Es war zeitweise eine skurrile Pressekonferenz, zu der am Montagabend vom Osnabrücker Zoo eingeladen wurde. Skurril wurde die Veranstaltung deswegen, weil sich unter die anwesenden Journalisten ein Teilnehmer gemischt hatte, dessen Fragen und Monologe zu einer ermüdenden Litanei über das Für und Wider von Zoologischen Gärten wurden.

Wie sich nach der Pressekonferenz herausstellte, wollte der mitteilungsfreudige Aktivist die Pressekonferenz nicht nur zu einer Bühne für seine eigene Weltsicht umwidmen, sondern strebt nun auch eine Klage gegen den Zoo Osnabrück an.
Statt eines tödlichen Schusses auf die ausgebrochene Hybridbärin „Tips“ hätten auch Netze geworfen werden können oder man hätte es auch mit Betäubungspfeilen probieren können, so der ehemalige Entwicklungshelfer aus Oberbayern, der in mehreren als Frage getarnten eigenen Theorien versuchte Zoodirektor Prof. Dr. Michael Böer fachliche Mängel nachzuweisen.

Zoodirektor Prof. Dr. Michael Böer und Geschäftsführer Andreas Busemann
Sichtlich mitgenommen von den vergangenen 48 Stunden: Zoodirektor Prof. Dr. Michael Böer und Geschäftsführer Andreas Busemann.

Der Zoodirektor konterte alle Anwürfe gegen ihn und den Osnabrücker Zoo und stellte nochmals fest, dass sich am Samstag mehr 4.000 Besucher im Zoo befanden und es zum Zeitpunkt der insgesamt vier tödlichen Schüsse eine konkrete Gefahr für einen in der Nähe befindlichen Zoo-Mitarbeiter gegeben habe. Selbst unter besten Umständen und einer erfolgreichen Betäubung innerhalb einer Minute hätte der Bär bis zum vollen Eintritt der Wirkung des Betäubungsmittels noch die Möglichkeit gehabt einen Menschen zu töten. In einer solchen Situation, so Professor Bör, hat das Leben der Menschen immer Vorrang. Dennoch war es dem Zoo-Direktor anzusehen, dass ihn das Geschehen am Wochenende persönlich angegriffen hatte, zeitweise kämpfte Michael Böer mit Tränen. Der kaufmännische Leiter des Zoos, Andreas Busemann, bezeichnete den 11. März als schwersten Tag seiner Zeit beim Osnabrücker Zoo, und man werde jetzt nicht einfach zur Tagesordnung zurückkehren können.

Gelernter Erzieher und Fachmann für Übersinnliches

Nach Recherchen unserer Redaktion handelt es sich bei dem kritischen „Journalisten“ um Colin Goldner, der u.a. für die marxistische Tageszeitung Junge Welt und die linksalternative taz schreibt. Der aus der antiautoritären Kinderladenbewegung stammende gelernte „Erzieher“ wird in der Wikipedia mit Arbeitsschwerpunkten Sekten, „Psychokulte“, Okkultismus, Alternativmedizin und Heilslehren aus aller Welt in Verbindung gebracht. Es beschäftigt sich auch kritisch mit dem gegenwärtigen Dalai Lamaist Mitbegründer der Tierrechtsorganisation rage&reason und schreibt regelmäßig für das Quartalsmagazin Tierbefreiung.

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