Schleuse Stichkanal Osnabrück Haste
Nur durch dieses Nadelöhr gelangen Schiffe in den Osnabrücker Stadthafen

Rund 40 Millionen Euro wurden vor einigen Jahren in die Verbeiterung des Stichkanals investiert, damit zwischen dem Mittellandkanal bei Pente und dem Osnabrücker Hafen auch genügend Platz für moderne „Großmotorgüterschiffe“ ist – doch die Schleusen wurden offenbar vergessen.
Hier passen nur die „alten Kähne“ durch, die bereits bei der Eröffnung des Kanals vor 100 Jahren aktuell waren. In voraussichtlich zwanzig Jahren wird es keine Schiffe mehr geben, die durch die engen Schleusen bis nach Osnabrück vordringen können. Der Landtagsabgeordnete Burkhard Jasper (CDU) will nun durchsetzen, dass endlich auch die Schleusen passend zum Kanal verbreitert werden. Ein Pressegespräch zeigte auf, was die aktuellen Situation auch für Osnabrücker Unternehmen bedeutet.

Ein Schildbürgerstreich

Es dauerte rund 30 Minuten, bis einer der anwesenden Vertreter aus Politik, Hafenverwaltung und Wirtschaft das Wort aussprach, das über der ganzen Angelegenheit schwebte wie einst das Schwert über dem antiken Damokles. „Es ist ein Schildbürgerstreich“, so Hendrik Fip, dessen Unternehmen über den Osnabrücker Hafen vor allem Heizöl für die Versorgung der Osnabrücker Haushalte, und Dieselkraftstoff für den Bedarf zahlreicher internationaler Speditionen, bezieht. Zwar gebe es beim Heizölbedarf einen leichten Rückgang, der sei aber der Effizienzsteigerung geschuldet. Die Zahl der mit Öl geheizten Osnabrücker Häuser bleibe konstant, und diese müssten sicher und zuverlässig versorgt werden.

Schleuse Stichkanal Osnabrück Haste
Nur durch dieses Nadelöhr gelangen Schiffe in den Osnabrücker Stadthafen

Unternehmen sind abhängig von der Binnenschiffahrt



Die umweltschonende Versorgung über den Wasserweg wird aber in absehbarer Zeit schwierig werden, betonte Walter Bergschneider, der nicht nur Baustoffhändler ist, sondern auch selbst Binnenschiffahrt betreibt: „Schiffe, die für die kleinen Osnabrücker Schleusen geeignet sind, werden zum Auslaufmodell“.
Dr. Knut Schemme von der Georgsmarienhütte ergänzte, dass die vorhandene Flotte, die noch geeignet ist die schmalen Osnabrücker Schleusen zu durchfahren, in den 50er und 60er Jahren des vorherigen Jahrhunderts gebaut wurden. Doch selbst diese relativ „kleinen“ Binnenschiffe ersetzen pro Kanalfahrt 50 LKW-Fahrten über ein ohnehin schon überlastetes Straßennetz. Da sein Unternehmen vollständig auf das Schrott-Recycling umgestellt habe, und seit den 90er Jahren kein Eisenerz mehr einschmelze, sei man auf die Belieferung mit dem Binnenschiff angewiesen, so der Stahlwerksmanager. Spätestens in 20 Jahren gibt es aber keine Schiffe mehr, die geeignet sind im Osnabrücker Hafen anzulanden, von wo der von ihm benötigte Rohstoff direkt auf die Schiene verladen werden kann.
Während die alten Binnenschiffe bei einer Gesamtlänge von 85 Metern aufhören, müssen die Schleusen zukünftig auch Schiffslängen mit einer Länge von 130 Metern aufnehmen können.

2.000 Arbeitsplätze direkt betroffen

Mit dem Hafenumschlag seien allein etwa 2.000 Arbeitsplätze betroffen, so der Landtagsabgeordnete Burkhard Jasper, der am frühen Montagmorgen zu einem Pressetermin in der Hafenverwaltung eingeladen hatte. Die anwesenden Unternehmer machten deutlich, dass zusätzlich auch ihre Standortentscheidungen und damit auch Arbeitsplätze in ihren Unternehmen – allein rund 1.500 bei der Georgsmarienhütte – von den nun zu treffenden Entscheidungen abhängen.

Eine Autobahn ohne Abfahrt

Burkhard Jasper vergleicht den Mittellandkanal mit einer Autobahn. Die Stichkanäle, die es nicht nur in Osnabrück gibt, sind die Abfahrten.

In Hildesheim wurden Schleusen erneuert, aber der Kanal nicht verbreitert

Auch in Hildesheim und Salzgitter gibt es die Herausforderung, dass mit dem Generationswechsel der Binnenschiffe die dortigen Stichkanäle dringend ein Upgrade benötigen.  Frei nach Shakespeare drängt sich auf: „Der Wahnsinn hat Methode„!

