In Osnabrück gibt es ein kostenloses Wifi-Netz! Wirklich? Ja, und das bereits seit 2016 (HASEPOST berichtete ausführlich). Aber ob dies wirklich genutzt wird – und wie sich die Kosten dafür zusammensetzen – ist der Stadtverwaltung weitestgehend unbekannt. Nun verlangt eine Werbefirma Gegenleistungen in Form riesiger Monitore.

Rund zwei Jahre nach dem Start des öffentlichen Wifi-Netzwerks, das tatsächlich nur aus 11 von insgesamt 40 Telekom-Funkzellen besteht, die ausnahmsweise kostenlos funktionieren, und die auch reichlich lückenhaft in der Innenstadt verteilt sind, müssen die Osnabrücker nun die Rechnung dafür bezahlen.

Telekom Hotspots in Osnabrück
Welcher Hotspot ist denn nun kostenfrei? Am Namen ist das nicht zu erkennen. Besonders am Hauptbahnhof wird´s schwierig.

Werbeunternehmen stellt riesige Monitore an Ausfallstraßen auf

In den vergangenen Wochen begann das Werbeunternehmen Ströer, Vertragspartner der Stadt Osnabrück, damit an Ausfallstraßen die ersten großformatigen Werbe-Bildschirme aufzustellen. Diese Großbildschirme sind Teil eines weitestgehend geheimen und sich der öffentlichen Kontrolle entziehenden „Deals“.

Neben der überschaubaren Anzahl an freigeschalteten Telekom Wifi-Hotspots erhält die Stadt auch die Möglichkeit – wie bereits jetzt auf den wenig attraktiven Rückseiten der CityLight-Poster – kostenfrei eigene Motive zu schalten. Zusätzlich sollen auch die ohnehin kaum noch für die Werbewirtschaft relevanten „Litfasssäulen“ abgebaut werden.

Hat Otte Vertrag unterzeichnet ohne Alternativen zu berechnen?

Im Sommer 2016, bei der Vorstellung des Osnabrücker Wifi-Netzes, sprach Stadtbaurat Frank Otte im Zusammenhang mit den freigeschalteten Telekom-Hotspots von „kostenneutral“ und einer „Kompensation“.
Welchen Wert diese “Kompensation“ hat, also was die Stadt an Einnahmen verbuchen könnte, wenn man nicht die überschaubare Zahl freigeschalteter Telekom-Hotspots als Kompensation akzeptiert hätte, war dem Stadtbaurat nach eigenen Aussaugen im Juli 2016 ebenso unbekannt, wie Vergleichsangebote für ein Public-Wifi, das die Stadt direkt bei der Telekom oder anderen Anbietern hätte einkaufen können.

Hotspot-Säule der Telekom in Osnabrück am Nikolaiort
Telekom-Hotspot am Nikolaiort in Osnabrück.

Nach den Recherchen unserer Redaktion aus dem Jahr 2016 erhielt die Werbefirma als Kompensationsleistung für ihr Wifi-Angebot die Pachtfreistellung für mehrere neu geplante Anlagen; darunter zwei „Mega-Light“-Anlagen in der Hannoverschen Straße und Ackerstraße sowie Pagenstecherstraße (siehe Foto oben); einen „City Star“ an der Bohmter Straße und fünf neue „City-Light-Poster“-Wechselanlagen in der Innenstadt, die bereits seit längerem in Betrieb sind.

Vodafone stellt Wifi auch ohne Gegenleistung zur Verfügung

Dass es auch anders geht, beweisen nicht nur inzwischen zahlreiche Einzelhändler, die ihre Wifi-Netze „offen“ halten, die Freifunk-Initiative und auch der Mobilfunkanbieter Vodafone, der am Neumarkt den deutschlandweit am aktivsten genutzten kostenfreie Hotspot betreibt; ganz ohne Gegenleistung der Stadt.

Stadtverwaltung beruft sich auf Geheimvertrag

Auf Nachfrage unserer Redaktion und erst nach einigen Tagen und erneuter Nachfrage, äußerte sich ein Sprecher der Stadt ungewöhnlich schmallippig zu dem Deal zwischen Stadtverwaltung und Werbefirma: „Die Stadt stellt der DSM [Hinweis der Redaktion: Die Firmierung „DSM“ gibt es seit 2004(!) nicht mehr, inzwischen Teil von „Ströer Media“] seit 2016 im Gegenzug für öffentliches und kostenloses WLAN eine Anzahl von Werbemöglichkeiten (auch an Ausfallstraßen) zur Verfügung. Weitere Details können wir aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht nennen.“