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Sänger Christian Steiffen kandidiert als Oberbürgermeister – Deutsche Kommunistische Partei stellt ebenfalls Kandidatin

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Seit gestern steht fest, wer im September als Oberbürgermeister für die Stadt Osnabrück kandidiert. Neben den Kandidatinnen und Kandidaten der etablierten Parteien und Einzelbewerber Ulrich Rehme, deren Kandidatur schon länger feststeht, finden sich in der Liste der Kandidaten auch zwei weitere Namen, deren Kandidatur bis zuletzt nicht feststand oder die bisher kaum beleuchtet worden waren.

Im Falle der Osnabrücker Musik-Ikone Christian Steiffen war ersteres der Fall: Erst am Donnerstagvormittag (29. Juli) gab der Sänger seine Kandidatur bekannt. Bis zuletzt hatte Steiffen auf seinen Social Media-Kanälen um Stimmen geworben. Die Kandidatur Steiffens ist nicht der erste Versuch des Sängers, den „Thron im Rathaus“ zu erklimmen: Bereits 2013 trat der Schlagerbarde an und erhielt immerhin 3,3% der Stimmen – mehr als der Kandidat der FDP, Robert Seidler.

Nun also der zweite Anlauf – und bekanntlich brauchte auch noch Amtsinhaber Wolfgang Griesert die gleiche Anzahl an Versuchen, um OB in unserer Friedensstadt zu werden. Möglich ist die erneute Kandidatur des parteilosen Einzelbewerbers Steiffen übrigens nur durch die Unterstützungsunterschriften von mindestens 250 Unterstützern, die mindestens das 16. Lebensjahr vollendet haben, die Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedstaates besitzen und seit mindestens drei Monaten mit Haupt- oder Alleinigem Wohnsitz in der Stadt Osnabrück wohnhaft sind.

Steiffen verzichtet auf Wahlplakate

Auf seiner Facebook-Seite bedankt sich Steiffen, der sich in seinen Lieder nicht nur „Disco fühlt“, sondern auch „nach Sexualverkehr sehnt“, artig bei seinen Unterstützern und kündigt an, auf Wahlplakate verzichten zu wollen: „Ich werde in diesem Jahr auf Wahlplakate im öffentlichen Raum verzichten. Das bisher Dargebotene ist unästhetisch und eine riesen Umweltsauerei.“ Doch auch die Finanzen spielen bei der minimalistischen Wahlwerbung eine Rolle wie Steiffen selbst zugibt: „Bisher haben mich 10.- Euro Wahlkampfspenden erreicht. Die wurden mir aus Hannover zugesandt und der Verwendungszweck wurde klar mit „Pommes und Disco“ definiert…“

Ein Wahlziel hat der Schlagersänger bereits klar vor Augen: „Auf jeden Fall mehr als die FDP!!!“, heißt es in einem älteren Facebook-Post aus diesem Jahr. Welche konkreten Pläne Steiffen als OB verfolgen würde, lässt sich auch auf einer reaktivierten Wahlkampf-Seite nicht so recht erkennen. Für Stimmung im Rathaus dürfte für die nächsten Jahre bei einer Wahl Steiffens allerdings gesorgt sein.

Ultralinke Kandidatin der DKP

Mit der Altenpflegerin und Ver.di-Aktivistin Maike Siefker hat auch die Osnabrücker Abteilung der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) eine Kandidatin zur OB-Wahl aufgestellt. Die Schwerpunktthemen der 52-Jährigen: bezahlbarer Wohnraum („Vonovia enteignen!“), ÖPNV und Radwege, mehr Geld für Gesundheit und Pflege zu Lasten der Reichen und der Rüstung. Ihre Botschaft: „Nur wenn unten gedrückt wird, kommt oben etwas raus!“

Meike Siefker wuchs in Melle auf. In den 80er Jahren fand sie ihre politische Heimat bei der DKP Osnabrück. 1989 zog sie aus beruflichen Gründen nach Bielefeld. Bei ihrer Rückkehr Anfang 2020 brachte sie Erfahrungen mit aus 19 Jahren Mitarbeitervertretung in der Altenpflege.

Maike Siefker (DKP)

Vonovia enteignen

Sie begrüßt die Wiedererrichtung einer kommunalen Wohnungsgesellschaft, meint aber: „Kommunale Neubauten in kleinem Ausmaß werden nicht reichen, um die Marktmacht von Vonovia und anderen Miethaien zurückzudrängen. Vonovia und vergleichbare Wohnungskonzerne müssen enteignet, ihre Wohnungsbestände wieder in kommunalen Besitz überführt werden.“ Um beim Bau bezahlbaren Wohnraums die „grünen Finger“ für das Stadtklima zu erhalten, fordert sie, „zunächst Leerstände zu erfassen und zu nutzen.“ Bei Neubauprojekten will sie statt freistehender Einfamilienhäuser „eher flächen- und ressourcensparende, gemeinschaftsfördernde Wohnformen nach dem Vorbild der Gemeindebauten der österreichischen Sozialdemokratie im ‚Roten Wien‘.“

Dass sie lange nicht in Osnabrück gelebt hat, sieht sie nicht als Nachteil: „Aus Bielefeld weiß ich, welche Bedeutung ein Park+Ride-System und eine Stadtbahn für einen attraktiven ÖPNV haben.“ Als Osnabrücker Neubürgerin fordert sie eine Stadtbahn, schnellere und preiswertere Busverbindungen und: „Radfahren in Osnabrück darf keine Survival-Übung bleiben.“

Gesundheit und Pflege Herzensangelegenheit

Besonders am Herzen liegt ihr das Thema Gesundheit und Pflege: „Gesundheit ist zur Ware geworden, die sich immer weniger Menschen leisten können. Diese Entwicklung schädigt alle: Patientinnen, Patienten und Pflegebedürftige, Angehörige und Beschäftigte im Gesundheitsbereich.“

Und woher soll das Geld kommen, das in den Kommunen fehlt? Dazu meint Meike Siefker: „Dieses Geld wird für militärische Großmachtpolitik verpulvert und es wird durch eine unsoziale Steuerpolitik den Reichen hinterhergeworfen – von den Vertretern der gleichen Parteien, die vor Ort die Finanznot der Kommunen beklagen.“ Sie will mit ihrer Kandidatur zur Oberbürgermeisterin dazu beitragen, „dass Menschen über ihre Situation und die Ursachen dafür nachdenken, Alternativen erkennen, aktiv werden und sich organisieren.“

Titelbild: Wahlplakat Christian Steiffen aus dem Wahlkampf 2013 / Foto: Screenshot aus Facebook-Beitrag von Christian Steiffen (29. Juli)



Maurice Guss
Maurice Guss ist seit dem Herbst 2019, erst als Praktikant und inzwischen als fester Mitarbeiter, für die Redaktion der HASEPOST unterwegs.

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