnellen und einfachen Alternative, werden.

Regelmäßiges Händewaschen ist eine wirksame “Waffe” im Kampf gegen das Corona-Virus.

Richtige Anwendung ist entscheidend

“Wenn man die Hände gründlich wäscht, hat das denselben Effekt wie ein Desinfektionsmittel”, so der Stern-Apotheken Inhaber. Letzteres ist vor allem für Situationen praktisch, in denen weder Seife noch Wasser zur Hand sind – zum Beispiel beim Einkaufen. Was bei der Anwendung zu beachten ist, erklärt Jens Pott: “Das Desinfektionsmittel muss mindestens 30 Sekunden einwirken. Jeder Finger, Zwischenräume, sowie Handflächen, als auch der Handrücken müssen sorgfältig eingerieben werden. Sonst erzielt man nicht den gewünschten Effekt.”

Alternative oder Gesundheitsrisiko?

In der momentanen Situation rund um das Corona-Virus sind fertige Desinfektionsprodukte in Drogeriemärkten oft ausverkauft. Bei gründlichem, genauen Arbeiten kann das hauseigene Desinfektionsmittel zur Alternative werden. Jedoch gibt es bei der Herstellung einige Regeln zu beachten, damit das Endprodukt seinen Zweck auch erfüllt. Zusätzlich sollte sichergestellt werden, dass das Rezept aus verlässlicher Quelle stammt. Einige Anleitungen im Internet empfehlen beispielsweise die Verwendung von Wodka statt Isopropylalkohol. “Der Alkohol muss mindestens ein Alkoholvolumen von 80 Prozent haben – damit ist gängiger Wodka mit circa 40 Prozent völlig unterdosiert”, erläutert Pott.


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