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Osnabrücker Studie: Wie kam die niedersächsische Gastronomie durch die Pandemie?

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Café am Markt und Pizzahaus in der Osnabrücker Altstadt

Lockdown, 2G, 3G: Welche Auswirkungen hatten die vorübergehenden Schließungen während der Pandemie auf die Gastronomie? Das untersuchen jetzt Geographen der Uni Osnabrück. Die Studie wird mit mehr als 200.000 Euro gefördert.

„Die vorübergehende Schließung von Gastronomiebetrieben und die Einführung von Social-Distancing als Strategie zur Eindämmung der Pandemie hat eine Krise des Gewerbes ausgelöst, die die betroffenen Betriebe gegenwärtig und mittel- bis langfristig vor zahlreiche Herausforderungen stellt“, erklärt Prof. Dr. Martin Franz, der gemeinsam mit Dr. Thomas Neise und Dr. Philip Verfürth die Studie durchführen wird.

Niedersachsen eigne sich als Beispielregion besonders gut, da die Gastronomie einen wichtigen Wirtschaftszweig darstellt. 2019 verzeichnete das Landesamt für Statistik 18.527 Gastronomiebetriebe in Niedersachsen, die einen Umsatz von rund 5 Milliarden Euro erwirtschafteten. Mehr als 110.000 Personen arbeiteten dort. Gleichzeitig ist das Gewerbe ein wichtiger Faktor sowohl für die touristische Anziehungskraft als auch für die Attraktivität als Wohn- und Arbeitsstandort. Doch mit dem Beginn der Pandemie erlitten die niedersächsischen Betriebe des Gastgewerbes starke Umsatzeinbußen.

Wie resilient ist die Gastronomie?

Im theoretischen Mittelpunkt der Studie steht der Resilienz-Begriff, also die Fähigkeit, sich auf Krisen einzustellen und diese damit zu überstehen. Zur Analyse der Reaktionen von Unternehmen auf Krisensituationen wird häufig das Konzept der organisationalen Resilienz genutzt. Bei der Analyse werden insbesondere unternehmensinterne Faktoren berücksichtigt. Unternehmensexterne Faktoren wie politische und regionalökonomische Rahmenbedingungen sowie soziale Netzwerke werden hingegen weniger betrachtet. Doch erst die Berücksichtigung solcher Faktoren ermögliche die Ableitung kontextspezifischer Handlungsempfehlungen für Betriebe, unterstützende Verbände sowie für Kommunen.

Es kehrt wieder Leben in die Gastronomie: Was hat die Pandemie mit der Gastrolandschaft gemacht? Auf diese Frage sucht die Uni Osnabrück Antworten. / Foto: David Ebener / Uni Osnabrück
Es kehrt wieder Leben in die Gastronomie: Was hat die Pandemie mit der Gastrolandschaft gemacht? Auf diese Frage sucht die Uni Osnabrück Antworten. / Foto: David Ebener / Uni Osnabrück

Ziel des Projektes ist es somit, Erkenntnisse zum Einfluss von unternehmensinternen und -externen Faktoren auf Bewältigungsmaßnahmen und strategische Anpassungsstrategien von Gastronomiebetrieben in Krisensituationen zu erhalten. Darüber hinaus sollen Handlungsempfehlungen für Gastronomiebetriebe sowie die sie unterstützenden Verbände und staatlichen Institutionen (Politik, Institutionen der Wirtschaftsförderungen und des Stadtmarketings) entwickelt werden.

Wissenschaftler greifen auf Umfrage zu Beginn der Pandemie zurück

Dabei können die Wissenschaftler auf bereits laufende Vorarbeiten zurückgreifen. „In der ersten Covid-19-Welle überlegten wir, dass wir eigentlich sofort eine Befragung von Gastronomiebetrieben durchführen sollten, um zu erfahren, welche Auswirkungen haben würde“, so Prof. Franz. „Damals ahnten wir noch nicht, wie lange die Pandemie dauern würde.“ Die deutschlandweit durchgeführte Onlinebefragung war erfolgreich: 623 Unternehmen beteiligten sich. „Die Ergebnisse waren für uns zum Teil überraschend, insbesondere weil sich zeigte, dass die Gastronominnen und Gastronomen auf dem Land ihre Situation positiver beurteilten als in der Stadt.“ Verschiedene Abschlussarbeiten und ein Seminar, in dem Studierende Befragungen durchführten, ergänzten die Ergebnisse mit kleineren Fallstudien. „Es entstand die Idee, die Auswirkungen der Pandemie und die Strategien der Betriebe mit zeitlichem Abstand genauer zu untersuchen“, erklärt Dr. Neise.

Methodisch kommen in dem Projekt „Organisationale Resilienz in der COVID-19-Pandemie: Krisenbewältigung und strategische Anpassung von Gastronomiebetrieben in niedersächsischen Städten“ eine Unternehmensbefragung, qualitative Interviews und drei Expertenworkshops zum Einsatz. Dabei setzen die Forscher auf gute Kontakte zu verschiedenen Wirtschaftsförderungsinstitutionen sowie dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Niedersachsen (DEHOGA Niedersachsen). Im Rahmen des Programms „Pro*Niedersachsen. Forschungsprojekte der Kultur-, Geistes und Sozialwissenschaften“ wird die Studie mit mehr als 200.000 Euro gefördert.

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