# Osnabrücker Kreativen-Trio veröffentlicht Kinderbuch über Angst und Hoffnung Datum: 17.11.2025 15:00 Kategorie: Aktuell URL: https://www.hasepost.de/osnabruecker-kreativen-trio-veroeffentlicht-kinderbuch-ueber-angst-und-hoffnung-658931/ --- Wenn man Sanata Doumbia-Milkereit liest, hört man nicht nur eine Autorin – man hört eine Überlebende. Die Osnabrückerin, die mit ihrer Familie mittlerweile in Schleswig-Holstein lebt, hatte nach eigener Aussage keine schöne Kindheit und legt mit ihrem brandneuen Kinderbuch „Arian – Eine Geschichte von Angst, Mut und leeren Flaschen“ ein kraftvolles Werk vor. Ein Werk über das Aufwachsen in schwierigen Verhältnissen – und über den Mut, Hilfe zu suchen. ## Vom Schweigen zur Stimme „Ich hatte selbst keine schöne Kindheit“, antwortet Sanata Doumbia-Milkereit per E-Mail auf die Frage unserer Redaktion, wie sie zum Schreiben kam. „Zuhause war kein schöner und sicherer Ort für mich.“ Schon früh begann sie deshalb zu schreiben – als Rettungsanker, als Werkzeug zum Überleben. Heute, als Mutter eines Sohnes, fragt sie sich, was ihr als Kind geholfen hätte. So entstand „Arian“, die Geschichte eines Jungen, der mit einem suchtkranken Elternteil lebt – und lernen muss, dass Mut oft dort beginnt, wo man Angst endlich zulässt. Mehr als 2,6 Millionen Kinder in Deutschland leben in Familien mit Suchtproblemen. „Ich möchte zeigen, dass es in Ordnung ist, Hilfe zu suchen“, so Doumbia-Milkereit. „Und dass Erwachsene genauer hinsehen sollten – das hätte mir als Kind geholfen.“ Die Geschichte aus ihrer Feder hat es in sich: Nach der Trennung seiner Eltern verliert der 11-jährige Arian seine Mutter zunehmend an den Alkohol, während er selbst zwischen Angst, Scham und dem Versuch, normal zu wirken, feststeckt. Die unberechenbaren Ausbrüche der Mutter machen das Zuhause zur Belastungsprobe, bis ein Wutanfall, bei dem sie Arians Zimmertür zerstört, für den Jungen zum Wendepunkt wird. Weil das keine klassische Kindergeschichte ist, liegt dem Buch auch ein Begleitheft bei. ### Ein Osnabrücker Duo für starke Bilder Die insgesamt 13 Illustrationen in dem 48-seitigen Werk stammen von Louisa Erbes und Lars Linnhoff, einem Künstlerduo aus einer Ateliergemeinschaft in Osnabrück. Beide arbeiteten erstmals gemeinsam an einem Buchprojekt – und das, obwohl ihre Stile kaum unterschiedlicher sein könnten. „Ich mache Illustrationen digital, Louisa arbeitet mit Linolschnitt“, erzählt Linnhoff beim Besuch in der HASEPOST-Redaktion. „Am Anfang wussten wir gar nicht, ob das zusammenpassen kann.“ Erbes ergänzt: „Das war ein Prozess. Ich habe geschnitten, gedruckt, eingescannt – und dann haben wir die Elemente wie eine Collage zusammengefügt. Der Baum, die Blumen, die Muster auf der Kleidung – vieles ist Handarbeit.“ Louisa Erbes und Lars Linnhoff mit dem Buch bei ihrem Besuch in der HASEPOST-Redaktion. / Foto: Dominik Lapp ### Wenn Linol und Pixel verschmelzen Das Zusammenspiel der beiden künstlerischen Ansätze entwickelte sich schnell zu einer Art von kreativem Ping-Pong. „Wir saßen uns gegenüber, hatten dieselbe Datei offen – und wer schneller zu einem stimmigen Ergebnis kam, schickte sie rüber. Dann arbeitete der oder die andere weiter“, erzählt die Kunstpädagogin Louisa Erbes, die zurzeit ihren Master in Kunst und Kommunikation an der Universität Osnabrück absolviert. Manche Motive entstanden fast im Handumdrehen, andere wurden über Wochen verworfen, neu gedacht, wieder zusammengesetzt. „Ich fand es spannend, dramaturgisch zu überlegen, welche Szenen bebildert werden müssen und welche nicht“, sagt der freischaffende Theatermacher und Illustrator Lars Linnhoff, den man in der Friedensstadt unter anderem durch seine queeren Stadtführungen kennt. „Sanatas Text ist sehr reich – manchmal braucht der gar kein Bild, manchmal aber genau das richtige.“ ### Zwischen Schnitt und Sinn Die fertigen Illustrationen wirken, als wären sie aus Erinnerung geschnitten – rau und zärtlich zugleich. Farben und Formen erzählen mit, was zwischen den Zeilen steht: das Unausgesprochene, das Schweigen, das Arian begleitet. Louisa Erbes ist sich sicher: „Das ist das Schöne an dieser Zusammenarbeit: Man sieht, dass da zwei Welten aufeinandertreffen und am Ende trotzdem etwas Ganzes entsteht.“ ### Hoffnung als Auftrag Für die Psychologin, Erzieherin, Autorin und Journalistin Sanata Doumbia-Milkereit, die im Jahr 2022 als „Hoffnungsträgerin der Stadt Osnabrück“ ausgezeichnet wurde und 2023 den Elisabeth-Siegel-Preis erhielt, ist „Arian“ mehr als ein Buch. Es ist ein Versprechen an Kinder, die zu viel tragen müssen – und ein Appell an Erwachsene, genauer hinzusehen. „Schreiben ist für mich eine Form von Verantwortung und Hoffnung zugleich“, sagt sie. Und „Arian“ soll nicht das letzte Kapitel bleiben: Die Autorin plant bereits weitere Kinder-Mutmach-Geschichten. Geschichten, die zeigen, dass aus Verletzlichkeit Stärke wachsen kann. Erschienen ist das Buch „Arian – Eine Geschichte von Angst, Mut und leeren Flaschen“ (ISBN 978-3-947066-85-8) im Hildesheimer Verlag Monika Fuchs. Es kostet 20 Euro und ist mit Unterstützung verschiedener Personen, Stiftungen sowie des Osnabrücker Restaurants LOTTA realisiert worden. --- Quelle: Hasepost.de - Die Zeitung für Osnabrück