Sechs Osnabrücker Bauwerke werden am Freitag, 17. November, in lila erstrahlen. Hintergrund ist der Weltfrühgeborenentag, auf den so aufmerksam gemacht werden soll. Der VfL – der in Osnabrück eigentlich für „lila“ steht, unterstützt die Aktion auch.

Organisator der weltweit stattfindenden Aktion in Osnabrück ist das hiesige Christliche Kinderhospital.

„In Osnabrück gibt es jährlich etwa 500 Frühgeburten, also Kinder, die vor der 36. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen“, sagt Prof. Dr. Norbert Albers, Chefarzt des Christlichen Kinderhospitals Osnabrück. 60 bis 70 Kinder kommen in der Region jährlich mit einem Gewicht von unter 1500 Gramm zur Welt. „Der Trend geht jedoch in Osnabrück dahin, dass wir zunehmend weniger ganz kleine Frühgeborene haben“, so Albers, der dies auf eine kontinuierlich verbesserte Geburtshilfe zurückführt.

Diese Qualitätssteigerung ist laut Dr. Yves Garnier, Chefarzt der Frauenklinik am Klinikum Osnabrück, eine Folge der Zentralisierung der Standorte, die in den vergangenen 20 Jahren stattgefunden hat. „In großen Zentren ist eine bessere Geburtshilfe möglich als auf dem Land“, so Garnier. „Ziel ist es, eine Geburt möglichst lange hinauszuzögern, um eine möglichst vollständige Entwicklung im Mutterleib zu ermöglichen.“

Mütter müssen ihren Babies nahe sein

Doch auch die Maßnahmen direkt nach der Geburt spielen für Frühgeborene eine wichtige Rolle, weil diese häufig Gefahr laufen, später Lernschwächen und Verhaltensauffälligkeiten zu entwickeln. „Deshalb ist es wichtig, schon früh nach der Geburt engen körperlichen Kontakt zwischen Eltern und ihren Kindern herzustellen. Gerade wenn Mütter von weiter weg zu uns kommen, benötigen sie für die ersten Wochen im Leben ihrer Kinder die Möglichkeit, ihnen nahe zu sein, was natürlich mit Kosten verbunden ist“, erklärt Dr. Volkmar Kunde, Oberarzt am Christlichen Kinderhospital Osnabrück.

Frühgeborene Osnabrück, lila
Machen gemeinsam auf die besonderen Bedürfnisse von Frühgeborenen aufmerksam: (von links) Dr. Volkmar Kunde, Heike Majewski, Prof. Dr. Norbert Albers (alle Christliches Kinderhospital Osnabrück), Dr. Yves Garnier (Klinikum Osnabrück), Uwe Brunn (VfL Osnabrück) und Oberbürgermeister Wolfgang Griesert. Foto: Stadt Osnabrück, Simon Vonstein.

OB Griesert kennt Problematik

Prof. Dr. Albers betont deshalb, wie wichtig die Unterstützung für die Frühgeborenenstation ist. „Wir sind unserem Förderverein Gecko e.V. sehr dankbar, dass er uns stets tatkräftig unterstützt und hoffen, dass die Aktionen zum Weltfrühgeborenentag in jedem Jahr wiederholt werden“, so Albers. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert zeigte sich beeindruckt davon, wie fürsorglich und professionell im Klinikum Osnabrück und im Christlichen Kinderhospital mit Frühgeborenen umgegangen wird. „Ich habe es vor Ort gesehen und kenne selbst das Beispiel eines Kindes, das mit einem Gewicht von 450 Gramm zur Welt gekommen und zwei Jahre später weitestgehend gesund ist“, so Griesert.

Diese Gebäude werden lila angestrahlt:

In Osnabrück werden das Rathaus, das Steigenberger-Hotel Remarque, das Hotel Arcona Living, das Gebäude der Industrie- und Handelskammer, die OsnabrückHalle und das Christliche Kinderhospital angeleuchtet. Zu den vielen weiteren Gebäuden, die weltweit angestrahlt werden, gehören das Heidelberger Schloss, das Brandenburger Tor, die Niagarafälle und das Rockefeller-Center in New York.
Uwe Brunn, Vizepräsident des VfL Osnabrück, hat zudem angekündigt, das Heimspiel gegen den VfR Aalen am 17. November zu nutzen, um auf den Weltfrühgeborenentag aufmerksam zu machen.

Jedes 10. Kind kommt zu früh

Weltweit kommt laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation etwa jedes Zehnte Kind zu früh zur Welt. Demnach sterben etwa eine Million Babys jährlich aufgrund der durch die Frühgeburt entstehenden Komplikationen. Viele Überlebende leiden unter Behinderungen, Lernschwächen sowie Einschränkungen der Seh- und Hörfähigkeit.