In der Tierwelt gilt, wenn etwas besonders hässlich ist, droht Gefahr. So nehmen die meisten Lebewesen automatisch Reißaus, wenn sie eine Muräne, den hässlichen in Höhlen auf seine Beute lauernden Knochenfisch sehen. Und auch mit Warzen übersäte Kröten signalisieren Gefahr und haben wenig Freunde.

Vielleicht ist der neuartige Blitz-Anhänger, den die Stadtverwaltung seit Montag testet, auch deshalb so hässlich?

Weniger schöngeistige Gemüter würden das „Gerät“ wohl als funktional bezeichnen. Wer sich an die jeweils gültige Geschwindigkeitsbegrenzung hält, dem dürfte es schlicht egal sein und für die Außendienstmitarbeiter der Stadt ist es die aus Blech geformte Erinnerung daran, dass auch sie ersetzbar sind – durch ein wenig unästhetisch in Form gebrachtes Blech und etwas graue Farbe.

Erster Test an der Mindener Straße

Das vom Fachbereich Bürger und Ordnung testweise im Einsatz befindliche Gerät, misst ab sofort, ob Autos und Lkw zu schnell unterwegs sind. Es trägt den etwas sperrigen Namen „semistationäre Geschwindigkeitsüberwachungsanlage“. Ein Name, fast so kantig und abstoßend wie das Gerät und die Intention, damit ausgerechnet an gut ausgebauten Haupteinfallstraßen, wie der je Fahrtrichtung zweispurigen Mindener Straße, die Stadtkasse aufzubessern, statt sich in weniger befahrenen Nebenstraßen, vor Schulen und Kindergärten zu postieren – aber das ist eine andere Geschichte.


Zwei Mitarbeiter werden arbeitslos

Grundsätzlich, so die Stadtverwaltung, ist die Anlage an verschiedenen Orten einsetzbar, kann aber bis zu 14 Tage ununterbrochen an einem Standort messen, ohne dass sie von zwei Personen bedient werden muss, wie das bei einer mobilen Anlage nötig ist.
Der erste Einsatz erfolgt also an der gut ausgebauten Mindener Straße, weit weit weg von Schulen und anderen Gefahrenpunkten. Auch nicht an der mit Tempo 30 geschützten Kita, etwas weiter stadteinwärts, wo der Verkehr durch die nahe Ampelanlage aber ohnehin nicht so zügig unterwegs ist und tatsächlich (nur) notorische Raser erwischt werden würden.

Der Fachbereich, so eine Erklärung der Stadt, wird diese Anlage in den nächsten drei Monaten an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet einsetzen – das Gerät wandert also. Eingebaut in einen Autoanhänger kann es schnell umgesetzt werden. Die Anlage arbeitet mit einem laserbasiertem Messsystem und erfasst damit gleichzeitig die Geschwindigkeit aller Fahrzeuge über mehrere Fahrspuren hinweg.

Diebstahl und Vandalismus wird automatisch erkannt

Um Bewegungen oder Diebstahl zu verhindern, wird das Fahrzeug vollständig abgesenkt. Die Anlage ist durch den Einsatz entsprechender Materialien gegen Sabotage und Vandalismus gesichert. Ein integriertes Alarmsystem informiert außerdem über mögliche Versuche das Gerät – auf welche Art auch immer – zu beschädigen.

Die Stadtverwaltung mahnt: Auch wenn die „semistationäre Geschwindigkeitsüberwachungsanlage“ zurzeit nur getestet wird: Wer von der Anlage beim Rasen erwischt wird, wird trotzdem zur Kasse gebeten.

Foto: Ralf Reinecke