Die aktuellen Äußerungen des niedersächsischen Innenministers Boris Pistorius (SPD) zur Verschärfung der Maßnahmen gegenüber Gewalttaten im Kontext des Fußballs stoßen bei den Jusos Osnabrück auf Kritik.

Eine Politik der „maximalen Abschreckung“ kann nicht zielführend gegen Gewaltverbrecherinnen und -verbrecher in Fußballstadien sein. Lebenslange Stadionverbote, personalisierte Tickets oder Stadien ohne Stehplätze seien keine Alternative, so die SPD-Jugendorganisation in einer in dieser Woche verbreiteten Erklärung. Der aus Osnabrück stammende Pistorius hatte zuvor drastische Maßnahmen gegen Gewalttäter im Umfeld von Fußballspielen gefordert.

Personalisierte Tickets führen zu Generalverdacht

Die Einführung von personalisierten Tickets bedeute, so die Jusos,  zum einen mehr Datenpreisgabe und -überwachung und zum anderen den Verlust von Stehplätzen, um eine Personalisierung erst möglich zu machen. „Noch mehr Videoüberwachung zur Feststellung von gewalttätigen Stadionbesucherinnen und -besuchern kann nicht Sinn und Zweck des Ganzen sein. Mehr Videoüberwachung schränkt vor allem die Grundrechte Unbeteiligter mit ein. Jene aufgrund der Taten einiger Weniger auszuweiten, führt im Zweifel eher zu einem unrechtmäßigen Generalverdacht. Gerade vor dem Hintergrund, dass statistisch gesehen das Oktoberfest gefährlicher ist, als ein Fußballspiel der 1. und 2. Bundesliga.“, so Timo Spreen, Vorsitzender der Jusos Osnabrück.

Ein Verbot von Stehplätzen würde den Tod der Fankultur in den Fußballstadien bedeuten. Der deutsche Fußball ist für seine bunten und kreativen Kurven sowie für eine lautstarke Stimmung auf den Rängen bekannt. Eine Abschaffung von Stehplätzen könnte ähnliche Ausmaße wie im englischen Fußball annehmen, so die Befürchtung der Jusos Osnabrück. „Gerade Stehplätze machen den Fußball so facettenreich, da sich durch die vergleichsweise günstigen Tickets auch Geringverdienerinnen und -verdiener den Eintritt leisten können. Gerade aufgrund dieses sozialpolitischen Aspekts steht die SPD in der Pflicht, Stehplätze zu erhalten, um Fußball nicht zu einem Luxusgut verkommen zu lassen.“, betont Malte Drouet, stellvertretender Vorsitzender.


Stadionverbote gehen mit Vorverurteilungen einher

Angesichts der steigenden Anzahl von ausgesprochenen Stadionverboten und den zum Teil sehr undurchsichtigen Verfahren dahinter sollte eine genaue Überprüfung im Vorfeld, gemessen an dem Einzelfall und unter Einbeziehung sämtlicher Umstände, unerlässlich sein. Das Aussprechen von Sanktionen gegen ganze Personengruppen und übereilter Stadionverbote ist nicht zuletzt deshalb kritisch zu betrachten, da dies die Gefahr einer vorschnellen Vorverurteilung in sich birgt.
Die Osnabrücker Jungsozialistinnen und Jungsozialisten begrüßen grundsätzlich, dass Pistorius den Dialog mit den Beteiligten sucht. Eine Lösung des Problems kann nur gefunden werden, wenn man mit den Fans spricht und die jeweiligen Fangruppierungen gemeinsam mit am Tisch sitzen.
Nichtsdestotrotz erscheint es widersprüchlich, dass Boris Pistorius bei der im Koalitionsvertrag angestrebten Kennzeichnungspflicht von Polizistinnen und Polizisten angesichts der momentanen Situation keinen dringenden Handlungsbedarf sieht; bei Strategien bezüglich des Vorgehens gegen Fußballfans jedoch in blinden Aktionismus verfällt.

 

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Foto: Liondartois Lizenz: CC BY-SA 3.0