Autonomes Fahren ist eine der wichtigsten technischen Innovationen der letzten Jahre. Viele Autohersteller arbeiten heute an intelligenten Systemen, die das Fahren einfacher und sicherer machen sollen. Mit diesem Zukunftsthema befassen sich auch sieben Studenten der Hochschule Osnabrück – und das mit großem Erfolg: Ihr selbstfahrendes Modellfahrzeug namens OSCAR hat sich beim diesjährigen studentischen Wettbewerb Carolo-Cup der TU Braunschweig gegen neun Teams aus China, Deutschland, Polen und der Schweiz durchgesetzt.

In der Einsteigerklasse fuhr OSCAR der Konkurrenz davon: Sowohl bei der Präsentation des Konzeptes vor einer 15-köpfigen Expertenjury als auch bei den beiden praktischen Disziplinen „autonomes Fahren und Parken“ sowie „autonomes Fahren im Hindernisparcours“ erreichten die Osnabrücker die beste Bewertung aller Teams. Mit insgesamt 808 von 900 möglichen Punkten war OSCAR der Sieg nicht mehr zu nehmen. Das Team freut sich nicht nur über den ersten Platz, sondern auch über 2.000 Euro Preisgeld.

Tausende Arbeitsstunden



Ein verdienter Lohn für ein engagiertes Team: Rund 3.000 Arbeitsstunden haben Simon Balzer, Dennis Buchberger, Marcel Flottmann, Malte Hillmann, Malte Hülsebus, Leander Nordmann und Simonas Simenas in ihre Entwicklung investiert. Wöchentlich haben sie sich auf dem Campus in ihrem Projektraum mit einer Teststrecke getroffen, um einzelne Schritte zu besprechen. Die Hochschule hat sämtliche Kosten für die Hardware übernommen; weitere finanzielle Unterstützung kam von der ZF Friedrichshafen AG.

OSCAR
So sehen Sieger aus: Das Team der Hochschule Osnabrück hat beim internationalen Wettbewerb der autonomen Modellautos Carolo-Cup den ersten Preis in der Einsteiterklasse gewonnen.
(Foto: Winfried Gehrke / Hochschule Osnabrück)

Anfang Februar war es nun soweit: Vollgestopft mit Elektronik, Software und intelligenten Algorithmen, konnte OSCAR sicher Fahrspuren erkennen, eigenständig lenken und je nach Fahrsituation Gas geben oder bremsen. Zudem war es in der Lage, autonom Parklücken zu erkennen und selbständig ein- und auszuparken. Aber auch mögliche Hindernisse auf der Fahrbahn stellten kein Problem dar: Das Fahrzeug erkannte die potentielle Gefahr und führte gezielt entsprechende Ausweich- oder Überholmanöver durch.

Von Platz 3 an die Spitze

„Nach dem dritten Platz im letzten Jahr haben wir unser Auto noch stark verbessert“, erzählt Marcel Flottmann. „Als wir aber auf dem Cup die Leistung der Konkurrenz gesehen haben, wurde es doch nochmal sehr spannend – andere Teams haben auch nicht geschlafen.“ Dennoch konnte sich das Osnabrücker Modellauto an die Spitze setzen. „Wir waren sehr aufgeregt, und es war einfach großartig, als unser Teamname endlich auf der Leinwand als Sieger erschien“, so der angehende Informatiker.

Sein Temkollege Dennis Buchberger beschreibt, was er und seine Mitstreiter im Projekt gelernt haben: „Teamarbeit und effiziente Kommunikation mit Kollegen übt man am besten in einem langfristigen Projekt wie diesem.“ Auch fachlich haben die Studierenden profitiert: „In der Vorlesung erlernen wir die Grundlagen und schreiben einfachere Programme. Für unser Modellauto haben wir hingegen eine größere Software mit mehreren Abstraktionsebenen auf die Beine gestellt und sind definitiv sicherer im Umgang mit technischen Systemen, Programmierung und dem ‚Autobau‘ geworden.“ Ein weiterer wichtiger Aspekt ist für den Studenten der Elektrotechnik im Praxisverbund das ingenieurmäßige Arbeiten: „Wir haben eine komplexe Aufgabe so in handliche Stücke zerteilt, dass wir sie alle erfolgreich lösen und zum Gesamtkonzept zusammensetzen konnten.“

Jährliche wechselnde Teams geben Wissen weiter

Der Projektbetreuer Prof. Dr. Winfried Gehrke lobt die Leistung seiner Studenten: „Bemerkenswert ist, dass alle praktischen Aufgaben – anders als bei vielen Konkurrenzteams – gänzlich ohne manuellen Eingriff absolviert wurden.“ Vor fünf Jahren hat er den Wettbewerb Carolo-Cup seinen Studierenden vorgestellt. Seitdem arbeiten jährlich wechselnde Teams der Fakultät Ingenieurwissenschaften und Informatik an der Entwicklung von Modellautos. „Als wir 2015 zum ersten Mal in Braunschweig waren, war das Ziel: ‚Nur nicht Letzter werden‘. Dass wir eines Tages einen ersten Platz erreichen würden, dachte damals niemand – nicht einmal im Traum“, erinnert sich Prof. Gehrke. Doch nun ist es soweit: „Ich freue mich sehr und bin auch stolz, dass unsere Hochschule Studierende hat, die dieses Ziel erreichen konnten“, so der Professor für Mikrorechnertechnik und Digitale Systeme. Einer der Erfolgsgründe liegt für ihn darin, dass alle OSCAR-Teams ihre Erkenntnisse mit den nachfolgenden Gruppen geteilt haben. So konnten die Studierenden dank ihrem „vorbildlichen Wissensmanagement“ ihre Leistung Jahr für Jahr steigern.

Wer das preisgekrönte Modellauto live erleben möchte, ist herzlich zur studentischen Projektmesse „Lösungen für die Welt von morgen“ am 21. Februar eingeladen. Sie findet von 15 bis 18 Uhr im SI-Gebäude der Hochschule Osnabrück in der Barbarastraße 16 statt und zeigt Ergebnisse von neun studentischen Projekten des letzten Semesters.