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Reifen-Recycling am Hafen – Stadtwerke Osnabrück planen „Pieswerk“

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Sind mit dem Pieswerk auf grüner Spur: (V.l.) Serkan Kadi, Berenike Seeberg-Elverfeldt (beide Projektleitung) und Christoph Hüls (Stadtwerke-Vorstandsvorsitzender). / Foto: Stadtwerke Osnabrück / Marco Hörmeyer

Am Osnabrücker Hafen wird in den nächsten Jahren eine besondere Industrieanlage entstehen. Im „Pieswerk“ der Stadtwerke sollen alte Reifen recycelt werden. 

Nach Ökostrom und E-Bussen planen die Osnabrücker Stadtwerke einen weiteren Schritt in Richtung Nachhaltigkeit: Am Hafen Osnabrück, auf der Freifläche gegenüber der Diskothek Hyde Park, wird bis 2023 eine Recyclinganlage für Altreifen entstehen! Künftig sollen hier pro Tag drei LKW-Ladungen mit alten PKW-Reifen aufbereitet werden. Üblicherweise werden alte Reifen geschreddert und in Zementwerken verbrannt, dabei werden viele Schadstoffe frei. Die Recyclinganlag am Piesberg soll 80.000 Tonnen CO2 einsparen, das entspricht einem Drittel der CO2 Menge, die 2019 für die Stromerzeugung für die Stadt Osnabrück anfiel. Möglich macht es ein besonderes Verfahren.

Pyrolyse statt Verbrennung

Die Reifen werden im „Pieswerk“ nicht verbrannt, stattdessen setzt man auf ein Verfahren namens „Pyrolyse“. Die Reifen werden auf 500 bis 600 Grad erhitzt, die hohen Temperaturen spalte die organischen Verbindungen. Anders als bei einer Verbrennung findet keine chemische Reaktion mit Sauerstoff statt, sodass auch kein CO2 freigesetzt wird. Beim Verfahren entstehen Pyrolyse-Öl und Gas die beispielsweise als Kraftstoffe oder für Kunststoffverpackungen eingesetzt werden können. Außerdem erzeugt die Anlage „Carbon Black“, ein gefragter Rohstoff in der chemischen Industrie, der außerdem für Farben und neue Reifen genutzt wird.

Nachhaltig Geld verdienen

Pro Jahr entstehen in Deutschland etwa 600.000 Tonnen Altreifen, davon sollen am Tag etwa 70 Tonnen im „Pieswerk“ landen. Auch neue Technologien wie Elektroautos werden am hohen Reifenverbrauch auf absehbare Zeit nichts ändern. Allein in der Region Osnabrück konzentrieren sich sechs Prozent des deutschen Altreifenmarktes, ausreichend Rohstoffe sollten also vorhanden sein. „Wir sind nicht die günstigsten Anbieter zur Reifenentsorgung, aber wir wissen, dass die Menschen bereit sind, für Nachhaltigkeit zu zahlen„, sagt Christoph Hüls, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Osnabrück. „Der deutsche Markt für Reifenverbrennung ist dünn geworden, in der Regel beträgt die Wartezeit zehn bis zwölf Monate. Nachhaltigkeit ist für uns kein Selbstzweck, die Stadtwerke wollen mit nachhaltigen Angeboten Geld verdienen.“ Die Planer gehen davon aus, dass sich die Investition von etwa 30 Millionen Euro rasch auszahlen wird.

Fertigstellung 2023

Der Stadtwerke-Aufsichtsrat hat bereits „Grünes Licht“ für die Weiterverfolgung der Pieswerk-Pläne gegeben. In Kürze werden die Stadtwerke den Antrag auf Durchführung eines Genehmigungsverfahrens nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (kurz: BImSchG-Verfahren) stellen. Die Bauarbeiten sollen planmäßig im ersten Quartal 2022 beginnen und im ersten Quartal 2023 enden. Kurz danach kann das „Pieswerk“ den Betrieb aufnehmen, zunächst sollen 22 Mitarbeiter beschäftigt werden. „Wir werden über den weiteren Verlauf unserer Planungen sehr offen und transparent informieren“, betont Christoph Hüls. Unter www.swo.de/pieswerk stellen die Stadtwerke weiterführende Informationen zur Verfügung, unter pieswerk@swo.de oder der Hotline 0541 2002-2112 können Fragen gestellt werden. „Wir wollen die Menschen in und um Osnabrück an unserer Pieswerk-Idee teilhaben lassen.“

Lukas Brockfeld
Lukas Brockfeld ist seit dem Sommer 2019, erst als Praktikant und inzwischen als fester Mitarbeiter, für die Redaktion der HASEPOST unterwegs.

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