Während in Osnabrück 40 Millionen Euro für die Verbreiterung des Kanals ausgegeben wurden, wobei auch zahlreiche Kanalbrücken komplett ersetzt werden mussten, hat man in Hildesheim vor einigen Jahren eine schicke und vor allem breite und lange neue Schleuse in die Landschaft gesetzt, aber den zugehörigen Kanal nicht ausgebaut. In Osnabrück ist es genau andersherum.
Allerdings hat der Landtag bereits im vergangen Jahr sowohl für Hildesheim als auch für Salzgitter die rechtlichen Grundlagen geschaffen, um einen weiteren Ausbau voranzubringen.

Stichkanal Schleuse Osnabrück Haste
Breit – schmal – breit: So wie ein Nadelöhr liegt die Schleuse in Haste zwischen dem teuer ausgebauten Stichkanal und dem Hafenbecken. Plan: EHB

Ausbau wurde bereits 1965 beschlossen

Am Dienstag soll auf Antrag der CDU-Landtagsfraktion nun auch für den Osnabrücker Stichkanal im zuständigen Unterausschuss „Hafen und Schifffahrt“ ein Antrag auf den Weg gebracht werden, damit Bund und Länder den bereits 1965(!) beschlossenen weiteren Ausbau forcieren. Während die Beatles inzwischen aufgelöst sind und Elvis nur noch selten gesehen wird – nur um ein paar Höhepunkte aus der Zeit der Vertragsvereinbarung zu nennen – dümpelt der Kanalausbau weiter vor sich hin.
Sollten die neuerlichen Bemühungen Früchte tragen, könnten die neuen Schleusen voraussichtlich in etwa zehn Jahren in Betrieb gehen, so Clements Lammerskitten (ebenfalls CDU), der für den Landkreis den Ausbau unterstützt.

Stichkanal Osnabrück
Sie wollen endlich neue Schleusen: Wolfgang Zimmermann, Clemens Lammerskitten, Stephan Rolfes, Knut Schemme, Walter Bergschneider, Burkhard Jasper, Hendrik Fip und Marcel Haselof

Auch der Hafen in Bohmte hat seine Berechtigung

Ein weiterer Ausbau des Stichkanals nach Osnabrück steht für den aus dem Landkreis stammenden Lammerskitten nicht im Widerspruch zu dem für Bohmte geplanten Ausbau des dort direkt am Mittellandkanal gelegenen Hafens.
Während in Osnabrück traditionell Massengüter wie Baustoffe, Mineralöl und Schrott umgeschlagen werden, sollen in Bohmte zukünftig Container von der Straße auf das Schiff umgeladen werden.
Auch Stadtwerke-Chef Dr. Stefan Rolfes kann keine Konkurrenz zwischen den beiden Häfen in Stadt und Landkreis erkennen. Beide Projekte werden die auf Wasserstraße noch reichlich vorhandenen Kapazitäten für die gesamte Region erschließen. Wichtig sei es die richtigen Schnittstellen zu Straße und Schiene, wie sie im Osnabrücker Stadthafen bestehen, zu entwickeln.
Besonders unter Umweltgesichtspunkten, da waren sich alle Vertreter aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft einig, ist der Gütertransport auf dem Binnenschiff unschlagbar.

Umschlagzahlen im Hafen steigen

Für die Eisenbahn- und Hafenbetriebsgesellschaft stellte Marcel Haselhof  fest, dass es eine deutliche Mengensteigerung bei den umgeschlagenen Gütern gegeben habe. Mit 597.305 Tonnen im Jahr 2015 (511.681 Tonnen in 2014) sei man zwar unter dem ursprünglich prognostizierten Ziel von über 600.000 Tonnen geblieben. Ursache hierfür war eine im vergangenen Sommer erfolgte Umstellung der Schichtzeiten bei den Schleusenwärtern, die aber nach Intervention durch die Politik zu Beginn des neuen Jahres zurückgenommen wurde. Zum Glück, so Dr. Wolfgang Zimmermann, von der Rohstoff Recycling Osnabrück GmbH, zeigten sich die Schleusenwärter aber flexibel, so konnten schlimmere Folgen für die dadurch ohnehin gehemmte Erreichbarkeit des Hafens verhindert werden.

Bloß keine Renovierung!

Sowohl Hafen-Manager Marcel Haselhof als auch Stadtwerke-Vorstand Dr. Rolfes erklärten, dass beide Schleusen, in Hollage und Haste, renovierungsbedürftig seien. Nun sei Eile geboten, damit eine Renovierung der viel zu kleinen Schleusen nicht einem Neubau zuvorkommt. Egal ob Renoverierung, oder der von den Osnabrückern gewünschte Neubau, Investitionen in die Binnenschiffahrt-Infrastruktur sind Investments, die auf Generationen angelegt sind. Die Kosten pro Schleusen-Neubau schätzte Stadtwerke-Chef Rolfes auf etwa 50 Millionen Euro.